Donnerstag, 21.11.2019

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Gremsdorf: Falsche Identität angegeben

Internetbetrug vor Gericht - 02.07.2019 18:05 Uhr

Es wird ein langer Prozess mit etlichen Verhandlungstagen werden. Denn weil die 30-jährige Lagerarbeiterin und der 36-jährige Bäckereifachverkäufer nicht aussagen wollen, müssen alle 95 in der Anklageschrift aufgelisteten Fälle akribisch überprüft und gegebenenfalls durch Zeugen bestätigt werden.

Am ersten Verhandlungstag wird die Anklageschrift verlesen. Das Ehepaar soll bei verschiedenen Firmen vor allem Handys, aber auch Elektrogeräte, Fernseher, Klamotten, Schuhe, eine Wohnwand, einen Dampfreiniger und anderes bestellt haben und zu sich nach Hause liefern lassen. Bestellt wurde allerdings unter einer falschen Identität. Verwandte wie Onkel, Tante oder Großmutter mussten herhalten – und dorthin gingen dann natürlich auch die Rechnungen. In der Anklageschrift heißt es: "Den verschuldeten Angeklagten kam es darauf an, die jeweiligen Vertragspartner über ihre Identität zu täuschen und die Namen von Personen anzugeben, deren Bonität Bestellungen im Internet zulässt." Das Ehepaar soll sich hierfür unbemerkt oder unter einem Vorwand Ausweiskopien der Verwandten besorgt oder Unterschriften gefälscht haben. Die ergaunerten Waren sollen die Angeklagten entweder selbst verwendet oder verkauft haben. Insgesamt ist ein Schaden von rund 55 000 Euro entstanden.

Vor der Polizei hat nur die 30-Jährige ausgesagt. Er habe sie dreimal vernommen und sie sei "sehr kooperativ" gewesen, berichtet der Beamte von der Polizeiinspektion Höchstadt. Der 36-Jährige hingegen sei nie erschienen. Der Polizist sagt aus, dass er neun der angeklagten Fälle eindeutig der 30-Jährigen zuordnen könne, weil sie in diesen Fällen Unterschriften gefälscht und dies zugegeben habe. Sie sei angeblich von ihrem Mann dazu gedrängt worden. "Bei allen anderen Fällen weiß aber keiner, wer das in den Computer eingetippt hat", betont die Verteidigerin des 36-Jährigen. Sie möchte ihren Mandanten nicht als Haupttäter und dessen Exfrau nur als Mittäterin dahingestellt sehen.

Sicher ist: Die 30-Jährige hat von den Betrügereien gewusst. "Sie hat ausgesagt, dass sie ihm öfters gesagt habe, er solle damit aufhören", berichtet der Polizist. Die Verhandlung wird am 15. Juli fortgesetzt.

jes

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