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Höchstadt: Für ein Leben im Kloster entschieden

Gunter Hartlieb ging als Ordensbruder nach Plankstetten. - 09.07.2020 13:00 Uhr

Er hat sich für ein Leben im Kloster entschieden: Frater Patrick (links) mit Abt Beda Maria Sonnenberg und dem Höchstadter Dekan Kilian Kemmer in Plankstetten.

© Foto: privat


Nur bedeutet sein "Ja" ein Leben im Kloster bis zum Lebensende. "Ich habe nie daran gedacht, zu gehen", betont der 37-jährige Mönch, der nun nach vielen Jahren des Probelebens und der Triennalzeit im Kloster in Plankstetten seine ewige Profess ablegte.

"Wir sind froh, ihn hier zu haben. Er hat eine Dynamik, die dem Haus guttut", freut sich Klostervorsteher Abt Beda Maria Sonnenberg, der aus Neunkirchen am Brand stammt. Frater Patrick verbrachte als Gunther Hartlieb, wie er im bürgerlichen Leben hieß, seine Kindheit und Jugend in Höchstadt. Er lernte zunächst den Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs, schulte dann zum Bürokaufmann um. Bei einer Firma in Erlangen war Hartlieb angestellt. Damals war er noch evangelisch wie seine Mutter. Doch durch den Vater lernte Patrick die katholische Kirche kennen. "Die Gottesdienste waren feierlicher und an Fronleichnam mit dem Allerheiligsten durch die Stadt zu ziehen, war für mich ein Highlight", erinnert sich Hartlieb.

Er konvertierte im Jahr 2011 zum katholischen Glauben und entschied sich für das Priesterseminar in Bamberg. Allerdings fürchtete sein Regens, dass das Theologiestudium zu schwer sein könnte und empfahl eher das Ordensleben. Eine Einschätzung, die Gunther Hartlieb durchaus teilte. Das Kloster in Plankstetten kannte er bereits, verbrachte der junge Mann aus Höchstadt doch ein paar Wochen während der Umschulung dort. Kloster auf Zeit nennt sich diese Form der Teilhabe am Leben im Benediktinerorden. Bald bestätigte sich sein Wunsch und seine Einschätzung, dass dieser monastische Weg doch der für ihn bestimmte Weg ist. "Am Sonntag schloss sich dann der Kreis", freut sich Hartlieb. Bereits mit den ersten Wochen im Kloster legte er seinen bürgerlichen Vornamen ab und nennt sich seither Frater Patrick. Das war zunächst die sechsmonatige Probezeit, die im Dezember 2015 begann. Es folgte das Noviziat, der einjährigen Ausbildung zum Mönch. Das ist nicht nur der Unterricht in verschiedenen Fächern wie der Einführung in die Liturgie, die Stimm- und Sprecherziehung, die Psalmen, die täglich gebetet werden und die Haus- und Ordensgeschichte, sondern vor allem das Lernen der Ordensregel. "Ora et labora et lege – bete und arbeite und lies." Es ist genau das, was Frater Patrick so gefällt. "Es ist ein gesunder Rhythmus aus Gebet, Arbeit und Bildung", sagt Frater Patrick über den gut strukturierten Zeitrahmen.

Tatsächlich durchzieht diese Regel den ganzen Tag, der für die Mönche um 4.40 Uhr mit dem offiziellen Wecken durch die Glocke beginnt. Schon um 5 Uhr steht das erste Stundengebet an. Mit "Oh Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde", beginnt dieser erste Vers jeden Tag. "Das ist der erste Moment nach dem nächtlichen Schweigen, an dem wieder geredet wird. Und dieser erste Moment gebührt dem Herrn", erklärt Frater Patrick. Nach dem ersten Gebet, das ungefähr 20 Minuten dauert, haben die Mönche Zeit, in der Schrift zu lesen. Um 6 Uhr gibt es Frühstück, um 7 Uhr findet die Eucharistiefeier statt. Der offizielle Arbeitsbeginn ist um 8 Uhr, denn jeder Mönch arbeitet in einem der Betriebe.

Der Alltag der Kanzlerin

Frater Patrick ist für den Datenschutz zuständig und leistet Dienst an der Pforte. Schon in diesen ersten Gesprächen erfährt der Mönch von Dingen, die die Menschen bewegen. Mittagessen gibt es ab 12.30 Uhr im Refektorium, im Speisesaal der Mönche. Einer der Mönche ist der Tischdiener und bringt das Essen, ein anderer ist der Vorleser. Denn beim Mittag- und Abendessen liest ein Mönch aus einem Buch. Abends aus einem geistlichen Buch, mittags aus einem weltlichen Buch. So kann es durchaus vorkommen, dass sich die Mönche über gesunde Ernährung oder den Alltag der Bundeskanzlerin informieren.

Um 13 Uhr findet wieder eine Anbetung statt, um dann bis 14 Uhr die Mittagspause zu genießen. So wechseln sich Arbeit und Gebet ab, bis zum Abendessen um 18 Uhr. Dem folgt eine kleine Erholungspause, die der Gemeinschaftspflege dient. "Manche unterhalten sich, spielen Schafkopf oder Mensch ärgere dich nicht", erzählt Frater Patrick.

Nach dem Abschlussgebet um 19.30 Uhr setzt das nächtliche Stillschweigen ein. "Die verbringt man in seiner Zelle, manche fahren Fahrrad oder sitzen im Garten", beschreibt Frater Patrick. Das ist der private Bereich jedes Mönchs. "Den braucht man, wenn man immer mit Menschen zu tun hat", sagt Frater Patrick. Und so nüchtern wie das Wort Zelle klingt, sieht es in den Zimmern der Mönche auch aus. Nur ein Telefon gibt es inzwischen in den Räumen und der eine oder andere Mönch hat einen Laptop.

PETRA MALBRICH

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