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Montag, 30.03.2020

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Herzogenauracher gegen AfD und gegen Hetze

Vortrag und Protestaktion waren gut besucht - 10.03.2020 11:56 Uhr

Mit Plakaten, Bannern und Slogans auf dem Straßenpflaster demonstrierte die Aktionsgruppe „Herzo gegen Rechts“ am vergangenen Samstag wieder gegen die AfD. © Foto: Herzo gegen Rechts


Zum Vortrag hatte der SPD-Ortsverein eingeladen. Ortsvereinsvorsitzende Renate Schroff berichtete zunächst über die Ereignisse und Erfahrungen mit der Neonazi-Szene, die in Herzogenaurach in den 1990er Jahren auffällig war. Nazis randalierten damals im örtlichen Jugendzentrum, ein dunkelhäutiger Adidas-Mitarbeiter wurde angegriffen und Jugendliche massiv von den extremen Rechten umworben. Dagegen formierten sich Gegendemonstrationen und Lichterketten, die von der breiten Bevölkerung, den Schulen, Gewerkschaften, Kirchen und dem Stadtrat unterstützt wurden. Der "Runde Tisch gegen rechte Gewalt" wurde gegründet und befasste sich intensiv mit der Neonazi-Szene in der Region. Trotz zum Teil massiver Angriffe ließen sich die Teilnehmer damals nicht einschüchtern.

Und obwohl auch die Referentin Birgit Mair bereits Todesdrohungen erhalten hat, bleibt sie standhaft und wird demnächst als Zeugin in einem Gerichtsverfahren gegen einen AfD-Stadtrat auftreten.

Zweihundert Opfer rechter Gewalt seit 1990 seien ein deutlicher Beleg dafür, dass die extreme Rechte die größte Gefahr in Deutschland sei, sagte Mair. Sie beleuchtete in ihrem Vortrag verschiedene völkisch-nationalistische Szenen in Franken, ange-fangen von den Rechtspopulisten der Internetplattform "Hallo Meinung" bis hin zur "Einprozent-Initiative", der "Identitären Bewegung", dessen Bundeschef in der Nähe von Erlangen lebt, bis hin zu den Neonazis der Partei "Dritter Weg". Sie ging auf das Thema Reichsbürger ein, das 2016 in Georgensgmünd Schlagzeilen machte, als dort ein Polizeibeamter erschossen wurde.

"Die Zahl der Reichsbürger in Deutschland stieg 2017 sprunghaft an, weil die Behörden die Szene nach dem Polizistenmord verstärkt beobachteten", so Mair. Vor allem Nürnberg sei immer wieder Ort rechter Umtriebe. "Allein in den vergangenen fünf Jahren hat Nürnberg 70 extrem rechte Demonstrationen erlebt", sagte Mair, doch wie an vielen Orten Nordbayerns sei der Widerstand dagegen gut aufgestellt.

Dass die AfD auch hier in Mittelfranken immer weiter nach rechts gerückt sei, zeige folgendes Beispiel: Im Jahr 2017 war AfD-Funktionärin Elena Roon noch als Bundestagskandidatin abgesetzt worden, nachdem bekannt worden war, dass sie via WhatsApp ein Hitlerbild geteilt hatte, auf dem stand: "Vermisst seit 1945" und "Adolf, bitte melde dich! Deutschland braucht dich!" Ein Jahr später wurde sie dennoch wieder als Kandidatin aufgestellt und sitzt seither im mittelfränkischen Bezirkstag in Ansbach. Nun wolle diese Frau in den Nürnberger Stadtrat einziehen.

Dass die AfD keine Partei für die Armen und Entrechteten ist, legte die Referentin anhand von Beispielen dar. Es sei wichtig, den Widerspruch zwischen sozialer Rhetorik und der neoliberalen und marktradikalen Politik der AfD offenzulegen. Migrantinnen und Migranten würden von dieser Partei als Sündenböcke für Missstände markiert, konstruktive Vorschläge für die Lösung von Problemen würden aber kaum gemacht. "Eine Abgrenzung zu der Partei ist dringend notwendig" appellierte Mair.

Und genau das tut auch "Herzo gegen Rechts". Am vergangenen Samstag versammelten sich erneut rund 50 Menschen in der Herzogenauracher Hauptstraße zu einer Kundgebung und einer Mahnwache gegen die AfD-Präsenz. "Unser Herzogenaurach ist bunt – Wir haben Platz" war da auf Plakaten und Bannern zu lesen. Auch thematische Musik erklang. "Gemeinsam konnten wir noch einmal mit sogar noch mehr Menschen zeigen: Herzogenaurach duldet keine AfD, keinen Nationalismus und keine Hetze gegen Andersdenkende", so Organisator Thilo Schaufler.

nn/jes

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