Donnerstag, 09.04.2020

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Herber Schlag für Fotogeschäfte auch in ERH

Passfotos für Ausweise dürfen nur noch in Behörden gemacht werden - 10.01.2020 06:57 Uhr

Bisher wird mit Passfotos ein Großteil des Geschäfts gemacht: Stefan Müller (l.) fotografiert hier seine Mitarbeiterin Rebecca Braun. © Foto: Maria Däumler


"Den Großteil unseres Ertrages erwirtschaften wir mit Passfotos", sagt Stefan Müller, Inhaber von Ringfoto in der Herzogenauracher Hauptstraße. "Wenn dieses Tagesgeschäft wegfällt, dann brauche ich eigentlich das Fotostudio hier mitten in der Stadt so gar nicht mehr."

Das bestätigt auch Julia Durmann, die vor einem Jahr das Fotogeschäft ihrer Mutter in der Badgasse übernommen hat. Auch die 29-Jährige macht viele Passfotos. Würde die aktuell diskutierte Gesetzesänderung tatsächlich umgesetzt, dann hätte das Folgen für die Innenstadt. "Zwei der drei Fotoläden würden aus der Stadtmitte verschwinden", schätzt Müller. "Wenn die Laufkundschaft wegbleibt, dann könnte ich das Geschäft auch an einen günstigeren Standort verlegen."

Solche Gedanken hat sich Julia Durmann auch schon gemacht. Sie fotografiert oft Senioren, Menschen mit Handicaps und Babys. "Wenn diese Menschen ein Passfoto benötigen, braucht man viel Geduld und man muss auf die spezifischen Eigenheiten eingehen." Zu bettlägrigen Senioren fährt sie sogar nach Hause, um sie abzulichten. "Wie soll das funktionieren, wenn ein Automat bei den Behörden steht?", fragt sie sich.

Stefan Müller findet: "Da haben sie wohl nicht ganz zu Ende gedacht." Passfotos aus einem Automaten seien möglicherweise für 60 Prozent der Kunden in Ordnung, für die anderen 40 Prozent aber nicht. Zu ihm kämen häufig auch Eltern mit Babys, die ein Foto für den Reisepass brauchen. "Die müssen sie auf ein Kissen legen und sehr geduldig sein. Das dauert manchmal eine halbe Stunde." Vielleicht, so überlegt der Herzogenauracher Fotograf, könnten sich Fotostudios künftig zertifizieren und die Software direkt an die Behörde anschließen, sodass eine mögliche Fälschung ausgeschlossen wäre.

"Ich bin auf 180", sagt Petra Weller, Fotografenmeisterin aus Höchstadt. "An dem Tag, wo das Gesetz durch ist, kann ich mein Geschäft zusperren. Ich wäre komplett am Ende", stellt sie klar. Auch ihre Angestellte, die seit 26 Jahren bei ihr ist, müsste sie entlassen. Weller hat schon einen Brief an Innenminister Horst Seehofer geschrieben und ihrem Ärger Luft gemacht. "Die Politiker vernichten so eine komplette Branche ohne mit der Wimper zu zucken", Tausende von arbeitslosen Fotografen wären die Folge, so Weller.

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