20°

Donnerstag, 02.07.2020

|

Herzogenaurach: Eigenstrom vom Dach ist nun Pflicht

Hitzige Diskussionen - Stadtrat beschloss Solarsatzung - 02.06.2020 06:00 Uhr

Viele Bürger haben schon längst PV- und Solarthermieanlagen auf ihre Dächer montiert, wie hier in Steinbach. Nun soll dies für neue Baugebiete verbindlich vorgeschrieben werden. © Archivfoto: Matthias Kronau


Das Vorhaben, bereits im Planungsausschuss vor der Corona-Pandemie diskutiert, unter anderem auf Anregung des Arbeitskreises Energie und als Teil des European Energy Awards, musste noch den Stadtrat passieren, nun in neuer Besetzung.

Es sieht vor, künftig in Bebauungsplänen, die Wohngebiete mit Einzel-, Doppel- oder Reihenhausbebauung festsetzen, eine Verpflichtung zur Installation einer Photovoltaik (3 kWp Leistung, etwa 1500 Euro Kosten) oder Solarthermieanlage (Deckung von 15 Prozent des Wärmebedarfs des Gebäudes, etwa 1000 Euro Kosten) festzulegen. In Ausnahmefällen könne abgewichen werden.

80 Prozent ohnehin mit grünem Strom

Beim Geschosswohnungsbau und in gewerblichen Flächen könne der Einzelfall geprüft werden. Ziel ist die Erhöhung des Anteils lokal erzeugter Energie. Eine Installation an der Fassade ist möglich. Betroffen sind von rund 8000 Gebäuden in der Stadt etwa ein Prozent.

Konrad Körner (JU) argumentierte gegen das Vorhaben: "Ein Grundsatzbeschluss ohne Grund. Am Nordhang in Niederndorf hätte man das machen müssen." Neubürgern würden Kosten aufgebürdet und Neubaugebiete benachteiligt. Es solle sich um eine "Empfehlung" handeln, so sein Änderungsantrag.

Bilderstrecke zum Thema

Zwölf Dinge, die der Klimawandel in Bayern verändert

Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Bis zum Jahr 2100 soll es bis zu 4,5 Grad wärmer werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf das Leben im Freistaat.


Bürgermeister German Hacker führte hingegen den Klimaschutz ins Feld: "Das ist kein Selbstzweck." Die Zeit, Anreize zu setzen, sei vorbei. Einschränkungen ergäben sich auf vielen Feldern, sei es bei Abgaswerten oder Handystrahlen. "Die Festlegung auf eine bestimmte Technologie behagt mir auch nicht", räumte Michael Dassler (FDP) ein, doch "Umweltschutz werden wir nicht umsonst bekommen. Man muss die Leute ein Stück weit zwingen."

Zwang zu grünem Strom?

"Gute Konzepte brauchen keinen Zwang", meinte hingegen Birgit Süß (Freie Wähler) und fragte nach der Kosten-Nutzen-Berechnung. Beim Schutz des Klimas sollte man dies nicht hinterfragen, erwiderte Hacker. Auch im Bauausschuss gehe es ständig um Auflagen und Vorschriften.

Holger Auernheimer (SPD) rechnete vor, bei 700 000 Euro Baukosten für ein Eigenheim seien dies 0,5 Prozent der Baukosten. Bei 80 Prozent der Neubauten werde es ohnehin realisiert, ergänzte Curd Blank (SPD).

Bilderstrecke zum Thema

Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Mark Deavin (Grüne) fragte nach dem Vergleich mit anderen Städten. Die Leiterin des Stadtplanungsamts, Anja Wettstein, informierte, auch in Erlangen und zahlreichen weiteren Gemeinden in Bayern existiere eine solche Vorschrift.

Wege der Förderung

In der Nähe von Einzeldenkmälern müsse es mit der Gestaltungssatzung in Einklang gebracht werden. Über das BAfA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) die KfW, das 1000-Häuser-Programm oder das CO2–Minderungsprogramm gibt es Förderung.

Franz-Josef Lang (CSU) versuchte zu vermitteln, "bevor es zu sehr in Polemik abdriftet: Photovoltaik ist wichtig und angekommen bei der Bevölkerung."

 

Direkt an Konrad Körner wandte sich Peter Simon (Grüne): "Die CSU hat 16 Jahre in Bund und Land regiert und Vorschriften erlassen. Dazu wolltest du noch Bürgermeister werden."

Der Änderungsantrag wurde abgelehnt.

Im nichtöffentlichen Teil wurde ein einstimmiger Beschluss gefasst, der der Kommandantenversammlung der Freiwilligen Feuerwehren folgte. Angeschafft werden Pumpen, die für verschiedene Ortsteilfeuerwehren eingesetzt werden. Die Firma Albert Ziegler aus Giengen/Brenz wird mit der Lieferung von sechs Tragkraftspritzen für 92 760 Euro beauftragt.

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

© Patrick Pleul dpa

Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

© Lukas Schulze, NZ

Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

© dpa

© dpa

Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

© Colourbox.de

Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

© Ina Fassbender/dpa

Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

© colourbox.de

© colourbox.de

Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

© Patrick Pleul dpa

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

6

6 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Herzogenaurach