Herzogenaurach nimmt Sorgen der Jugend ernst

Hans von Draminski
Hans von Draminski

Springer-Redaktion

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4.3.2019, 06:57 Uhr
In der Jugendversammlung waren Schülerinnen und Schüler aller Schulen im Stadtgebiet dazu aufgerufen, Bürgermeister German Hacker Fragen zu stellen und ihre Wünsche und Anliegen vorzutragen.

© Foto: Eduard Weigert In der Jugendversammlung waren Schülerinnen und Schüler aller Schulen im Stadtgebiet dazu aufgerufen, Bürgermeister German Hacker Fragen zu stellen und ihre Wünsche und Anliegen vorzutragen.

Will man die Ergebnisse der Jugendkonferenz auf einen ganz simplen Nenner bringen, werden auch die jungen Herzogenauracherinnen und Herzogenauracher von den gleichen Problemen und Bedürfnissen umgetrieben wie ihre Eltern und Großeltern. Im Vordergrund stehen Fragen der Mobilität, der allgemeinen Lebensqualität und des Freizeitwertes, den die Stadt ihren Bewohnern bietet.

So fragen sich die Jugendlichen beispielsweise, warum das Tarifsystem des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) so kompliziert sein muss. Um warum es nicht möglich ist, ein Schülerticket einzuführen, das bezahlbar ist und die ganze Woche über an jedem Tag gilt. So gut wie alle, die an der Jugendkonferenz teilnehmen, benutzen die "Öffis" insbesondere den Bus, auch außerhalb der Schulzeit regelmäßig, wie eine entsprechende Nachfrage Hackers ans Plenum zeigt.

Das Stadtoberhaupt muss auch nicht lange nachdenken, um auf ein Modell zu kommen, das bereits eingeführt ist und gut funktioniert: Das in Erlangen für rund 400 Euro pro Jahr erhältliche Studententicket, mit dem man im gesamten VGN ohne Einschränkungen unterwegs sein kann: "Das entspricht annähernd der geforderten Ein-Euro-Tagesfahrkarte für Schüler", meint German Hacker, der verspricht, "dranzubleiben" und auch mit dem Landkreis ERH als dem Betreiber der Buslinien "noch einmal zu sprechen".

Klar, dass in diesem Zusammenhang auch die schon lange geplante Stadt-Umland-Bahn (StUB) ein Thema ist. Hacker rechnet damit, dass die Überland-Straßenbahn in zehn Jahren in Dienst gestellt wird: "Die Stadt Nürnberg hat 35 Kilometer Straßenbahnstrecken, wir bauen jetzt 26 Kilometer dazu", macht der Bürgermeister die Dimensionen des Millionenprojektes deutlich, das nach Fertigstellung Fahrten nach Erlangen im Zehn-Minuten-Takt anbieten soll.

Buslinien entfallen

Die Universitätsstadt lässt sich mit der StUB spürbar schneller als mit dem Bus erreichen – Hacker geht von 20 Minuten ab Zentrum Herzogenaurach bis zum Erlanger Bahnhof aus. Deshalb werden Linien wie der 199er und der 200er höchstwahrscheinlich entfallen, während die Linie über Niederndorf wohl bestehen bleibt, um den Stadtteil nicht abzuhängen.

Auch die Südumgehung ist bei Herzogenaurachs Jugend Thema. German Hacker macht klar, dass der Verkehr in den letzten Jahren schnell gewachsen ist, weil die Stadt und die Region auf Expansionskurs fahren. Und er gibt zu, dass man diese Entwicklung vorhersehen hätte können: "Da haben wir 20 Jahre verschlafen." Immerhin soll es bis zur Realisierung der Südumgehung, die Niederndorf von 14 000 bis 15 000 Autos täglich entlasten soll, nur etwa fünf Jahre dauern. Andere Ärgernisse lassen sich wohl deutlich schneller lösen. Etwa die "Haken", die der Radweg bei Haundorf schlägt. Diese für Radler höchst nervigen Kurven braucht es, weil hier auch Landwirte ihre Traktoren wenden und ihre Felder erreichen können sollen.

Hacker will sich nun dafür stark machen, dass der gerade Weg wenigstens einspurig "durchasphaltiert" wird. Schwieriger ist die für Zweiradfahrer in der Hauptstraße herrschende Parkplatznot zu lindern: Einen Parkschein an ein Motorrad oder einen Roller zu klemmen, scheint kaum praktikabel, legal ausgewiesene Parkplätze für motorisierte Zweiräder gibt es nur An der Schütt. Was laut Hacker wohl auch so bleibt, weil es einfach keinen Raum gibt, um spezielle Stellplätze auszuweisen. "Da müsst ihr weiter weg parken", meint Hacker hörbar bedauernd.

Wann im leer stehenden "Praktiker" neues Leben einzieht, kann auch der Bürgermeister nicht sagen. Das Gelände und Gebäude gehören einem südbayerischen Investor; immerhin hat die Stadt eine Nutzungssperre erlassen, die an dieser Stelle nur einen Baumarkt erlaubt. Guten Mutes ist German Hacker, dass es bei der Innenstadt-Bäckerei Römmelt noch in diesem Jahr wieder losgeht und es in der einen oder anderen Form Cafébetrieb und den Verkauf von Backwaren geben wird.

Hacker betonte in der Versammlung, dass er auch übers Jahr stets ein offenes Ohr für die Belange der Jugendlichen hat: "Wenn ihr Fragen oder Anliegen habt, schreibt einfach eine Email oder ruft an", sagt German Hacker – und meint das auch so.

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