Herzogenaurach: Mehrheit weiter für Südumgehung

16.7.2020, 06:00 Uhr
Johannes Kollinger (Mitte) verlas den offenen Brief an den Stadtrat von Herzogenaurach. Übergeben wurde das Schreiben von Agenda 21, Fridays for Future, Parents for Future und der Ortsgruppe des Bund Naturschutz.

Johannes Kollinger (Mitte) verlas den offenen Brief an den Stadtrat von Herzogenaurach. Übergeben wurde das Schreiben von Agenda 21, Fridays for Future, Parents for Future und der Ortsgruppe des Bund Naturschutz. © Foto: Edith Kern-Miereisz

Das auf 40 Millionen Euro bezifferte Projekt hat einen langen Vorlauf und zählt zu den umstrittensten in der jüngeren Stadtgeschichte. Die Stadtratsfraktion der Bündnisgrünen mit dem Stadtrat von "Die Partei" brachte nun erneut einen Antrag ein mit dem Wortlaut: "Einstellung des Bauvorhabens ,Südumfahrung‘ und Entwicklung eines zukunftsorientierten Verkehrsentlastungskonzepts".

"Flächenverbrauch stoppen" war bereits vor dem Vereinshaus als Sitzungssaal ein Großplakat aufgestellt. Eine Gruppierung aus Agenda 21, Fridays for Future, Parents for Future und Bund Naturschutz mit Sprecher Johannes Kollinger übergab in der Bürgersprechstunde vor der Sitzung einen Forderungskatalog an den Stadtrat mit zehn Punkten (siehe weiteren Artikel) zum Umweltschutz.

Vor diesem Hintergrund begründete Peter Simon (Bündnisgrüne), für Kosten von 40 bis 50 Millionen Euro werde "eines der letzten Biotope" im Stadtgebiet zerstört, bei gleichzeitiger Planung für die Stadt-Umlandbahn und Aurachtalbahn sei der Straßenbau "sinnfrei". Mit Park und Ride, E-Bikes, Homeoffice seit Corona existierten Entlastungschancen.

Bürgermeister German Hacker argumentierte dagegen, auch wegen Corona habe sich nichts geändert. Es würden keine Biotope überbaut, die Straße sei keine reine Zubringerstraße für Schaeffler, das Nord-Süd- und Ost-West-Problem des Einpendlerflusses werde gelöst. Ein Ergebnis aus den Einwänden im Planfeststellungsverfahren sei in den nächsten zwei Jahren zu erwarten. Die wachsende Stadt brauche Verkehrsachsen, "die uns fehlen. Menschen werden auch in Zukunft Auto fahren oder mit dem Bus nach Fürth".

Jahrelang sei nach Lösungen gesucht worden, verstärkte Holger Auernheimer, SPD-Fraktionssprecher. Ein Stopp wäre "ein Schlag ins Gesicht der Niederndorfer". Die Straße werde nicht nur von Schaeffler-Leuten benutzt, eine Gondel sei eine "Wunschalternative".

Für "interessant" hielt es Bernhard Schwab (CSU), dass der Antrag von zwei Koalitionsparteien des Bürgermeisters kam. Mit Baugebieten wie Herzo Base, Behälterberg, Reihenzach, Reuth und Bamberger Straße wachse die Stadt. Es sei "das Normalste auf der Welt, dass sich Bürger bewegen müssen". Die Zuzüge brächten statistisch täglich 12 000 zusätzliche Autofahrten. Fazit: Bisher kam "kein griffiger Vorschlag" zur Lösung der Verkehrsprobleme.

Für die Freien Wähler sagte Manfred Welker, der Grünen-Antrag komme sechs Jahre zu spät. Die Grünen hätten auch stets dem Haushalt inklusive Südumgehungs-Planung zugestimmt. Die Straße "durchschneidet ein riesiges Gebiet, wir sind nicht für die Südumgehung".

Diese "populistischen Äußerungen" wies Retta Müller-Schimmel (Grüne) zurück. Wegen eines Punkts wollten die Grünen nicht den ganzen Haushalt ablehnen. Der Antrag wurde gestellt in der Hoffnung, "dass sich Meinungen ändern" wie an der CSU in Bayern zu beobachten sei.

"Es war ein Fehler bei der Erschließung des Lohhof", so die Ansicht von Michael Dassler (FDP) und als dritter Bürgermeister Teil der Gestaltungsmehrheit im Stadtrat. Auch er sprach sich gegen die Südumgehung aus. Eine Nord-Süd-Achse könne nur durch einen Tunnel geschaffen werden. Grünen-Stadtrat Mark Deavin plädierte in engagierten Worten gegen den Straßenbau: 31 Fußballfelder würden versiegelt. "40 Millionen dafür – sind wir verrückt geworden?" Dies wies der Bürgermeister zurück. Es gebe Förderquoten für das Projekt.

"Klimaschutz ist uns wichtig", aber es braucht den Verkehrsmix für die beispielhafte Entwicklung der Stadt", positionierte sich Konrad Körner (Junge Union). Adidas plane noch immer mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen auf der Base.

Nach intensiver Debatte wurde der Antrag mit 18 gegen elf Stimmen von Grünen, Freien Wählern, FDP, Die Partei und AfD abgelehnt.

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