Mittwoch, 23.10.2019

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"jetzt red i" sendete aus Herzogenaurach

Wie die Gesprächsrunde die digitale Zukunft sieht - 10.10.2019 16:42 Uhr

Holger Auernheimer bekam zu Beginn der von Tilmann Schöberl (stehend) geleiteten Gesprächsrunde als erster das Mikrofon vorgehalten. Er äußerte sich optimistisch: Künstliche Intelligenz sei keine Bedrohung, sondern eine Chance. © Foto: Margot Jansen


Man hatte sich beim Thema "Schöne neue Arbeitswelt? Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert" bewusst für Herzogenaurach entschieden, denn "hier kann man das Industrieherz Bayerns schlagen hören", meinte der Moderator Tilmann Schöberl.

Als Einstieg und Beispiel diente ein kurzer Film, der die Erfolgsgeschichte der Firma Adidas zeigte. Das in die Jahre gekommene Vereinshaus war zu einem ansprechenden Studio umgebaut worden. Hier hatten die etwa 130 Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, mit Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU), Klaus Ernst (Die Linke), Wirtschaftsausschuss-Vorsitzender im Bundestag, und Peter Dabrock, Professor für Systemische Theologie an der Universität Erlangen und Vorsitzender des Deutschen Ethikrats zu diskutieren. Den Auftakt machte Holger Auernheimer, Robotik-Fachmann bei Schaeffler, der die KI nicht als Bedrohung sieht, sondern als Chance. Auch die Soziologiestudentin Yvonne sieht die Entwicklung positiv. Sicherlich würden etliche Arbeitsplätze wegfallen, aber es würden und seien dafür schon mehr IT-Arbeitsplätze entstanden.

Der Betriebsratsvorsitzende des Hörgeräte-Herstellers Sivantos, Reiner Büttner, war da skeptischer. "Durch die Automatisierung sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen und die Mitarbeiter werden nicht mitgenommen", lautete sein Fazit. "In Bayern fehlt ein Weiterbildungsgesetz, wie es in anderen Bundesländern existiert. Die Arbeitnehmer haben keinen Rechtsanspruch auf Weiterbildung, das muss sich ändern" kritisierte Ernst.

In der Weiterbildung sieht auch die Digitalministerin noch Handlungsbedarf. Nach ihren Vorstellungen sollte die KI bereits in der Grundschule auf dem Stundenplan stehen. In der Berufsschule in Herzogenaurach ist dies bereits der Fall. Dort wird KI zwei Jahre lang erprobt, und Schulleiter Martin Wirsching ist sich sicher, dass die KI in Zukunft zumindest in Fachschulen angeboten werden wird.

Im Internet, das Co-Moderatorin Franziska Eder in der Sendung betreute, waren die Reaktionen eher skeptisch. Ein User meinte: "Ich habe Angst vor der KI, weil die natürliche Intelligenz schon nicht funktioniert." Eine weitere Userin meinte: "Ich möchte nicht von einem Roboter umarmt werden." In der Pflege könnten schweres Heben durchaus durch Roboter ersetzt werden, aber der empathische Teil muss weiterhin von Menschen geleistet werden, meinte denn auch Anja Steiner-Sieber, Lehrerin für Pflegekräfte an der hiesigen Berufsschule. Auch der Ethikprofessor hatte durchaus seine Vorbehalte. "Wir brauchen eine neue Ethik. Leitplanken müssen festgelegt werden. Die KI darf keine Blackbox sein".

Bei aller Skepsis, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten und es gilt, das digitale Zeitalter zu gestalten. Vielleicht ist der Appell von Silke Umminger, Dozentin an der Volkshochschule, eine Lösung. Sie will das Beste aus der analogen und der digitalen Welt zusammenbringen, sozusagen einen "digitalen Führerschein".

Wer sich die Sendung anschauen möchte, kann dies in der Mediathek des BR tun und sie auch kommentieren.

MARGOT JANSEN

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