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Mittwoch, 26.06.2019

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Höchstadt: Grüne Frontfrau würdigt Mütter des Grundgesetzes

Katharina Schulze appelliert: Fortführen, was vor 70 Jahren begründet wurde - 26.05.2019 16:39 Uhr

Katharina Schulze war zur Ausstellungseröffnung „Mütter des Grundgesetzes – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ nach Höchstadt gekommen. © Foto: Andrea Rudolph


Als Hauptrednerin appellierte Katharina Schulze, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag, an Mut und Ausdauer, Zivilcourage zu zeigen und gerade in diesen Zeiten des Wandels für unsere – nicht selbstverständliche – Demokratie einzustehen.

Sie habe den Termin im Endspurt des Europawahlkampfs sehr gerne wahrgenommen, da immer nur von den "Vätern", aber nicht den "Müttern" unseres Grundgesetzes die Rede sei, erklärte die extra für diesen Termin aus München angereiste Rednerin.

Sie ging in freier und überzeugender Rede kurz auf die beeindruckende Klarheit und Deutlichkeit des zunächst unscheinbar daherkommenden Grundgesetzes ein und lobte die vier Frauen, die damals als Mandatsträgerinnen im Parlamentarischen Rat für die Gleichberechtigung und damit die Lösung von alten Rollenklischees und Stereotypen gekämpft haben.

"Wieviel Kraft und Mut muss das erfordert haben? Jetzt gilt es fortzuführen, was damals begründet wurde", forderte die 33-Jährige und nannte insbesondere das Ziel, die "Hälfte der Macht", sprich die politischen Gremien und auch Aufsichtsräte in Unternehmen mindestens zur Hälfte mit Frauen zu besetzen.

Darüber hinaus müssten, so Katharina Schulze, die so genannten Frauenberufe wie beispielsweise Hebammen mehr Wertigkeit erfahren und besser bezahlt werden. "Wir haben noch einen langen Weg zu gehen, bis jeder den Platz findet, der ihm als Mensch entspricht. Feminismus und Gleichberechtigung tun der gesamten Gesellschaft gut."

Begrüßt worden war die bekannte Politikerin vom stellvertretenden Bürgermeister Günter Schulz, der zur Erinnerung einen Höchstadt-Schirm überreichte und sich auch in die an dem Vortrag anschließende Diskussion einbrachte: "Wir würden ja gerne auch im Stadtrat mehr Frauen haben, aber es finden sich zumindest auf der Kommunalebene wenige, die Interesse an der Mitwirkung haben." Da könne noch viel an den Rahmenbedingungen, beispielsweise bei Sitzungszeiten und -dauer, verbessert werden, meinte Katharina Schulze.

Die Höchstadter Stadträtin Jeannette Exner stimmte zu, dass man sich als Frau unabhängig von der Partei schon noch mehr durchbeißen müsse. "Manchmal wird man auch nicht ernst genommen und etwas belächelt." Außerdem ging es in der kurzen Diskussionsrunde unter anderem um die Stellung der Frau in der Kirche, wobei Petra Kleineisel vom BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) auf aktuelle Bewegungen hinwies. Gemeinsam mit Alexander Zips hatte sie vorgestellt, was zum Thema Gleichberechtigung beim BDKJ läuft.

Bernd Riehlein, Leiter der Kulturfabrik, bedankte sich bei allen Mitwirkenden und vor allem bei der initiierenden Stadtbücherei, die die Schautafeln von der Gleichstellungsstelle im Landratsamt Erlangen-Höchstadt und der Beauftragten Claudia Wolter, nach Höchstadt geholt hatte. Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung vom Musiggfabrigg-Duo Karina Moi (Gesang) und Timo Sabat (Gitarre) mit stimmungsvollen Rocksongs.

InfoDie Ausstellung ist bis 7. Juni wärend der Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen (Dienstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Donnerstag von 13 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 13 Uhr); nach Vereinbarung auch zu anderen Zeiten. Am heutigen Montag, 27. Mai, ist im Kultursaal der Fortuna ein zum Thema passender Vortrag zu hören: Die Historikerin Nadja Bennewitz spricht über "Ein Zipfel der Macht in meiner Hand! – Frauenbewegung und Politik im 20. Jahrhundert". Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. 

ANDREA RUDOLPH

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