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Montag, 16.09.2019

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Herzogenaurach: Kritik an Elterntaxis

Verkehrserzieher verteilen Sicherheits-Accessoires an Erstklässler und plädieren für einen Schulweg zu Fuß. - 12.09.2019 07:00 Uhr

Leuchtend orange und mit Reflektorstreifen: So wie hier an der Anton-Wölker-Schule sind insgesamt 373 Erstklässler in Höchstadt jetzt mit Warn-Kappen ausgestattet. © Foto: Claudia Freilinger


"Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu, die schaffen das", appelliert Michaela Dassler von der Gebietsverkehrswacht Herzogenaurach an die Eltern, die sich in der Turnhalle der Cunz-Reyther-Grundschule Niederndorf versammelt haben. Hier werden die neuen Erstklässler – 51 an der Zahl – offiziell begrüßt. Dassler erwähnt bewusst, dass es viele "Helikopter-Eltern" gebe, die ihre Kinder am liebsten bis ins Schulhaus fahren würden. Doch sei es immens wichtig, dass die Kinder auch lernen, mit dem Verkehr umzugehen.

Damit die Schüler, wenn sie zu Fuß unterwegs sind, besonders in der dunklen Jahreszeit für Autofahrer gut sichtbar sind, verteilt Dassler gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Zahout neonfarbene Sicherheitstrapeze mit Reflektorstreifen. Jeder Erstklässler bekommt ein solches Trapez, gesponsert von der Sparkasse.

"Das Trapez wird über den Kopf und vor allem über den Schulranzen gezogen", erläutert Dassler und führt es auch gleich an einem Mädchen vor. Auf dem Schulweg am Morgen, aber auch mittags sollten die Trapeze im Einsatz sein – und das nicht nur in der ersten Klasse. "Ihr dürft Euch auch gerne gegenseitig daran erinnern", sagt Dassler zu den aufmerksamen Kindern.

Für die Sicherheit der Höchstadter Kinder sorgen signalfarbene Kappen. Auch hier ist das Phänomen "Elterntaxi" nicht unbekannt. Aber: "Bei uns bringen viele Mütter und Väter ihre Kinder in den ersten Wochen des Schuljahrs mit dem Auto, weil sie da viel Material mitnehmen müssen – danach entspannt sich die Lage meistens", sagt Rosi Wagner, Leiterin der Anton-Wölker-Schule.

Einbahnstraße ignoriert

Deswegen zeigt die Polizei jetzt Präsenz. "Oftmals fahren die Eltern hier einfach gegen die Richtung in die Einbahnstraße", berichtet Verkehrserzieherin Michaela Rosenthal. "Manche meinen wirklich, Verkehrsschilder gelten nur für die anderen." Immer wieder hätten Mütter und Väter Gründe parat, warum ausgerechnet ihr Verhalten so in Ordnung gehe. Andere seien einfach verunsichert, wo sie halten dürfen. An der Grundschule Höchstadt-Süd interpretieren immer wieder neue Eltern den anders gefärbten Gehsteig vor einem Geschäft als Parkplatz. "Wir erklären in den ersten Wochen viel", sagt Rosenthal. Wer dauerhaft uneinsichtig ist, bekommt einen Strafzettel.

Die Erstklässler der Cunz-Reyther-Grundschule Niederdorf freuen sich über neongelbe Trapeze für bessere Sichtbarkeit und damit einen sicheren Schulweg.


Allgemein wünscht sich die Verkehrserzieherin, dass wieder mehr Kinder ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen. Vor allem für die Jüngeren sei es wichtig, sich zunächst langsamer im Straßenverkehr zu bewegen, um Entfernungen und Fahrverhalten einschätzen zu lernen. Wer gleich mit dem Tretroller unterwegs sei, tue sich da schwerer. Und bei der Fahrradprüfung in der vierten Klasse seien Kinder, die immer mit dem Auto gebracht werden, oft schlicht überfordert. "Sie sollen sich da ganz plötzlich auf einer großen Kreuzung zurechtfinden – das klappt nicht". Rosenthal berichtet, dass inzwischen mehr Grundschüler auch beim zweiten Mal durchfallen.

Ihr Kollege Bernd Bayer hat auch gute Nachrichten: In Höchstadt gibt es nur selten Schulwegunfälle. Im vergangenen Jahr hat die Polizei von zweien erfahren. Vielleicht ist das auch den orangefarbenen Neonmützen zu verdanken, die VR-Bank und Verkehrswacht Höchstadt jedes Jahr an die Erstklässler verteilen. 373 ABC-Schützen sind in Höchstadt jetzt mit der Kopfbedeckung ausgestattet – damit sie auf dem Schulweg gut zu sehen sind. Denn gerade die Kleinsten tun sich zwischen den vielen "Elterntaxis", die teils gefährliche Wendemanöver vollziehen, schwer. 

cf/jes

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