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Hühner in Bösenbechhofen sind im Gefängnis

Anhaltende Stallpflicht macht den Tieren zu schaffen - 12.04.2021 06:00 Uhr

Zwar legen die Hühner weiterhin fleißig Eier, doch die Legeleistung lässt nach, wenn die Tiere nicht unter freiem Himmel scharren und picken können.

11.04.2021 © Foto: Jeanette Seitz


Daniel Firnkäs ist darüber gar nicht glücklich. "Das ist wie Gefängnis für die Hühner", erklärt er. Denn normalerweise steht das Hühnermobil ja auf der grünen Wiese, die Tiere können raus in einen eingezäunten Bereich und sich an der frischen Luft vergnügen. Ist das Gras an dieser Stelle weitgehend weggepickt und -gescharrt, wird das Hühnermobil mitsamt Federvieh versetzt und ein neuer Außenbereich wird eingezäunt.

Wichtig: Die Hühner haben tagsüber immer Freilauf. Doch nicht momentan, Firnkäs muss die Tiere auf behördliche Anordnung hin eingesperrt lassen. "Das ist Stress für die Tiere und mit der Zeit werden sie dann auch aggressiv", weiß der Landwirt. Zumindest die Tiere, die den Freilauf gewöhnt sind. "Unsere neuen Hühner in einem neuen Hühnermobil kommen mit dem Eingeperrtsein besser zurecht."

Um bei den alteingesessenen Hühnern keine Aggressivität aufkommen zu lassen, müssen sie laut Daniel Firnkäs beschäftigt werden. "Wir müssen also öfter ausmisten und neu einstreuen, damit sie scharren können, und mehr Picksteine zur Verfügung stellen. Das ist die dreifache Arbeit, und es fallen auch Zusatzkosten an." Zum Wohle der Hühner leisten Daniel, Georg und Klara Firnkäs das aber natürlich.

Mehr Wertschätzung gewünscht

Ein wenig Groll auf die Politik, die in den Augen von Daniel Firnkäs nur verordnet, sich aber nicht wirklich um die Situation der Landwirte vor Ort kümmert, bleibt. Denn mit dem Eingesperrtsein sinkt auch die Legeleistung – und weniger Eier bedeuten auch weniger Einkommen für die Familie. "Auf der einen Seite ist Freilandhaltung gewollt, und dann sowas", sagt Daniel Firnkäs frustriert. Und weiter: "Als Landwirt ist man 365 Tage im Jahr beschäftigt, man ist von früh bis spät, bei Wind und Wetter unterwegs. Wenn dann was dabei rauskommt, ist das ja okay." Er würde sich aber generell mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft wünschen.

Daniel Firnkäs in einem von vier Hühnermobilen. Der Landwirt ist verärgert über die anhaltende Stallpflicht. Denn normalerweise dürfen seine Hühner auch nach draußen.

11.04.2021 © Foto: Jeanette Seitz


Insgesamt haben die Firnkäs’ 1200 braune Hühner, aufgeteilt auf vier mobile Ställe. Neun Quadratmeter hat dort jedes Huhn zur Verfügung. Und natürlich deutlich mehr Platz, wenn die Tiere nach draußen können. "Da sind wir auch großzügig mit der Umzäunung, weil wir einfach genügend Flächen haben", so Daniel Firnkäs.

Lieber braun als weiß

Rund 900 bis 1000 Eier legen die Hühner pro Tag – braune Eier, denn die seien den Kunden lieber als weiße, berichtet Klara Firnkäs. Die Eier werden täglich eingesammelt, nach den Größen M und L sortiert, gestempelt und dann unter anderem im hofeigenen "Eierlädla" verkauft. Das kleine Häuschen steht direkt an der Ortsdurchfahrt Bösenbechhofen und ist jederzeit zugänglich. Die Kunden können sich dort selbst bedienen, neben Eiern gibt es auch hausgemachte Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Honig und einiges mehr.

Klara Firnkäs zeigt das Angebot im hofeigenen „Eierlädla“ in Bösenbechhofen. Das ist jederzeit zugänglich, die Kunden können sich hier selbst bedienen.

11.04.2021 © Foto: Jeanette Seitz


"Unsere Eier sind kein Massenprodukt, das merkt man vor allem am Geschmack", wirbt Daniel Firnkäs und rechtfertigt dadurch auch den Preis von 30 Cent für ein M-Ei und 35 Cent für ein L-Ei. Er habe die Preise kürzlich etwas erhöhen müssen, "weil die Futterkosten um das Doppelte gestiegen sind und auch die Schachteln teurer geworden sind". Trotzdem sind die Firnkäs’ mit ihrem Eiergeschäft zufrieden.

Nachfrage gestiegen

Durch Corona sei die Nachfrage nach frischen, regionalen Eiern nochmal gestiegen, berichtet Klara Firnkäs. "Die Leute sind mehr daheim und müssen selbst kochen, fahren auch nicht in den Urlaub, dadurch haben wir viele Neukunden gewonnen." Die stärksten Verkaufstage sind Donnerstag, Freitag und Samstag. Und da gibt es laut Klara Firnkäs mitunter auch mal "Engpässe". Besonders natürlich rund um Ostern. Die extra gefärbten Eier seien immer ruckzuck ausverkauft.

Übrigens: Das beste Aroma entfalten Eier, wenn sie vier Tage alt sind. Und ungekühlt haltbar sind sie sogar mindestens 28 Tage.

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JEANETTE SEITZ

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