Donnerstag, 22.04.2021

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Herzogenaurach: Volle Auftragsbücher zum Friseur-Neustart

Lockdown-Ende: Nach der Wiedereröffnung brummt bei das Geschäft - 02.03.2021 05:50 Uhr

Im Herzogenauracher Friseursaalon Stark hat am 1. März die Arbeit wieder begonnen: Praktisch im Akkord arbeitet das vierköpfige Team die vollen Auftragsbücher ab. Im Salon ist jeder zweite Platz gesperrt, um die Corona-Abstandsregeln einzuhalten.

01.03.2021 © Hans von Draminski


"Das wird ganz bestimmt ein richtiger Marathon", wusste Friseurmeister Max Stark vom "Salon Stark" An der Schütt schon ein paar Tage vor der Wiedereröffnung.

Demonstration gegen Schließung

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Noch im Januar hatten wie berichtet auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt Friseure unter dem Motto "Wir machen schön, nicht krank und fehlen euch im ganzen Land" gegen die anhaltende Schließung ihrer Geschäfte demonstriert und Perspektiven für die schwer gebeutelte Branche eingefordert. Nachdem die Politik am 10. Februar schließlich verkündet hatte, dass Friseurgeschäfte ab dem 1. März wieder öffnen dürfen, telefonierte Stark in den darauf folgenden Tagen seine Kundschaft ab, um den zu erwartenden Andrang ein Stück weit selbst steuern zu können.

"Frisier-Marathon" im März

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Sich selbst eingeschlossen verfügt Max Stark über ein vierköpfiges Team, um den "Frisier-Marathon", der in den ersten Märzwochen nach zweieinhalbmonatigem Lockdown droht, bewältigen zu können. Bei manchen, die von sich aus anriefen, um einen Termin zu vereinbaren, nur um diesen wenig später wieder zu stornieren, sei klar gewesen, dass sie "Friseur-Hopping" betreiben, um einen möglichst frühen Termin zu bekommen. "Dagegen kann man natürlich nichts machen", meint Max Stark. Klar müsse sein, dass sich die Umsatzverluste durch den zweiten Lockdown – von Mitte Dezember bis Ende Februar mussten die Friseure geschlossen bleiben – auch mit größtem Fleiß "nicht wieder herein arbeiten lassen, das Geld ist futsch", konstatierte Max Stark mit grimmigem Unterton.

Kein rechtlicher Anspruch auf Hilfen

Auch mit den staatlicherseits versprochenen Hilfen habe sich nicht viel bewegen lassen: Dadurch, dass die Friseure im Dezember noch bis zur Monatsmitte arbeiten durften, hatten sie keinen rechtlichen Anspruch auf Hilfsgelder für diesen Monat. Und für Januar und Februar könne man erst im März Hilfen beantragen, die sich an den konkreten Geschäftskosten bemessen würden.

Kosten reduziert

"Als selbstständiger Unternehmer hat man, als absehbar war, dass der Lockdown länger dauert, alle Kosten soweit wie möglich reduziert, bekommt für diese Zeit also auch nicht viel vom Staat zurück", so Max Stark. Zum Neustart werden im Salon Stark Sechs-Tage-Arbeitswochen absolviert, der traditionell freie Montag der Friseure ist fürs Erste passé. Pro Mitarbeiter und Tag plant Max Stark mit zehn Kunden. Und weil bei vielen im Lockdown die Haare länger gewachsen sind, plant er auch mit mehr Aufwand. Sobald die erste Kundenwelle durch ist, will er an Montagen alleine die Stellung halten. Bis Ostern, so hofft er, haben sich die Dinge zumindest im Friseurhandwerk "annähernd normalisiert".

Veränderungen im Kundenverhalten

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Auch bei den Friseuren könnte Corona gleichwohl dauerhafte Veränderungen im Kundenverhalten auslösen. Manche sogenannten Farbkundinnen, die sich die ersten grauen Haare wegfärben ließen, "lassen das Haar jetzt rauswachsen und stehen zu ihrem Grau", weiß Max Stark. Ein Phänomen, das schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 begonnen habe. Ein Damenhaarschnitt kostet mit Färben im Salon Stark zwischen 100 und 120 Euro, was aus kalkulatorischer Sicht auch ohne Corona eigentlich zu wenig ist, wie Stark betont: "Die Friseure sind am Preisdumping aber in gewisser Weise selber schuld, weil immer versucht wird, die Konkurrenz zu unterbieten", moniert Max Stark.

Für die Wiedereröffnung hat Stark das schon im vergangenen Jahr nach dem ersten Lockdown entwickelte Hygienekonzept optimiert: Jeder zweite Arbeitsplatz im Salon Stark ist mit Absperrbändern geblockt; es gibt darüber hinaus Trennwände und eine strikte Begrenzung der Kundenzahl, die auf einmal in den Laden gelassen wird.

Für vorbildliches Konzept gelobt

Blickt optimistisch in die Zukunft: Friseurmeister Max Stark in seinem Salon kurz vor der Wiedereröffnung.

01.03.2021 © Hans von Draminski


Angesichts von rund 100 Quadratmetern Ladenfläche sei es allerdings kein besonderes Problem, die Sicherheitsabstände einzuhalten. Im vergangenen Jahr sei der Salon Stark für sein vorbildliches Konzept sogar von den Kontrolleuren des Gesundheitsamtes gelobt worden. "Wir zählen flächenmäßig zu den größten Friseuren in Herzogenaurach, das kommt uns nun zugute", so Stark. Für das Team hat Max Stark 500 Einmal-Masken bestellt. Nichts soll die praktisch makellose Corona-Bilanz der deutschen Friseure – bei 80.000 Geschäften wurden 2020 insgesamt nur acht Ansteckungsfälle gezählt – verhageln.

Im Akkord, aber mit Sorgfalt

Wie lange Max Stark am gestrigen Montag gearbeitet hat? "Bis zum Ladenschluss, also etwa bis 20 Uhr", war seine Prognose am Vormittag, als er mit seinem Team in ungewohntem Akkord, aber mit der üblichen Sorgfalt aus mehr oder weniger strubbelligen Haarmassen wieder typgerechte Fisuren zauberte. Fragte man das Team, dann waren alle "glücklich, dass es wieder losgeht und die Normalität zurückkehrt", so die einhellige Meinung.

Grundentspannte Gesichter

Eine Stimmung, die sich sichtbar auch auf die Kundschaft übertragen hat: So viele grundentspannte Gesichter hat man in den vergangenen Lockdown-Monaten selten zu sehen bekommen. Der Friseurbesuch wird zum willkommenen Ausweg aus der Pandemie-Depression.

 

HANS VON DRAMINSKI

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