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Montag, 20.05.2019

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Hemhofen: Hühnermobil hilft Osterhasen

230 Hennen produzieren Tag für Tag die begehrten Bio-Eier - 16.04.2019 15:09 Uhr

Die Hühner aus dem Hühnermobil in Hemhofen vom Biohof Kerschbaum legen nicht nur vor Ostern begehrte Bio-Eier.


Die 230 Hennen, die auf einem Acker an der Hauptstraße unter tätiger Mithilfe dreier Hähne nach allen Regeln der biologischen Hühnerhaltung arbeiten, produzieren begehrte Lebensmittel.

Melanie Klesse, Chefin über den Stall auf Rädern, ist mit dem Geschäft sehr zufrieden. Im Schnitt legt jede ihrer Hennen ein Ei am Tag, und selten ist bei Feierabend eines übrig. Spontan-Kunden decken sich in der aus einer alten Telekom-Telefonzelle gebauten Verkaufsvitrine ein. Ein Extra-Fach im Hofladen ist für die Abonnenten da, damit diese nicht zu kurz kommen. Haben sie doch mindestens eine Henne sozusagen unter Vertrag, die sie garantiert mit sechs Eiern pro Woche versorgt. Und – so ist es nun einmal – am Ende des Jahres noch eine Dienstleistung als Suppenhuhn verrichtet.

Eine ausrangierte Telefonzelle als schicker Verkaufsladen.


Seit Januar hat der Biohof aus der Hemhofener Apostelstraße, der mit eigenem Hofladen ursprünglich Erdbeeren, später auch Kartoffeln und Spargel aus eigenem Anbau vermarktet, sich dem Trend angeschlossen und einen Hühnerstall-Wagen aufgestellt.

Sie sind nicht die einzigen: Derartige Anlagen stehen auch bereits nahe dem Höchstadter Stadtteil Bösenbechhofen oder auch bei Tennenlohe. Die Geschäftsidee: "Eier werden immer gebraucht."

Zu Ostern ganz besonders. Der Stall, so Melanie Klesse, ist gerade wieder umgezogen, wie es seinem mobilen Prinzip entspricht. Etwas weiter weg von der Straße aber auf dem gleichen Feld arbeiten die Hühner weiter. Vorne wird umgepflügt und angesät.

Sinn der Mobilität: Wird ein Areal zu lange von den Vögeln bewohnt, wachsen durch Kot und anderes Krankheitsdruck und Ansteckungsgefahr. Gerade bei Bio-Betrieben, die ihre Tiere ja nicht pharmazeutisch behandeln, ist also ein neues, gesundes Gelände wichtig.

Das Unternehmen "Mobiler Hühnerstall" ist für die Kunden attraktiv, so eine Hemhofenerin, die als Mieterin zweier Kerschbaum-Hennen die ganze Familie von dort mit Eiern versorgt. Und eigentlich ist es auch eine einfache Geschäftsidee. Aus dem sozialen Netzwerk, über das bundesweit die Betreiber solcher Ställe in Verbindung stehen, weiß Melanie Klesse aber, dass so ein Hühnerstall rechtlich ein komplexes Gebilde ist – im Spannungsfeld zwischen bayerischem Baurecht und Straßenverkehrs-Zulassungsordnung.

Die Betreiber des Kerschbaum-Hofs haben sich ihren mobilen Hühnerstall daher vom Landratsamt rechtlich genauso begleiten lassen wie medizinisch von einem Tierarzt. So sind sie auf der sicheren Seite.

In der Tat bestätigt eine Anfrage bei Hannah Reuter-Özer, der Sprecherin des Landratsamts: Mobile Hühnerställe sind manchmal zum Eierlegen kompliziert. Da kommt es darauf an, ob so ein Stall auch wirklich bewegt wird, nicht einfach nur Räder hat und trotzdem dauerparkt. Wechselt er etwa alle drei Monate den Standort, gilt er rechtlich nicht als Gebäude, muss folglich auch nicht genehmigt werden. Lediglich Immissions- und Gewässerschutz muss sein Besitzer gewährleisten. Dabei muss es schon ein erkennbarer Ortswechsel sein: ein paar Meter weitergeschoben zu werden, machen einen Hühnerstall rechtlich nicht mobil.

Zu einem Gebäude kann so einen Stall auch seine Größe machen. Die Staatsregierung hat sich in ihren Richtlinien dafür an der Straßenverkehrszulassungsordnung orientiert. Diese rät den Kreisverwaltungen, einen Stall ab drei Metern Breite und zwölf Metern Länge nicht mehr als mobil zu werten und deshalb die Bauordnung anzuwenden.

Diese wiederum befreit aber im sogenannten Innenbereich Gebäude mit weniger als 75 Kubikmetern umbauten Raums ebenfalls von der Genehmigungspflicht. Im sogenannten Außenbereich sind Landwirte in aller Regel privilegiert.

 

RAINER GROH 

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