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Heßdorf: Fürs Schafkopfen braucht man Grips und Leidenschaft

Das Kartenspiel ist mehr als nur eine Wirtshausbeschäftigung und hat eine lange Tradition - 24.04.2019 06:57 Uhr

In vielen fränkischen Gasthäusern wird Schafkopf gespielt. Auch die Membacher Wehr richtet jedes Jahr ein Schafkopfrennen aus. © Foto: Max Danhauser


Da das Schafkopfspiel in Deutschland nicht als Glücksspiel gilt, darf auch ganz legal um Geld gespielt werden. Und so wird in nahezu jedem fränkischen Gasthaus hin und wieder gekartelt.

Dennoch ist das Schafkopfen heute vielleicht sogar mehr als nur eine traditionelle Wirtshausbeschäftigung. Es scheint einen anderen, höheren Stellenwert eingenommen zu haben: Kürzlich forderte der Deutsche Philologenverband, das Schafkopfen aufgrund seines "hohen Bildungsgehaltes" als Schulfach einzuführen. Mit dem Schafkopfen kann man also offensichtlich nicht früh genug anfangen. Reinhold Trumet kann ein Lied davon singen.

Wo denn sein Erfolgsgeheimnis liegt? Man müsse die Karten auswerten können, meint der Heßdorfer nach seinem vierten Gesamtsieg; "und relativ risikoreich spielen."

Und mit Sicherheit geht es beim Schafkopfen auch um Leidenschaft. Bei Trumet ist das nicht anders. Seit 50 Jahren spielt er bereits, alles hat zu Schulzeiten angefangen. Mit dem Schulranzen auf den Knien habe er im Zug die ersten Kartel-Erfahrungen gesammelt.

Vor zehn Jahren hat die Membacher Wehr ein jährliches Schafkopfrennen wieder aufleben lassen, das es bereits in den 1980er Jahren gegeben hat. In zwei Runden à 40 Spielen wird der Sieger nach Punkten ermittelt. Dabei übt das Spiel auf die Teilnehmer offensichtlich einen besonderen Reiz aus. So ist das Rennen in Untermembach nur für Mitglieder des Vereines. Externe Spieler, die von Turnier zu Turnier reisen und nur auf Siege aus sind, gebe es hier nicht, wie immer wieder lobend erwähnt wird.

Außerdem erhält jeder Spieler für eine Startgebühr von 5 Euro eine Brotzeit und einen Preis – nicht zuletzt dank zahlreicher Sponsoren. Auch Peter Schickert freut sich über die tolle Gesellschaft und spielt "aus Spaß an der Freude" mit. Seit er 13 Jahre alt ist, also seit 46 Jahren, kartelt er gerne. Das Schafkopfen gefalle ihm zudem, weil es so unvorhersehbar sei. Und vielseitig, "wenn man es gut kann", sagt Schickert. Doch für die unterschiedlichen Varianten des Spieles brauche es schon geübte Kartler.

Davon gibt es genug, wie die Altersspanne des Turniers zeigte. Der älteste Teilnehmer war fast 80, doch auch die jüngere Generation kommt nach: Der Jüngste der 40 Teilnehmer war erst 19 Jahre alt.

Auch wenn der Altersdurchschnitt normalerweise etwas höher liegt, tut das der Beliebtheit der Schafkopfrennen keinen Abbruch. Wer in die Veranstaltungskalender der Region schaut, findet eine Vielzahl von Schafkopfrennen im gesamten Landkreis. Das Schafkopfspielen hat in Bayern bzw. Franken eine lange Tradition. Die Feuerwehr aus Gremsdorf beispielsweise lädt zu einer Dorfmeisterschaft ein. Und der Schafkopf-Club Bayern richtet neben einer Meisterschaft im Freistaat auch die Deutsche und seit einiger Zeit sogar die Weltmeisterschaft im Schafkopfen aus. 

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