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Höchstadt: Schäden am Kellerberg nehmen zu

In den Stollen lösen sich häufiger Brocken aus dem Sandsteinfels. Das hat wohl mehrere Ursachen. - 22.06.2020 06:43 Uhr

Das Corona-Virus verhindert Geselligkeit am Höchstadter Kellerberg. Auf der Straße herrscht Tempo 30. Trotzdem vermutet Karsten Wiese, dass die Stollen auch durch den Verkehr Schaden nehmen.


In normalen Jahren treffen sich die Höchstadter gern an ihren Kellerhäuschen links und rechts der Kellerstraße. Viele von ihnen sind hübsch hergerichtet für fröhliche gemeinsame Stunden, innen wie außen. Familien, Vereine, Stammtische und Freundeskreise kommen auf das eine oder andere Bier und eine Brotzeit zusammen.

"Momentan ist da natürlich nichts los", bedauert Karsten Wiese. Er ist einer der Macher beim Kellerbergverein, der sich den Erhalt des unter Denkmalschutz gestellten Ensembles in Höchstadts Norden kümmert. Auch am Petersbecks Keller, den Wiese und seine Mitstreiter samt Kellerhäuschen renoviert und zum Vereinsheim herausgeputzt haben geht zur Zeit nichts. An Dreikönig hatten sie sich dort noch in Vorfreude auf die bevorstehende Kellersaison die "Stärk’" mit selbst gebrautem Bier angetrunken.

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Über 200 Lagerkeller und ein Labyrinth mit einer Gesamtlänge von mehr als 2000 Metern: So unscheinbar der Kellerberg von außen aussieht, so viel steckt in seinem Inneren. Wir haben reingeschaut.


Im Februar haben noch 24 Kartlerinnen und Kartler beim Schafkopfturnier gezockt. Seitdem herrscht Ruhe am Peterlesbeck. Der Stammtisch macht Pause. "Zurzeit steht alles auf Sparflamme. Man trifft sich nur in kleineren Gruppen oder im familiären Kreis", erzählt Karsten Wiese. Ab März wurden sämtliche Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt. Auch das Kellerfest, das vom 31. Juli bis zum 2. August geplant war. Und die Vereinsausflüge mit dem Bus, im Herbstprogramm vorgesehen, sind mittlerweile storniert.

Das bedeutet aber auch: Die Freunde der Kellerwelt haben jetzt viel Zeit sich um ihre Anlagen zu kümmern. Bäume, Sträucher und Grasflächen wollen gepflegt, die Bausubstanz erhalten werden. Gerade bei letzterem drückt vielen Kellerbesitzern aber der Schuh. In den unterirdischen Stollen lösen sich immer wieder einmal Brocken aus dem Sandsteinfels. Risse zeigen sich auch an mancher Kellerhausfassade. Mit zuletzt zunehmender Tendenz, meinen Nutzer und Eigentümer.

Woher das kommt? Es kommen mehrere Ursachen in Frage, meint Wiese. Zum Beispiel der Verkehr auf der Kellerstraße, die Teil der viel befahrenen Staatsstraße 2763 ist. Der Streckenabschnitt dient auch als Umleitung, falls die Autobahn A 3 dicht ist. Aber auch ohne Stau "donnern Busse und Lkw rauf und runter", hat der langjährige Vereinsvorsitzende beobachtet. Viel zu schnell nach seiner Einschätzung.

In den Stollen lösen sich immer wieder Brocken aus dem Sandsteinfels.


Seit einiger Zeit gilt eigentlich Tempo 30 am Berg. Aber das geht den Kellerfreunden im wahrsten Sinne des Wortes nicht weit genug. Nicht mehr erfasst ist nämlich die Fußgängerampel, die den Weg vom Parkplatz an der Aischtalhalle zu den Schulen sichern soll. Den Anliegern ist das unverständlich. An der Stadt würde es nicht scheitern, so Wiese, aber der seien wegen der überregionalen Bedeutung die Hände gebunden. Der Landkreis stelle sich hier quer. Auch darüber, dass rund um den Weberskeller ein Wohnhaus nach dem anderen entsteht sind die Kellerbesitzer nicht glücklich.

"Der ganze Charakter, das ganze Bild des Kellerbergs wird komplett verändert", beklagt Wiese. Zu ändern sei da nichts mehr, denn: "Das Thema ist durch". Vor allem die Kellerbesitzer im oberen Bereich fürchten, dass ihre Stollen und Mauerwerke durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Immerhin hat die Stadt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens durchgesetzt, dass die schweren Lkw die Baustelle nur von Nackendorf kommend anfahren dürfen.

Die Leute vom Kellerbergverein blicken schon erwartungsvoll ins kommende Jahr. Da wollen sie ihr 30-Jähriges feiern. Sie hoffen, dass die Pandemie dann so weit unter Kontrolle ist, dass einer zünftigen Kellerkerwa nichts im Wege steht.

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Mehr als 20 Kellerhäuschen thronen auf einem Labyrinth an unterirdischen Gängen auf dem Kellerberg in Höchstadt/Aisch. Wir sind hinabgetaucht in die 2000 Meter langen Gänge, die sich über mehrere Stockwerke hinziehen.


KARL-HEINZ PANZER

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