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Gipfeltreffen in Herzogenaurach

Der Kabarettist Wolfgang Krebs versammelte parodistisch alle noch lebenden Ministerpräsidenten - 02.03.2020 07:00 Uhr

Schließlich der echte Wolfgang Krebs.


Ihnen allen gab der Parodist, Kabarettist und Sprachkünstler Wolfgang Krebs eine Stimme, nein ihre Stimme. Da stammelte Edmund Stoiber, da ließ Horst Seehofer sein Kreissägen-Lachen erschallen, da fränkelte jovial Günther Beckstein und Söder schwadronierte staatsmännisch durch die politische Landschaft.

Söder ist ein vielbeschäftigter Mann, erst hat er die Bienen gerettet, jetzt verteidigt er mit Zähnen und Klauen die bayerischen Ferien, denn nur sie machen Bayern so erfolgreich. "In NRW dagegen bekommt man schon das Abitur, wenn man einen Topflappen häkeln kann". "Vielleicht bin ich demnächst Bundeskanzler", verrät er den Zuhörern. Momentan regiert er als CSU-Ministerpräsident allerdings noch mit den freien "Quälern" und dem "Weltvorsitzenden" dieser Gruppierung: Hubert Aiwanger.

Aiwanger – "ein Geschenk für jeden Kabarettisten" – hat so seine eigene, eher schlichte Lebensanschauung. Zu dem Coronavirus ist seine eindeutige Meinung: "Man soll darüber nicht mehr reden, dann verbreitet es sich auch nicht".

Stoiber ist da von einem anderen Format. Er schlägt durchaus sozialkritische Töne an, wenn er kritisiert dass heute einer Legehenne mehr Raum zusteht, als einem Menschen an seinem Arbeitsplatz. Wenn er sich allerdings in die Untiefen der Geschichte begibt, dann stammelt er verwirrende Erkenntnisse. Danach war Alois Siemens, ein Schafhirte im Bayerischen Wald, der Vater des Siemensgründers.

Mit Kreissägen-Lachen: Krebs als Horst Seehofer.


Seehofer schlägt sich noch heute auf die Schenkel, wenn er an den Bierzeltkracher "Maut" denkt. Kein Mensch glaubte ernsthaft, dass eine "Ausländermaut" eine Realisierungschance hätte, aber es gab tatsächlich zwei Vverkehrsminister – Dobrindt und Scheuer – die diesen Bierzeltgag in die Tat umsetzen wollten.

Der Baulöwe König Ludwig II kam majestätisch, staatstragend daher. Er hat wunderschöne Schlösser ausschließlich auf dem Land gebaut. Wenn er damals schon Herzogenaurach gekannt hätte, dann wäre der "Grüne Hügel" sicherlich hier entstanden.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel befindet sich auf ihrer Abschiedstournee. Da bleibt es ihr nicht erspart auch die "Stämme" des Freistaats zu besuchen, allerdings nur nach vorhergehender Tetanusimpfung. Die Bayern haben einfach keine Orientierung. Wieso liegt Oberbayern im Süden, Unterfranken oben? Und erst die verschiedenen Dialekte, die Klicklaute der Suhaelis sind da einfacher zu verstehen.

Dem Volk aufs Maul schaut Krebs mit seiner Kunstfigur Schorsch Scheberl. Er ist Vorsitzender in allen 30 Vereinen eines unaussprechlichen bayerischen Dorfes und beklagt die Landflucht. Dabei ist es dort wunderschön. Bei unserem Wirt kann man noch in D-Mark zahlen, unser Hausarzt ist ein Tierarzt, seit 20 Jahren im Ruhestand und der hat noch viele alte wirkungsvolle Medikamente in seiner Arzttasche. Scheberl hat auch einen Rat für die Jugend: "Machts keinen Master, sondern einen Meister".

Mit dem Schlagersänger Meggy Montana aus dem Allgäu kann Krebs die Franken sogar zum Mitsingen animieren. Er ist auf Brautschau, hat seine Kondome noch beim Schlecker gekauft. Fröhlich stimmt das Publikum in seinen Hit: "Was ich am liebsten an dir mag, das ist dein Bausparvertrag" ein.

Als Wolfgang Krebs sorgt er sich um die Demokratie und warnt vor den Populisten. Sie machen den Menschen Angst und haben dann ganz einfache Antworten auf komplizierte Sachverhalte. Darum sein Appell: "Eine starke SPD ist die beste Antwort auf Populismus". Und das obwohl er sicherlich nicht zu den Roten gehört.

Es war ein Augen- und Ohrenschmaus, wenn Krebs mit der Schnelligkeit eines Maschinengewehrs seine Pointen ins Publikum im ausverkauften Vereinshaus abfeuerte. Die Lacher waren manchmal so laut, dass man den nächsten Gag nur noch teilweise mitbekam. Entsprechend enthusiastisch applaudierte das Publikum. Sein Kabaretttitel "Geh zu, bleib da" war Programm.

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