Donnerstag, 21.11.2019

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Intime Bekenntnisse im Herbst des Lebens in Hemhofen

Mit melancholischen Stücken gastieren "Someday Jacob" bei Spielraum Kultur - 22.10.2019 15:58 Uhr

Emotional gerät der Auftritt von „Someday Jacob“ in Hemhofen. Leadsänger Jörn Schlüter verarbeitet in den Songs Persönliches. © Foto: Christian Enz


"Everyday knows something Good" haben "Someday Jacob" ihre aktuelle Bühnenproduktion getauft. Das Quartett um Singer-Songwriter Jörn Schlüter kommt erfrischend unprätentiös daher – leger in weiten Karo-Hemden und locker getragenen Beinkleidern und immer wieder zu Scherzen aufgelegt. Dennoch trägt der Abend einen ungewohnt melancholischen Stempel. "Denn jeder von mir geschriebene Song erzählt etwas Persönliches von mir", erläutert Schlüter.

Die bisher für "Someday Jacob" typische kalifornischen Lebensfreude ist vollständig melancholischen Klängen gewichen. Ein Wendepunkt. Der resultiert daraus, dass Schlüter im März 2016 in New York beinahe sein Leben verloren hätte. In den aktuellen Songs verarbeitet er die langwierige, heute aber zum Glück vollständig abgeschlossene Genesungsphase.

Das zentrale Stück des Abends ist dabei "Leaving New York". Aus den vorderen Reihen ist gut zu erkennen, dass Schlüter bei der Interpretation mit feuchten Augen ringt. Einfühlsam und hochemotional scheinen ihn seine Kollegen, der Gitarrist Uli Kringler, Schlagzeuger Martin Denzin und Bassist Manuel Steinhoff, jedoch durch diesen und andere, ähnlich ergreifende Songs zu tragen. Und sie haben spürbar Freude daran. So singt der hanseatische Gitarrist Uli Kringler beinahe jedes Lied selbst mit. An ihren Instrumenten, für Schlagzeuger Denzin zählt dazu auch schon einmal sein Oberschenkel, sind alle vier äußerst präsent. Echte Profis eben. Zu einer wunderbaren Kür gerät indessen der Gesang. Wie für eine echte Rockband üblich, sind die Songs natürlich auf den Bandleader zugeschnitten – der auch stimmgewaltig daherkommt.

Neues Groove-Gefüge

Mit dezent gesetzten Lichtakzenten setzt das Team von Spielraum Kultur die aus Hamburg, Bremen und Marburg angereisten Folk-Rocker harmonisch in Szene. Die roten Backsteine der Turnhallenwand strahlen die gleiche Wärme ab, wie die Songs. Das passt einfach – auch bei "Slow down", einem Song, auf den Schlüter besonders stolz ist. "Damit haben wir es geschafft unseren Sound als Band zu erweitern – in eine Richtung, die wir gar nicht erwartet haben." Mit Synthesizern und einem völlig neuen Groove-Gefüge überraschen "Someday Jacob" hier sogar echte Fans, von denen es in Hemhofen erstaunlich viele zu geben scheint. Das animiert Schlüter dazu, dem Publikum einen Einblick in die Band-Werkstatt zu gewähren. So stimmt das Quartett nach der Pause ein Lied an, das es noch gar nicht gibt. "Es wird auf unserer neuen Platte sein, aber wir wissen noch gar nicht genau wie es am Ende wirklich klingen wird", erläutert Schlüter. "Ein neues Lied muss oft gespielt werden. Es zeigt einem dann früher oder später, wie es selbst klingen möchte." Auch wenn der Name des Songs noch nicht feststeht – klar ist, dass "Someday Jacob" ihre melancholische Phase damit überwinden werden.

CHRISTIAN ENZ

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