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In Mechelwind gedeihen 62 seltene Wildkräuter

Fünf Hektar große Fläche des Biobauern Hermann Grau wurde wissenschaftlich untersucht - 28.08.2019 07:00 Uhr

Biobauer Hermann Grau steht mit seinem Schild von der Biobauern Naturschutz Gesellschaft auf der von Wissenschaftlern ausgezeichneten Ackerfläche.

© Foto: Maria Däumler


"Auf unserer Fläche haben die Wissenschaftler 62 verschiedene, teils sehr seltene Wildkräuter entdeckt. Fünf der gefundenen Arten stehen sogar auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Bayern." Insgesamt haben die Biologen damals 64 ökologisch bewirtschaftete Flächen in Bayern untersucht und die Fläche in Mechelwind liegt mit ihren 62 Wildkräutern an dritter Stelle im Freistaat, knapp hinter der besten Ackerfläche, auf der insgesamt 66 Arten wachsen.

Hermann Grau und seine Frau Ulrike Nycker waren selbst überrascht von diesem Ergebnis. Einen Tag lang hätten im vergangenen Frühjahr die Wissenschaftler die Fläche genau unter die Lupe genommen, auf der heuer Sommergerste und Triticale, eine künstlich gezüchtete Getreidesorte zwischen Weizen und Roggen, sowie Erbsen gewachsen sind. Inzwischen sind die Äcker weitgehend abgeerntet und am Boden sprießen jede Menge kleine, meist sehr zarte Blümchen und Pflänzchen.

Einen kleinen Strauß mit nur einigen wenigen Ackerwildkräutern hat Ulrike Nycken gezupft, um zu zeigen, wie zart und auch wunderschön diese unscheinbaren Blümchen und Pflänzchen sind.

© Foto: Maria Däumler


Gefunden haben die Wissenschaftler 2018 hier die vom Aussterben bedrohten Arten: Mäuseschwänzchen, Acker-Zahntrost, Acker-Hahnenfuß, Sardischen Hahnenfuß und Acker-Rittersporn. Daneben noch jede Menge Ackerwildkräuter wie zum Beispiel Schafgarbe, Hundskamille, Hirtentäschel, Winden, verschiedenste Arten von Storchschnabel, Mohn, Knöterich, Distel, Fingerkraut, Ehrenpreis, Wicken und Stiefmütterchen.

Über Jahrzehnte entwickelt

"So eine Artenvielfalt kann sich nur über Jahrzehnte in einer kleinstrukturierten Landwirtschaft entwickeln", weiß Ulrike Nycken, die einst Landwirtschaft studiert hat und zusammen mit ihrem Mann den Bauernhof betreibt. Seit über 30 Jahren schon wird hier nach den strengen Regeln des größten deutschen Bio-Anbauverbandes "Bioland" gewirtschaftet. Auf diesen Flächen werden keine Herbizide und keine künstlichen Düngemittel ausgebracht.

Die Artenvielfalt bei Pflanzen zieht auch jede Menge Insekten und kleine Tiere wie hier das muntere Grasfröschlein an.

© Foto: Maria Däumler


"Wir sind der erste und älteste Öko-Betrieb der Stadt Höchstadt", sagt Hermann Grau. Inzwischen hat der Hof keine Tiere mehr, vielmehr macht der Mechelwinder Landwirt hauptsächlich Heu für andere Biobauern. "Ich liefere das Heu bis ins Allgäu", verrät er. Die jetzt wissenschaftlich nachgewiesene Artenvielfalt und Biodiversität auf seiner Fläche seien eine natürliche Folge dieser jahrzehntelangen ökologisch schonenden Wirtschaftsweise. Viele der alten Heil- und Ackerpflanzen würden woanders kaum noch wachsen, "daher ist das hier ein wichtiger Genpool", so Ulrike Nycken.

Die ungewöhnlich vielfältige Flora bietet natürlich auch besten Lebensraum für Insekten, Vögel und Wildtiere. Wildbienen und Co. finden hier genug Nahrung, eine ganze Reihe seltener Vögel wie der Kiebitz oder der Turmfalke haben sich hier niedergelassen oder schauen auf der Durchreise gen Norden oder Süden gerne vorbei. Und die Fläche ist auch Lebensraum für viel Kleingetier: Ulrike Nycken muss nicht lange suchen, bis sie ein Grasfröschlein zwischen den Wildkräutern findet und auf der Handfläche vorsichtig präsentiert.

Die beiden wollen jetzt endlich das Schild der Biobauern Naturschutz Gesellschaft aufstellen, auf dem steht: "Dieser Bio-Acker ist ein Paradies für Ackerwildkräuter."

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