Großer Sport beim kleinen "Kutscher-Verein"

30.7.2017, 19:20 Uhr
Sportlich und schwungvoll durchs Wasserhindernis, das ist im Geländeparcours wichtig.

Sportlich und schwungvoll durchs Wasserhindernis, das ist im Geländeparcours wichtig. © Foto: Kerstin Hedwig

Denn für einen Verein wie den Fahr- und Reitsportfreunde Niederlindach mit gerade einmal 22 Mitgliedern ist so ein Turnier nur mit Einsatz aller Kräfte schon in der Vorbereitung und einem riesengroßen Helfernetz zu stemmen, eine wetterbedingte Absage bedeutet da mehr als nur eine halbe Katastrophe. So aber stimmte alles, angefangen von schön geschmückten und gut präparierten Turnierplätzen über die umfangreiche Verpflegungsstation mit ihren leckeren Angeboten – viele der von weit her angereisten Teilnehmer campieren neben ihren Pferden – bis zu den Ergebnissen für die teilnehmenden Lokalmatadore.

Da steht natürlich an erster Stelle Vereinsvorsitzender Bernhard Gumbrecht, seit langen Jahren in der Szene bekannt und am Samstag Sieger im Gelände bei den Pony-Einspännern Klasse M, aber auch seine Schüler Lisa Noppenberger, Alexander Hock und der noch nicht einmal 20-jährige Tobias Traut.

"Einfach die Beste"

Nicht zu vergessen natürlich Turniermoderatorin Katharina Emmert aus Passau, von den Gastgebern eingeladen "weil sie eben die Beste ist", die ihrem Ruf alle Ehre machte und den Fahrsport sogar den unbedarftesten Laien näher brachte.

Viele der kleinen und großen Sponsoren waren nicht nur mit Fahnen und Plakaten präsent oder gaben den Geländehindernissen ihre Namen. Bürgermeister Horst Rehder, der dem Verein von Gemeindeseite her den Rücken frei hielt, übernahm die Ehrung der Meister, Carsten Bokholt von der Großenseebacher Firma Helmholz war an den Turniertagen nicht nur anwesend, sondern auch mit Begeisterung dabei - "beim letzten Mal habe ich noch selbst die Hindernisse gestrichen".

Sie alle trugen das Ihre zum Erfolg der Meisterschaft bei. Den Aufwand dafür darf man nicht unterschätzen, bei der Geländewertung stehen an jedem Hindernis von den vier Verbandsrichtern eigens geschulte Hindernisrichter, die für jeden Fahrer Protokolle führen und diese dann an die Meldestelle weiter geben müssen. Dort werden die verschiedenen Wertungen dann zusammen geführt, um die Gesamtsieger der einzelnen Diziplinen für Ein- und Zweispänner sowie Groß- und Kleinpferde zu ermitteln. Wer von diesen dann in den drei Sparten die meisten Punkte errungen hat, wird Fränkischer Meister.

Bei A- und M-Dressur starteten 65 Gespanne. Da sich das überschaubare Fahrervölkchen öfters Kutschen oder auch die Beifahrer teilt, wird schon die Reihenfolge des Starts zur logistischen Herausforderung, schließlich muss Zeit zum Umspannen bleiben. Und die Beifahrer sind ja wichtig – ein erfahrener Hintermann kann vor allem im Gelände schon mal einen "Umsturz" verhindern, in dem sie oder er durch akrobatische Verrenkungen den Schwerpunkt in die Gegenrichtung verlagert.

Zu den Pflichten gehört außer der Navigation auch die Zeitüberwachung, denn wie lange man braucht, ist natürlich Bestandteil der Wertung. Ins Gelände gingen 45 Starter, die einen immerhin gut fünf Kilometer langen Parcours zwei Mal durchfahren mussten. Kondition benötigen hier Pferde und Fahrer. Die Pflichthindernisse müssen nacheinander und möglichst sauber durchfahren werden – einschließlich des schön gestalteten Wasserhindernisses. Dort finden sich die meisten Zuschauer ein, wenn so ein Gespann durch Wasser pflügt, sieht das imposant aus. Manches Pferd ist allerdings nur mit leichtem Zwang oder gar nicht durchs Wasser zu bugsieren, optisch ebenfalls vergnüglich.

Die Kutschen – vor allem die fürs Gelände – sind technisch hoch kompliziert. Da ragt nichts heraus, was an einem Baum hängen bleiben könnte, nichts kann rosten, alles ist bestens gefedert und gelagert. Kein Wunder, dass die im Verein auch mal weitergegeben werden. Dass alle blitzten und glänzten, dafür sorgten die Eigentümer und das zu ihrem Glück trockene Geläuf.

Sichtbare Unterschiede

Die Unterschiede zwischen den Favoriten und denen, die eher hinterher fahren, sind im Gegensatz zur Dressur im Gelände und beim Kegelfahren auch dem Laien ersichtlich. Der eine prescht durch die Hindernisse, seine Pferde permanent anfeuernd, der andere dreht eher gemütlich seine Kurven im Parcour. Beim eng gesteckten Fahren zwischen den Kegeln dürfen die darauf platzierten Bällchen nicht herunterrollen, das gibt Strafpunkte, wie wenn ein Springpferd einen Balken reißt. Die Parcours selbst werden von den Richtern gesteckt, so eng wie möglich, aber so breit wie nötig.

Dass der Zuschauer von all den Mühen nichts bemerkt, sondern seinen ungetrübten Spass an den Darbietungen haben kann, dafür sorgt hinter den Kulissen das Team der Fahr- und Reitsportfreunde unter der ordnenden Hand des zweiten Vorsitzenden Sigmar Maltenberger, der mit viel Detailwissen auch die Übersicht behält.

 

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