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Herzogenauracher Direktor verteidigt Mathe-Abitur

Norbert Schell spricht von einem "normalen Anspruchsniveau" - 07.05.2019 06:57 Uhr

Kopfzerbrechen bei den Mathe-Aufgaben gehört beim Abi dazu. Wie heftig allerdings, ist dieses Jahr strittig. Unser Symbolbild zeigt nicht die diesjährige Prüfung.


Wie verlief das Mathe-Abitur in Herzogenaurach? Gab es den Eindruck, die Abiturienten würden sich schwerer tun als gewöhnlich?

Die erste Reaktion kommt immer von den Lehrern. Morgens um 6 Uhr werden die Aufgaben geöffnet. Die Kollegen waren unaufgeregt. Auch später ging von den Prüflingen aus kein auffälliges Raunen durch die Halle. Wie immer reagieren die Schüler höchst individuell und unterschiedlich. So war es auch diesmal. Ich selbst kann jeden Einzelnen verstehen, wenn er mit den Aufgaben Schwierigkeiten hat. Aber es ist immerhin ein Abitur.

Wie werden die Abituraufgaben erstellt? Die Lehrer, die sie ausarbeiten, bekommen sie Vorgaben?

Es sind geheime Kommissionen, die die Aufgaben erarbeiten. Und nie gibt es Vorgaben vom Kultusministerium, etwa "dieses Jahr bitte echt schwer". Das gibt es nicht. Die Kollegen in den Kommissionen wissen genau, was sie fordern können, und sie folgen auch allgemeinen Entwicklungen im Lehrplan. Eine Entwicklung ist zum Beispiel die Kompetenz-Orientierung des Lernstoffs.

Norbert Schell ist der vierte Leiter des Herzogenauracher Gymnasiums. Im Schuljahr 2007-2008 folgte er Michael Stadelmann nach, dessen Stellvertreter er gewesen war. Gleich im ersten Jahr gab es unter seiner Leitung gleich zwei Abiturprüfungen: die letzte des neunjährigen und die erste des achtjährigen Gymnasiums.


So wird nicht mehr gefordert: "Diskutieren Sie die Funktion". Die Aufgabe wird vielmehr eingebunden in einen Kontext. Etwa in die Beschreibung eines Grabens für Geothermie, die letztlich zu einer mathematischen Funktion führt, die man diskutieren kann.

Ein Vorwurf dieser Online-Petition lautet, es seien auch Lehrplan-fremde Aufgaben gestellt worden. Sind solche Aufgaben überhaupt zulässig?

Nein. Der Vorwurf stimmt auch nicht. In Bayern war dies auch noch nie der Fall und es kann in Bayern auch nicht passieren.

Wie genau sind die Vorgaben für die Korrektoren für das Bewerten der Arbeiten?

Es gibt klare Vorgaben. Alle Teilaufgaben werden einzeln bepunktet. Aus der Punktzahl dann die Leistung des Prüflings bewertet. Man kann gar nicht "wohlwollend" oder "übelwollend" korrigieren. Es wird nach klaren Vorgaben das bewertet, was der Schüler geschrieben hat.

Es wird gefordert, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen. Hat man nach Ihrer Kenntnis jemals nach einer Prüfung am Notenschlüssel gedreht?

Nein. Es wurde in Reden gesagt, dass die Ergebnisse in Mathematik über die Jahre stark schwanken würden. Auch das ist nicht der Fall. Am Herzogenauracher Gymnasium haben wir die Notenschnitte im Mathematik-Abitur 15 Jahre zurückverfolgt und verglichen. Sie bewegen sich zwischen 2,95 und 3,01. Das sehe ich nicht als große Schwankung an.

Jetzt müssen die Arbeiten erst einmal korrigiert werden. Dann wird man sehen, ob die Ergebnisse wirklich so viel schlechter ausfallen als in den vergangenen Jahren. Wie auch immer: Es kann nicht sein, dass die Korrektur der Leistung angepasst wird.

Ich kann sagen, das Anspruchsniveau der Mathematik-Aufgaben war normal und wie immer haben die Schüler sehr unterschiedlich darauf reagiert. Doch geht es immerhin um die allgemeine Hochschulreife, die zu allen Studiengängen berechtigt.

INTERVIEW: RAINER GROH

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