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Junge fühlt sich in Coronakrise diskriminiert - und wehrt sich

Schüler fühlt sich von Regelungen diskriminiert - 07.06.2020 14:38 Uhr

Mund-Nasen-Abdeckung beim Gang ins Klassenzimmer, Abstand halten: Auch für Schüler ist das zurzeit täglich Brot und somit gut geübte Praxis. Wenn man ihnen Abstand halten außerhalb der Schule trotzdem nicht zutraut, sorgt das mitunter für Frust.

© Foto: Christian Charisius/dpa


Was war passiert? Der Schüler, ein ausgesprochener Bücherwurm, ärgert sich, weil ihn die Bücherei des Nachbarortes, die er sonst sehr gerne besucht, nicht mehr sehen will. "Kinder können leider überhaupt nicht kommen", heißt es in der Ankündigung der Wiedereröffnung der Bücherei.

Doch dass Erwachsene ihm nicht zutrauen, auf den nötigen Mindestabstand zu anderen Bibliotheksbesuchern zu achten, ärgert den Jungen sehr. Seine Argumentation: Seit die Schule wieder angefangen hat, wird er auf die Abstandsregelungen gedrillt. Sogar mit dem Metermaß wird den Kindern im wahrsten Sinn des Wortes vor Augen geführt, wie viel Distanz in diesen Zeiten leider sein muss.

Und nun das: Nicht in der Bücherei stöbern dürfen, sondern die gewünschten Bücher im Internet aussuchen und dann abholen lassen? Er fühlt sich, "nur weil ich Kind bin", in eine Ecke gedrängt, in der er nicht sein mag. Und von diesen Beispielen gibt es ja einige: Das Nachbarskind, das berichtet, "wie komisch" die Leute am Nebentisch geguckt haben, als es mit Mama und Papa in der Wirtschaft essen war. Die Tochter der befreundeten Familie, die beim Spaziergang wegen vermeintlich zu geringen Abstands zu anderen Passanten übel beschimpft wird. Das Kind, das im Wartezimmer des Arztes brav mit Mundschutz auf dem Schoß der Mutter sitzt, wegen dessen sich ein anderer Patient aber trotzdem nicht in den Warteraum traut.

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Diejenigen, die sonst als die Zukunft des Landes gepriesen werden, werden derzeit trotz Dauer-Händewaschens im Kindergarten und Abstands-Drills in der Schule auf ihre potenzielle Eigenschaft als Corona-Virenschleudern reduziert. Und das, obwohl eine ganze Reihe von Studien vermuten lässt, dass Kinder bei der Verbreitung des Virus nur eine geringe Rolle spielen.

Natürlich gibt es die Unvernünftigen: Die Familien, die am Nachmittag mit Müllers auf dem Spielplatz auf Tuchfühlung gehen und am Abend beherzt mit Maiers neben dem heimischen Grill anstoßen. Abstand halten? Corona-Gefahr? Wir doch nicht. Aber diese Sorglosigkeit ist keine Frage des Alters. Es sind genauso 70-Jährige zu beobachten, denen es an der Kasse des Drogeriemarktes nicht schnell genug gehen kann und die ohne jede Abstandswahrung munter von hinten drauflos drängeln.

Aber diejenigen, die aufpassen, sind eben glücklicherweise doch in der Mehrheit – und wenn es nur deshalb ist, weil die Angst vor einem neuerlichen kompletten Shutdown viel zu groß ist. Gerade bei jungen Familien übrigens, die sich mit Schrecken daran erinnern, wie es war, als die Kinder nicht mal stundenweise in die Schule oder die Kita durften und die sich zerrieben zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung. Ganz abgesehen von den Familien, die noch immer nicht in den Genuss irgendwelcher Kinderbetreuungs-Lockerungen gekommen sind.

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Dass die Angst derzeit vielen Menschen im Nacken sitzt, ist ihr gutes Recht. Menschen, die selbst zu einer Risikogruppe gehören oder Angehörige haben, die sie schützen wollen und müssen, sollen sich auch schützen dürfen.

Doch es kommt wie überall auf die Verpackung und ein bisschen Fingerspitzengefühl an. Nett formuliert und um Verständnis bittend – etwa wie im Fall der Bücherei, die mit Ehrenamtlichen aus der Risikogruppe arbeitet – käme ein Verbot viel freundlicher daher.

Oder man sucht nach Lösungen. Denn oft ist es ja so einfach: Wenn man Kindern tatsächlich nicht zutraut, Abstand halten zu können, könnte man genauso gut darum bitten, dass der Nachwuchs in der Bücherei in dieser Ausnahmesituation an der Hand der Eltern bleibt – und schon wäre das "Problem" gelöst.

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