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Herzogenaurach: Mächtiges Fundament der Burg

In der Herzkammer der Altstadt: Basis eines militärischen Funktionsbaus freigelegt. - 22.08.2019 07:00 Uhr

Zeigt das gewaltige freigelegte Fundament: Archäologe Marco Goldhausen. Anhand des Mörtels kann es zeitlich eingegrenzt werden.


Das spricht für ein eindrucksvolles Bauwerk, das sie einst getragen haben. Die Grundmauern sind insgesamt ein Quadrat von 12,85 Metern Seitenlänge.

Bei Mauern von 4,80 Metern – die Hypothesen vor der Freilegung sprachen von nur 3,85 Metern – bleibt in der Mitte eine Aussparung von etwa drei Metern Seitenlänge, deren Befestigung sich die hochmittelalterlichen Bauleute gespart haben.

Marco Goldhausen, der die archäologischen Ausgrabungen im Umgriff des Schlosses leitet, zeigte sich bei einem Besichtigungstermin angesichts des "gewaltigen" Fundaments überzeugt, dass der Turm innerhalb einer bereits vorher freigelegten Ringmauer (wir haben berichtet) ein militärischer Funktionsbau war.

Herzogenauracher Bauarbeiten 1964: Schon seinerzeit wurde deutlich, auf welch massivem Untergrund der Rathausbau errichtet wurde.


Es gebe die Theorie, solche Türme hätten zur Stauferzeit hauptsächlich der Repräsentation gedient. Er, Goldhausen, glaube dies aber nicht. Ein solcher Bau habe mit Sicherheit auch als Wehrbau und Zufluchtsstätte für die Bewohner der Siedlung gedient, eine Besatzung gehabt.

Schließlich waren Siedlungen in dieser Zeit nicht unbedingt befestigt. Die Erlaubnis, auch um Wohnbezirke Mauern zu bauen, erhielten Bewohner von Flecken wie Herzogenaurach erst später. Wie ausführlich berichtet, wurde "Uraha" erst 1348 erstmals als "Oppidum", also als befestigte Stadt urkundlich erwähnt. Eine zentrale Burg und ein Turm mit starken Mauern und genügend Platz, um vielen Menschen Schutz zu geben, ist nach Goldhausens Meinung im 12. Jahrhundert also alles andere als ein Luxus gewesen.

Aus dieser Zeit stammt das freigelegte Fundament. Der Fachmann erkennt dies am Mörtel. Die beiden Mauerschalen des Fundaments, aufgeführt aus Buckelquadern, wurden im Innern mit Feldsteinen und einem ockerfarbenen Mörtel verfüllt, der kleine Beifügungen aus Kalk, sogenannte Kalkspatzen, und auch Brocken von Holzkohle enthielt. Diese Mischung hat Goldhausens Team im Turm-Fundament gefunden und damit einen zuverlässigen "Ausweis" der Geburt des Turms.

Verlies vermutet

Wie hoch dieser war, lässt sich nicht sagen. Auch nicht aus der Mächtigkeit des Fundaments berechnen, sagt Goldhausen. Der Archäologe ist sich jedoch sicher, dass der Turm der Burg aus der Stauferzeit größer war als die weit später wohl im Zug der Stadtbefestigung erbauten Stadttürme, die noch heute stehen. In seinem Erdgeschoss vermutet man, war ein Verlies, denn alte Zeichnungen zeigen einen Zugang erst im ersten Stock über eine Außentreppe.

Die Mauern des Turms wurden jedenfalls etwas eingerückt auf das Fundament gesetzt, dessen freiliegende Oberfläche entsprechend mit Lehm abgedichtet. Auch dies lesen die Archäologen aus den Spuren auf dem Fundament.

Dieses hat man übrigens schon einmal bei einem Rathaus-Neubau freigelegt: 1964, als der jüngst abgerissene Verwaltungstrakt errichtet wurde.

Im Stadtarchiv ist dies mit Fotos belegt. Danach wurden beim Bau die Grundmauern mit einer Abwasserleitung durchschnitten und in eine Ecke ein Kanalschacht gebaut – "Störungen", wie dies die Archäologen nennen.

Ungestört wird der "Bergfried" – die bei Archäologen nicht gebräuchliche Bezeichnung entstammt der Burgen-Romantik des 19. Jahrhunderts – nicht wieder unter die Erde kommen: Sein Fundament muss weichen.

Künftig Stadtarchiv

Die freigelegten Grundmauern werden dokumentiert, hieß es bei der Besichtigung. Von den Resten der ganzen einstigen Burg werden auch 3-D-Aufnahmen gemacht. Dann müssen die mittelalterlichen Steine weg. Wo das Fundament liegt, sieht der Neubauplan des Rathauses das künftige Stadtarchiv vor.

Der Neubauplan, so Bauamtsleiterin Silke Stadter auf die entsprechende Frage, kommt wieder in Tritt. Nach der Neuausschreibung, wir haben berichtet, kamen laut Stadter Angebote. Diese würden derzeit geprüft.

Marco Goldhausen und seine Archäologen wollen mit ihrer Arbeit bis gegen Anfang Oktober fertig sein. Jetzt habe man ungefähr Halbzeit.

Man will sich als nächstes der Ringmauer annehmen, durch Abtragen der Aufschüttungen auch hier die Reste der ersten Mauer aus dem 12. Jahrhundert freilegen. 

Rainer Groh

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