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Herzogenaurach: Dach des Schlossgebäudes muss saniert werden

Laut Architekt führt beim Rathaus-Neubau kein Weg an einer statischen Ertüchtigung vorbei - 03.05.2021 06:00 Uhr

Das Gebälk im Schlossgebäude ist teilweise marode und muss aus statischen Gründen ertüchtigt werden. Drei Sanierungsvarianten lagen auf dem Tisch.

02.05.2021 © Foto: Matthias Kronau


Um es vorweg zu nehmen: Der Stadtrat genehmigt an diesem Abend beide Posten einstimmig. Dabei liegen die Kosten für die Baumeisterarbeiten immerhin 50 Prozent über dem letzten bekannten Schätzwert für diese Leistungen und 22,5 Prozent über der Kostenberechnung von 333 600 Euro. Trotzdem darf die Firma Josef Fösel Bauunternehmung GmbH aus Memmemsdorf die Arbeiten für 408 659 Euro ausführen. Die Baumeisterarbeiten umfassen unter anderem Betonstemm- und Schlitzarbeiten, Sturzerhöhungen, Kernbohrungen für Grundleitungen, Freilegung und Wiederherstellung von Gewölbebögen, Verfugungsarbeiten, Schwammbekämpfung, Überarbeitung der Fahrstuhlportale oder Übergang Schloss zu Touristinfo.

In seinem Sachstandsbericht erläutert Jürgen Ziegler von Focus Projekte, dass die erste Ausschreibung mit der Auflistung von vielen kleinen Einzelleistungen nur zu Angeboten weit über der Kostenberechnung geführt habe. Bei der folgenden freihändigen Vergabe seien nur noch die Bieter der vorangegangenen beschränkten Ausschreibung zur Abgabe eines Angebots aufgefordert worden – und das nach Durchsprache technischer Details. "Das hat sich gelohnt", so Ziegler, liege das Angebot doch nun 15 Prozent unter dem günstigsten Angebot der aufgehobenen Ausschreibung.

Bietergespräche im Vorfeld

Aus dem Stadtratsgremium kommt der Vorschlag, bei so schwierigen Gewerken schon im Vorfeld Bietergespräche durchzuführen, damit die Handwerker sich die Gegebenheiten und Anforderungen vor Ort anschauen können. "Das könnte uns so manchen Euro sparen", meint etwa Walter Drebinger (CSU).

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Unstrittig ist dann auch, dass das Dach des Schlossgebäudes saniert werden muss. Damit hatte man nicht gerechnet, doch bei einer genauen Draufsicht zeigten sich massive Schäden. Architekt Christoph Schmidt (BSS Architektur) erläutert detailliert das Ausmaß der Schäden, entstanden vor allem durch das Eindringen von Wasser. So gibt es im Dachstuhl Schäden an Balkenköpfen und Sparren, an inneren und äußeren Mauerschwellen und Gesimsbalken sowie im Kehlbereich. Aus Sicht des Experten führt kein Weg an einer statischen Ertüchtigung vorbei. Zudem müssten die Arbeiten mit einem Gerüst von außen erledigt werden, da man von innen nicht herankomme.

Drei Sanierungsvarianten

Drei Sanierungsvarianten hat das Architekturbüro erarbeitet. Die günstigste Variante A beinhaltet die Mindestmaßnahmen, Variante B setzt noch Ertüchtigungsarbeiten in bisher unbeschädigten Bereichen oben drauf. "Es soll ja dann einige Jahre halten", meint Schmidt. Variante C würde zudem noch eine komplette Neueindeckung beinhalten. Das ist laut Schmidt aber nicht nötig, die alten Ziegel könnten wiederverwendet werden. Es handelt sich um Biberschwanz-Ziegel einer Langenzenner Ziegelei, die 1973 eingedeckt wurden. Die Ziegel hätten eine tolle Qualität, seien mit 18 Millimeter Dicke robust und "insgesamt noch gut in Schuss". Man habe die Dachfläche von oben betrachtet und einzelne Ziegel abgeklopft. Die verbleibende Lebensdauer schätzt Schmidt auf 20 Jahre.

Architekt Christoph Schmidt (links) und Projektbegleiter Jürgen Ziegler zeigen in der Stadtratssitzung einen intakten Biberschwanz-Ziegel vom Schlossdach.

02.05.2021 © Foto: Jeanette Seitz


Auch das Gremium meint, man müsse die Ziegel jetzt nicht wegschmeißen. "Wir sollten nachhaltig arbeiten", findet Holger Auernheimer (SPD) und erntet Zustimmung von Retta Müller-Schmidt (Grüne), die gerne auf den "ökologischen Fußabdruck" achten möchte. Einstimmig sprechen sich die Stadträte dann auch für Variante B aus, die mit rund 490 000 Euro zu Buche schlägt.

Was die Störche betrifft – so eine Nachfrage von Walter Drebinger – versichert Schmidt, man werde die Dachsanierungsarbeiten abschnittsweise erledigen und eine Schutzwand am Gerüst anbringen, damit die Vögel ungestört weiterbrüten könnten. "Da sich die Störche nicht an die Verbotsschilder halten, versuchen wir uns zu arrangieren", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Wir werden sie natürlich nicht vertreiben." Ob man danach noch mehr Nistmöglichkeiten anbieten wolle, stehe der Stadt frei. Hier allerdings verweist Bürgermeister German Hacker auf die bereis "nennenswerte Storchendichte" in der Innenstadt und warnte, das dürfe nicht zu viel werden, weil sonst das Futterangebot nicht ausreiche.

Positive Tendenz

Dem Bericht von Jürgen Ziegler zum kompletten Rathaus-Neubau ist zu entnehmen, dass man gut in der Zeit liegt und nur drei Monaten hinterherhinkt wegen der damaligen Problematik mit den "Ankern" in der Baugrube. Alle anderen Verzögerungen konnten kompensiert werden, sodass Ziegeler momentan – wenn alles glatt läuft – von einem Fertigstellungstermin im Dezember 2022 ausgeht. Die realistische Kostenprognose liegt bei 39,441 Millionen Euro und damit 2,72 Prozent über der Berechnung. "Die Tendenz der Kostenentwicklung ist grundsätzlich positiv", so Ziegler abschließend. Man habe viele Vergaben unter der Kostenberechnung tätigen können und nur mal "Ausreißer" nach oben.

Zudem arbeiteten alle Beteiligten akribisch und kontinuierlich daran, Einsparpotenziale zu identifizieren und zu nutzen. Und nicht zuletzt werde der "Prognosekorridor" immer kleiner, die Prognosen somit immer genauer und verlässlicher. "Wir gehen in die richtige Richtung."

JEANETTE SEITZ

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