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Herzogenaurach: Fahr-Nachhilfe nur auf Übungsplatz

Rat von Polizei und Fahrschulen — Immer mehr illegale Trainingsrunden auf öffentlichen Parkplätzen - 22.03.2019 09:00 Uhr

Der Herzogenauracher Fahrlehrer Hermann Feyler empfiehlt beim Wunsch nach zusätzlichen, privaten Fahrstunden ausschließlich Übungsrunden auf einem Verkehrsübungsplatz. © Foto: Eduard Weigert


Tatort Aischwiesen: Der dortige Polizeieinsatz auf dem Parkplatz unter der Aischtalbrücke in Höchstadt ist schon ein Jahr her. Damals beendeten die Ordnungshüter eine verbotene private Fahrstunde, erinnert sich der stellvertretende Höchstadter Inspektionsleiter Thomas Gamm. "Es gibt immer wieder solche Fälle", weiß er aus seiner langjährigen Praxis als Polizist.

Ein Auge zudrücken dürfen er und seine Kollegen aber nicht. "Das ist ein Offizialdelikt, das muss angezeigt werden." Genau genommen handelt es sich um zwei gleichzeitig begangene Straftaten. Einerseits das "Fahren ohne Fahrerlaubnis" durch den (meist) jungen Menschen am Lenkrad. Und dann das "Ermächtigen" zum führerscheinlosen Autofahren durch den Fahrzeughalter. Mögliche Folgen: Geldstrafen oder zu leistende Sozialstunden für den Jugendlichen.

Dazu noch eine Meldung an die Führerscheinstelle des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Mit dem Ergebnis, dass eine befristete Führerscheinsperre verhängt wird.

Der Verkehrssachbearbeiter der Herzogenauracher Polizei, Christian Wolf, erklärt: "Es kann sein, dass dann der Führerschein statt mit 17 Jahren erst ein oder zwei Jahre später gemacht werden darf." Das entscheiden Staatsanwaltschaft und Gericht..

Bei Ersttätern wird das Verfahren oft eingestellt. Im Wiederholungsfall oder bei Vorbestraften eher nicht. Auf ein genaues Strafmaß wollte sich der Erlanger Gerichtssprecher Wolfgang Pelzl nicht festlegen. Denn: "Jeder Fall ist anders." Seine Warnung: Auch Ersttäter bei solchen unerlaubten Fahrstunden hätten schon Sperren für das Erwerben des Führerschein erhalten. Manche der unbelehrbaren Möchtegern-Fahrer werden von der Führerscheinstelle im Landkreis auch zur medizinischen MPU-Untersuchung geschickt. Und fallen dort durch die erste Prüfung.

Die Fahrzeughalter — oft Eltern — werden auf jeden Fall von der Polizei zur Kasse gebeten. Auch ein oder zwei Monate Fahrverbot für sie seien gar nicht selten, so der Verkehrssachbearbeiter Wolf. Schließlich hätten diese Minderjährige zu illegalem Tun angeleitet.

Auch die Führerscheinstelle des Landratsamtsamtes bekommt regelmäßig Abdrucke von solchen Anzeigen, erklärt Sprecherin Hannah Reuter-Özer. "Das passiert schon ab und zu."

Unerlaubte Fahrstunden auf einsamen Waldwegen oder verlassenen Supermarktparkplätzen sind laut Polizei in Höchstadt oder Herzogenaurach eher die große Ausnahme. "Da gibt es bestimmt eine Dunkelziffer", glaubt aber Polizeihauptkommissar Gamm.

Seine Empfehlung: private Fahrstunden auf dem Verkehrsübungsplatz. "Ich habe selber zwei Töchter." Diese umzäunten Übungsplätze gebe es im Raum Nürnberg und Fürth. Keinesfalls sollten man "etwas riskieren" und nicht beispielsweise auf dem Schaeffler-Parkplatz in Herzogenaurach seine Runden drehen wollen.

Da der Vater oder die Mutter auf dem Beifahrersitz säße und "keine Bremsen" habe, könne bei solchen illegalen Fahrstunden schnell ein anderes Auto touchiert werden. "Das kostet dann gleich mindestens 1000 Euro."

Anruf von Anwohnern

Private Fahrstunden auf einem Herzogenauracher Discounter-Parkplatz hält Christian Wolf für weitgehend ausgeschlossen. "Da werden wir bestimmt von den Anliegern angerufen."

Prinzipiell hat der Herzogenauracher Fahrlehrer Hermann Feyler nichts gegen zusätzliche private Fahrstunden einzuwenden ("Aber nur auf dem Verkehrsübungsplatz."). Da sei man "in jedem Fall auf der sicheren Seite" und mache "nichts falsch". Wenn ihn Eltern von Fahrschülern nach solchen Verkehrsübungsplätzen fragen würden, wisse er, dass diese tatsächlich "Zeit und Nerven" investieren wollten. Denn nur dann machten die Stunden auf dem Verkehrsübungsplatz wirklich Sinn.

"Das kann man drei oder vier Mal machen." Dann lernten die Fahranfänger "a bisserle das Anfahren am Berg" und "a bisserle schalten". Mehr aber auch nicht.

Im guten Sinne etwas "vorbelastet" seien auch all jene, "die schon mit dem Traktor gefahren sind". Bei ihnen habe sich schon "ein Automatismus" für das Autofahren entwickelt. Das sei nach ein oder zwei Platzrunden auf dem Supermarktparkplatz noch lange nicht der Fall.

Aus seinen vier Jahrzehnten Praxis als Fahrlehrer weiß Hermann Feyler: "Das Auto sollte nach zehn oder zwölf Fahrstunden automatisch bedient werden können." Erst danach könne sich der Fahranfänger wirklich auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Und das ist ja schließlich das Ziel.

Laut Fahrlehrer-Branche sind für einen normalen B-Führerschein durchschnittlich 40 bis 50 Fahrstunden nötig. Die normale Fahrstunde kostet inzwischen praktisch überall in der Region über 40 Euro.  

FRANK HEIDLER

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