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Hemhofen: Ärger um Parkplätze am Corona-Testzelt

Eine Geplante Neureglung vor ihrer Praxis beunruhigt die Allgemeinärztin Kirstin Harrer. - 06.10.2020 06:00 Uhr

Kirstin Harrer hält einen der Vibrationspiepser in der Hand, die sie angeschafft hat, damit Patienten im Auto warten können, bis sie ins Sprechzimmer dürfen.

05.10.2020 © Foto: Claudia Freilinger


Fünf bis 15 Abstriche macht Dr. Kirstin Harrer hier am Tag von Patienten, die befürchten sich mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben, aber nicht nach Erlangen fahren möchten. Bald könnten es bis zu 100 Tests die Woche sein, auch als Standort für eine Fieberambulanz hat die Medizinerin sich beim Versorgungsarzt des Landkreises angeboten.

Kopfzerbrechen bereitet ihr derzeit aber nicht nur das Corona-Virus. Es geht vielmehr um die Parksituation vor ihrer Praxis. Die Räume liegen neben dem Goldenen Schwan, ziemlich am Anfang des Reihendorfer Wegs. Und entlang dieser Straße soll ortsauswärts bald ein absolutes Halteverbot gelten. Das heißt, gegenüber der Praxis darf kein Wagen mehr stoppen.

Und jetzt kommt Corona wieder ins Spiel. Denn natürlich muss die Ärztin ihre Patienten schützen. Wer COVID-19-Symptome hat, darf nicht ins Wartezimmer. "Viele chronisch Kranke möchten dort auch nicht hin, weil ihr Immunsystem geschwächt ist." Deshalb hat Kirstin Harrer 20 Vibrationspiepser angeschafft, mit denen die Betroffenen in ihren Autos warten können.

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Seit Montag in Betrieb: Das Corona-Testzentrum in Erlangen

Auf dem Besucherparkplatz am Westbad in Erlangen wurde am Donnerstag damit begonnen, ein Coronavirus-Testzentrum für die Stadt und den Landkreis Erlangen-Höchstadt einzurichten. Am Montag, 30. März, ging es in Betrieb.


Wenn sie an der Reihe sind, gibt das Gerät ein Signal ab und sie können direkt ins Sprechzimmer gehen. Die Piepser, die oft auch in Biergärten verwendet werden, haben nur eine begrenzte Reichweite. Sollten die Patienten nicht mehr in der Nähe parken können, wird das zum Problem. Auch hätten Angehörige nicht mehr die Möglichkeit kurz mit ihrem Wagen zu halten, um Verwandte aussteigen zu lassen, die beispielsweise schlecht zu Fuß sind. Rund 1000 Patientinnen und Patienten hat Kristin Harrer im Quartal, die wenigsten kommen nur einmal in dieser Zeit in die Sprechstunde, manche fast täglich.

Bürgermeister war vor Ort

Nachdem sich der Bauausschuss einstimmig für ein Halteverbot ausgesprochen hatte, hat sich Kirstin Harrer an Bürgermeister und Gemeinderat gewandt. "Ludwig Nagel war vor Ort", erzählt sie. "Das fand ich super, dass er sich gleich gekümmert hat." Eine einvernehmliche Lösung hätte sich aber nicht gefunden. Der Rathauschef hatte vorgeschlagen, dass die Patienten direkt vor der Praxis parken, aber dort muss Platz bleiben für Rettungswagen, meint die Ärztin.

Sie hofft sehr, mit ihrem Anliegen auf Verständnis zu stoßen, wenn das Thema im November noch mal auf die Tagesordnung im Gemeinderat kommt. Fünf Gemeinderäte hatten sich dafür stark gemacht.

Auch unter den Anwohnern am Reihendorfer Weg ist Kritik laut geworden. Sie plädieren wie Kirstin Harrer dafür, die Parkregeln so zu belassen, wie sie sind. "Ich bin schließlich keine Schönheitschirurgin mit irgendwelchen Patienten aus Berlin, sondern ich stehe für die Grundversorgung vor Ort", meint die Medizinerin.

Sie wolle keine dreckige Wäsche waschen und sei auch gerne bereit, Kompromisse zu finden. Das Halteverbot sei wohl deshalb angedacht, weil landwirtschaftliche Großmaschinen sonst Probleme haben beim Passieren. Vielleicht findet sich eine Lösung mit einer Beschränkung des Verbots auf bestimmte Zeiten im Jahr? "Aber bitte erst, wenn die Pandemie vorbei ist."

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CLAUDIA FREILINGER

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