Aktionstag am 25. November

Gewalt an Frauen: Wenn Komplimente im Netz übergriffig werden

Edith Kern-Miereisz
Edith Kern-Miereisz

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach

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25.11.2021, 05:52 Uhr
Bild vom Internationalen Frauentag in Berlin. Auch der 25. November ist ein Aktionstag - dann steht vor allem die Gewalt an Frauen im Fokus.

Bild vom Internationalen Frauentag in Berlin. Auch der 25. November ist ein Aktionstag - dann steht vor allem die Gewalt an Frauen im Fokus. © Stefan Boness/Ipon, via www.imago-images.de, imago images/IPON

Frau Röhrer, als Dienststellenleiterin in Höchstadt haben Sie sicherlich auch mit der Online-Version von „Gewalt gegen Frauen“ zu tun - wenn Komplimente übergriffig werden. Das Thema haben bereits Vereine wie „Innoncence in Danger“ aufgegriffen. Wie oft wird dies in ihrem Wirkungsbereich angezeigt oder behalten Betroffene das Thema aus Schamgründen größtenteils für sich?

Viele Frauen werden mit Cyber-Mobbing, Hate-Speech und anderen Formen der Cyber-Gewalt konfrontiert. Aber trotz der Brisanz ist dieses Thema nicht umfassend erforscht.

Zu viele Frauen wenden sich nach wie vor aus Scham nicht an die Verfolgungsbehörden. Beratungsstellen und das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ sind mit dem Thema häufig konfrontiert.

Was ist das probate Mittel, wenn Frauen oder auch Männer pornografische Bilder erhalten, sexuell im Netz mit Sprüchen und Angeboten belästigt werden, wenn Posts auf beleidigende Weise kommentiert werden, wenn als Folge womöglich sogar Stalking stattfindet?

Bei pornografischen Darstellungen im Internet und/oder sozialen Medien handelt es sich in erster Linie um Tatbestände der §§ 184 StGB - Verbreitung pornografischer Schriften oder § 184 c StGB Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Inhalte sowie Verleumdung oder Beleidigungen auf sexueller Basis. Um Ermittlungen zu tätigen, sind aber Mindestangaben erforderlich. Aus Sicht der Verfolgungsbehörden ist angeraten möglichst sofort Anzeige zu erstatten, und die Speichermedien mit zur Polizei zu bringen, damit diese die verbreiteten Inhalte sichern können.

Sabine Röhrer wurde im März 2019 von Polizeipräsident Roman Fertinger zum Dienstantritt als Leiterin der Polizeiinspektion Höchstadt begrüßt. Zum Thema

Sabine Röhrer wurde im März 2019 von Polizeipräsident Roman Fertinger zum Dienstantritt als Leiterin der Polizeiinspektion Höchstadt begrüßt. Zum Thema "Anmache im Netz" gab sie ein aktuelles Interview. © Foto: Eduard Weigert

Wird eine Frau/Mann konkret sexuell im Netz angegangen sind Screenshots der Inhalte (Bilder/Texte) vorteilhaft, ebenso die Sicherung von IP-Adressen, Namen, Bildern des Verbreiters usw.

Gerade in diesem Deliktsbereich ist festzustellen, dass derartige Posts schnell wieder aus dem Netz verschwinden und im Rahmen der Ermittlungen nicht mehr aufgefunden werden können.

Mit jeder Weiterentwicklung des Internets und des Social Media verändert sich auch das Täterverhalten und die Spurensuche durch die Verfolgungsbehörden.

Welche der inzwischen zahlreichen von Jugendlichen mit Vorliebe genutzten Social Media-Plattformen - Facebook, Instagram, WhatsApp, TikTok, Telegram - gelten als besonders toxisch?

Darüber wird nicht explizit Statistik geführt. Das Nutzungsverhalten der Plattformen ist je nach Alter unterschiedlich.

In welchem Alter muss man Mädchen und Buben heutzutage über dieses Phänomen aufklären, nachdem die Internet-Nutzer schon Grundschulalter haben?

Erfahrungsgemäß machen Cyber-Mobber vor keinem Alter halt. In dem Moment, in dem sich Jugendliche in sozialen Medien bewegen, können sie mit Angriffen konfrontiert werden. Daher sollten sie so früh wie möglich, bereits im Grundschulalter, über das Phänomen aufgeklärt werden. Wichtig ist ihnen hierbei die Angst und die Scham zu nehmen, sich einem Erwachsenen insbesondere den Eltern zu offenbaren. Die Eltern der Kinder und Jugendlichen stehen da sehr wohl in der Verantwortung, Regeln und Verhaltensweisen im Umgang mit den sozialen Medien aufzuzeigen und auch entsprechend zu beaufsichtigen.