Donnerstag, 21.11.2019

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Hemhofen will ein Konzept für den "Friedhof 2050"

Bei einem Workshop wurden bereits erste Ideen gesammelt - 06.11.2019 06:00 Uhr

Ein Blick auf den Hemhofener Friedhof. Der Wandel in der Bestattungskultur macht sich auch hier bemerkbar. © Foto: Katrin Bayer


Zum anderen hatte die Gemeinde im vergangenen Jahr für ihre beiden Friedhöfe ein Defizit von fast 100 000 Euro zu tragen. Die Gebühren müssen neu kalkuliert werden, aber auch die Friedhofssatzung insgesamt dringend überarbeitet werden. "Wir sind mit der Satzung seit längerem in Verzug", sagt Bürgermeister Ludwig Nagel. Der Verwaltung fehle für diese Arbeiten aber das Personal, so der Rathauschef. Man habe sich deshalb externen Fachverstand ins Haus geholt, die Freiburger Firma Weiher, die sich bundesweit mit Friedhofs- und Bestattungsfragen beschäftigt.

Um das Thema breiter anzugehen – schließlich bleiben auf den Friedhöfen immer größere Flächen leer, weil sich Trauernde nicht mehr für das klassische Erdgrab entscheiden, sondern für die Urnenwand oder gleich den Friedwald oder die Seebestattung – wurde die Firma Weiher neben der Gebührenkalkulation und der Satzung ebenfalls mit der Organisation einer Infoveranstaltung beauftragt, um Visionen in Bezug auf die Friedhofsgestaltung auszutauschen.

Teilgenommen haben an dieser Strategietagung in der vergangenen Woche Experten der Firma Weiher, Mitarbeiter der Gemeinde, Gemeinderäte, Bürger, aber auch beispielsweise Kirchenvertreter.

Wirkliche Beschlüsse gab es auf der Strategietagung freilich noch nicht, vielmehr war hier Platz für Ideen und Wünsche. Die Fachleute von Weiher etwa, Stefan Lubowitzki und Elke Chmella-Emrich, berichteten in kurzen Impulsreferaten zum Beispiel von aktuellen Friedhofstrends, was die Gestaltung angeht, und auch von neuen Erfordernissen an die Barrierefreiheit der Friedhöfe.

Geäußert wurde von den Teilnehmern unter anderem der Wunsch nach einer "geschlossenen" Aussegnungshalle am Zeckerner Friedhof – etwa, indem man den überdachten Vorplatz abschließt. "Das würde sich die evangelische Kirche wünschen, weil für die Protestanten der Weg zwischen Kirche und Zeckerner Friedhof weit ist", sagt Nagel. Aber auch für Begräbnisse ohne Gottesdienst im Vorfeld, bei dem auf dem Friedhof ein freier Redner spricht, wäre ein größerer geschlossener Raum gut.

Darüber hinaus würden auf den Friedhöfen, die ja Orte der Trauerbewältigung seien, Ruhezonen fehlen, wie Bürgermeister Nagel beobachtet. Etwas abseits stehende Bänke unter einem Baum etwa, in dem der Trauernde mit seinen Gedanken allein sein kann. "Da ist mit relativ geringem Mitteleinsatz viel möglich", ist sich der Bürgermeister sicher.

Zu berücksichtigen seien beim Konzept "Friedhof 2050", so schreiben die Experten von Weiher in einer Zusammenfassung des Workshops, auch die großen Teilflächen mit schwierigen Bodenverhältnissen auf dem Hemhofener Friedhof, die für die Sargbestattung nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zugelassen seien. Diese Flächen würden langsam leerlaufen, immer mehr Lücken würden entstehen, das Gesamtbild leide, Pflegeaufwand und -kosten steigen für die Gemeinde an.

Und das obwohl der Unterhalt eh schon teuer ist: "Schließlich unterhalten wir als Gemeinde mit Hemhofen und Zeckern zwei große Friedhöfe mit jeweils einer Aussegnungshalle", so Bürgermeister Nagel. Man könne das Defizit deshalb nur langsam reduzieren – etwa, indem man den Pflegeaufwand senke. "Denn die Gebühren stark zu erhöhen, kann auch nicht der richtige Weg sein."

Nach der Ideensammlung soll nun eine Masterplanung erarbeitet werden, entweder von der Gemeinde oder wiederum von Fachleuten. "Wobei meine persönliche Meinung ist, dass man dabei professionelle Unterstützung braucht", sagt Nagel. Niederschlag finden könnten in dem Konzept dann auch neue Bestattungsideen wie beispielsweise Beisetzungen auf einer Blumenwiese mit Obstbäumen. Platz dafür wäre auf dem Zeckerner Friedhof reichlich.

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