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Geplanter Swingerclub: Protest in Röttenbach formiert sich

Gemeinderat positioniert sich klar dagegen, Nachbarn fürchten um ihre Kinder - 10.12.2019 10:23 Uhr

Im Januar möchte im Forstacker ein Swingerclub eröffnen, die Gemeinde erfuhr von diesen Plänen eher durch Zufall. Ein Antrag auf Nutzungsänderung wurde nicht gestellt. Nun ist das Landratsamt eingeschaltet.


"Die Bewohner dort, vor allem Familien, sind bis aufs Äußerste verunsichert", erklärte Ludwig Wahl bei der Sitzung am Montag und verwies auf die Nähe zur betreuten Jugendgruppe sowie dem Jugendtreff im Lohmühlweg. "Das ganze Thema hat die Verwaltung eine gesamte Woche außer Gefecht gesetzt, die Telefone standen nicht mehr still, jetzt wurde im Ort auch eine Petition gestartet", so der Bürgermeister weiter. Der Gemeinde und auch dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt liegen bis dato keinerlei Papiere oder der aus baurechtlicher Sicht notwendige Antrag auf Nutzungsänderung vor.

Für kommenden Donnerstag ist ein Gespräch mit dem Betreiber geplant, berichtete Ludwig Wahl und betonte: "Ich will mich nicht dazu äußern, wie jemand seine Sexualität ausleben soll oder den Moralapostel spielen, aber ich möchte die Sorgen und Ängste unserer Bürger ernst nehmen und bitte den Gemeinderat um eine klare Positionierung."

Anwohner fürchten ernormen Immobilienwertverlust

Die Räte stimmten dem Vorschlag der Gemeinde zu, dass alle rechtlichen Möglichkeiten geprüft und ausgeschöpft werden, um die Eröffnung des Swingerclubs am 4. Januar zu verhindern – Nachfragen oder eine Diskussion gab es in der Sitzung nicht.

Obwohl der Betreiber versichert hat, dass nur angemeldete Gäste Zutritt haben zu dem privaten Club und keine Laufkundschaft zu erwarten ist, fürchten die Anwohner auch "einen erheblichen Immobilienwertverlust". Die Sorge um ihr Eigentum hat sich dazu veranlasst, eine Online-Petition zu initiieren. "Wir fordern alle Genehmigungsbehörden auf keine Genehmigung zur Eröffnung des Swingerclubs "Relaxxx" zu erteilen", heißt es dort.

Die Argumentation: "Im Mischgewerbegebiet am Forstacker leben im Anwesen und außenrum schutzbedürftige Kinder. Außerdem sind Vereine wie der KCR, Fussballverein und Tennisclub, welche regelmäßig Veranstaltungen und Training veranstalten, ansässig." 77 Unterstützer hat die Petition auf der Plattform "openPetition" bislang gefunden, 29 davon aus Röttenbach. 195 sind nötig, damit openPetition von den zuständigen Entscheidungsträgern eine Stellungnahme einfordert. Die Petition läuft noch acht Wochen, also bis über das Datum der geplanten Eröffnung hinaus.

"Für den sozialen Frieden im Ort verantwortlich"

Bürgermeister Ludwig Wahl berichtet am Telefon, dass viele Emotionen im Spiel sind, wenn er auf das Thema angesprochen wird. "Dabei zeigt sich das volle Spektrum der Reaktionen – von belächeln bis hin zu Angst um die Kinder." Als Rathauschef sieht er sich als "für den sozialen Frieden im Ort verantwortlich" und ist deshalb froh über die klare Position im Gemeinderat. "Ich gehe davon aus, dass es am 4. Januar keine Eröffnung gibt und dass kein Swingerclub nach Röttenbach kommt."

Auch online wird sichtbar, wie unterschiedlich die Meinungen zu der Ansiedlung des Clubs in den Räumen einer ehemaligen Videothek sind. Während viele sich um die Kinder im Wohnviertel sorgen, schreibt ein User: "Was für eine Scheinheiligkeit und Doppelmoral! Pfui! Zu Hause in Röttenbach die Entrüstung gegen einen Swingerclub zeigen beziehungsweise spielen und gleichzeitig nach Nürnberg, Roth, Neumarkt oder Bischberg in die dortigen Swingerclubs fahren."

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