Vergiftung

Giftköder-Alarm: Gibt es in Erlangen-Höchstadt wirklich so viele Hundehasser?

Claudia Freilinger
Claudia Freilinger

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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19.5.2021, 17:53 Uhr
Diese Wurst kann der Hund gefahrlos fressen - bei Fleischfunden beim Gassi-Gehen sieht das natürlich anders aus.

Diese Wurst kann der Hund gefahrlos fressen - bei Fleischfunden beim Gassi-Gehen sieht das natürlich anders aus. © matsilvan

"Mir ist schlecht", schreibt eine Userin bei Facebook, "da steht man in der Frühe auf und liest von Giftködern, inzwischen mehrmals täglich". Innerhalb der letzten Monate gab es Meldungen von Hundehassern unter anderem in Uttenreuth, Möhrendorf, Eckental, Höchstadt und Adelsdorf. Bürger entdecken immer wieder vermeintliche Giftköder auf ihrer Gassi-Runde und wenden sich an die Polizei.

"Es verläuft tatsächlich in Wellen", sagt Christoph Reh, der bei der Polizeiinspektion Erlangen-Land die Sachbearbeitung der Tier- und Naturschutzfälle übernimmt. "Sobald jemand berichtet von einem Hund, der Vergiftungssymptome aufweist, ist jeder beim Gassigehen alarmiert. Bei uns treffen dann viele Meldungen ein."

Und es gibt eine klare Anweisung des Innenministeriums: "Wenn ein dringender Verdacht besteht, dass ein Köder Gift enthielt, soll er untersucht werden", sagt Reh. Das Überraschende dabei: "Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Erlangen-Land hat die Rechtsmedizin der Uni Erlangen, die solche Analysen durchführt, noch nie Gift in einem Köder nachgewiesen." Das heißt, die Tiere hatten zwar vielleicht etwas Giftiges aufgenommen - gezielte Angriffe waren aber nicht nachweisbar. Selbst bei den Fällen, die in Nürnberg-Süd für Aufregung gesorgt hatten, wurden nie Chemikalien gefunden.

Und natürlich gibt es in der Natur auch so viele Stoffe, mit denen sich ein Tier vergiften oder verletzten kann - das reicht vom Spritzmittel bis zum unachtsam weggeworfenen scharfkantigen Müll. Außerdem gibt es die sogenannten Kontaktgifte, bei denen schon eine kurze Berührung ausreicht, um gefährliche Folgen nach sich zu ziehen. Dies kann vorkommen, wenn ein Hund kurz über das Gras leckt und so das Gift aufnimmt. Einen großen Bereich machten die legal erhältlichen Stoffe wie Dünger, Insektizide oder Pflanzenschutzmittel aus. Diese werden zum Beispiel nach einem Regenschauer ausgewaschen und laufen in eine Pfütze, aus der später ein Tier trinkt. Bleiben noch Mittel wie Schneckenkorn oder Rattengift, die nicht sachgemäß ausgebracht werden. „Schon alleine das wäre ein Verstoß gegen das Chemikaliengesetz“, betont der Experte bei der Polizei: „Der Hund nimmt etwas davon auf und stirbt qualvoll."

Kein Giftköder, aber ein präpariertes Würstchen, das eindeutig Tieren Schaden zufügen soll.

Kein Giftköder, aber ein präpariertes Würstchen, das eindeutig Tieren Schaden zufügen soll. © Neu

Deshalb rät Christoph Reh dazu, schon beim ersten Verdachtsmoment zum Tierarzt zugehen. Das erhöht, die Chance, dass der Hund gerettet werden kann. Der Polizist kennt Fälle, in denen der Tierarzt klar auf eine Vergiftung getippt hat. "Die Besitzer möchten dann aber oft das Tier nicht zur Obduktion freigeben", sagt der Polizist, der dafür Verständnis hat. Und er denkt auch an die sterbenden Tiere, die weniger Aufmerksamkeit erregen. Denn auch Vögel, Marder oder Igel nehmen das Gift auf und verenden unter starken Schmerzen. Weit mehr als Hunde verenden Wildtiere an toxischen Stoffen. Sie ziehen sich ebenso wie Katzen zum Sterben aber eher zurück.

Die in vielen Foren verbreitete Hysterie über angebliche Vergiftungen durch „Hundehasser“ hält der Polizist für kontraproduktiv. Teils werde durch Hundehalter auch Selbstjustiz angedroht, sollte der Täter erwischt werden. Dabei sind auch die Besitzer in der Pflicht. „Wenn man den Hund einfach laufen lässt und in der Zwischenzeit mit dem Handy beschäftigt ist, kann das natürlich schief gehen, weil man nicht weiß, was das Tier aufnimmt.“

Da können Rehs Kollegen von der Polizeiinspektion Höchstadt nur zustimmen. Sie bekommen zwar nur selten Meldungen über Giftköder rein, raten aber dazu sich bei einem Verdacht an die Dienststelle zu wenden. Auch ein Handyfoto des Fundorts ist ein guter Tipp. Den mutmaßlichen Giftköder kann man mit dem Hundekotbeutel aufnehmen und sichern.

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