Kairlindach: Tote Krähen als Vogelscheuchen missbraucht

29.4.2021, 06:00 Uhr
Kopfüber aufgehängt: Ein Landwirt hat diesen Kadaver strategisch auf seinem Feld bei Kairlindach platziert.

Kopfüber aufgehängt: Ein Landwirt hat diesen Kadaver strategisch auf seinem Feld bei Kairlindach platziert. © Foto: Peta

Spaziergänger haben sich mit Fotos an Peta gewandt. Die Tierrechtsorganisation wiederum hat das Veterinäramt und die Untere Jagdbehörde des Landkreises Erlangen-Höchstadt um eine Prüfung gebeten, ob ein Verstoß gegen das Landesjagdgesetz vorliegt.

Daraufhin hat die Behörde den Verursacher ausfindig gemacht. "Er zeigte sich einsichtig und hat die toten Vögel sofort entfernt", meint die Pressesprecherin des Landratsamts Stephanie Mack. Hintergrund ist aber nicht das Jagdrecht, sondern die Geflügelpest. "Aufgrund der aktuellen Seuchenlage ist das Veterinäramt auf tote Vögel aufgrund des erhöhten Seuchenrisikos sensibilisiert." Auch Rabenvögel seien für das Virus empfänglich und könnten an der Geflügelpest verenden.

"Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Krähen außerhalb der Jagdzeit erlegt wurden", heißt es aus dem Landratsamt weiter. Die Rabenkrähe gehört zu den geschützten Vogelarten. Ihre Tötung in Bayern ist zwischen 16. Juli und dem 14. März aufgrund einer Ausnahmegenehmigung in der Bayerischen Jagdverordnung unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

"Geschundene Körper schockieren Tierfreunde"

Peta meint dazu: "Derzeit sind die Tiere jedoch geschützt, insbesondere weil sie auch Nachwuchs zu versorgen haben, der ohne ihre Fürsorge qualvoll stirbt." Die Bilder der toten Krähen müssten jeden Tierfreund schockieren.

"Diese sogenannte Vergrämungsmethode mit den geschundenen Körpern toter Tiere muss umgehend verboten und der Landwirt zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem sollte uns spätestens die Coronakrise gelehrt haben, dass es verantwortungslos ist, tote Wildtiere zum Verwesen auf einem Acker aufzuhängen", meint Peter Höffken, Fachreferent bei Peta.

Die Polizei einschalten?

Die Tierschutzorganisation betont, es könne eine Belästigung der Allgemeinheit gemäß Ordnungswidrigkeitengesetz vorliegen. Laut Sprecherin Stephanie Mack hat das Landratsamt aber davon abgesehen, die Polizei einzuschalten und ein Ordnungswidrigkeitenverfahren einzuleiten, "da der ,Missstand‘ ermittelt werden konnte und umgehend abgestellt wurde". Es handle sich um einen Einzelfall.

Im Landkreis Forchheim hatten an Zäunen aufgehängte Rabenkrähen Anfang 2020 für Entsetzen bei Spaziergängern gesorgt. Sie waren unter anderem am Rande eines Feldweg bei Pinzberg platziert. Der Forchheimer Naturschützer Gunter Brokt hatte vermutet, dass die Tiere mutwillig abgeschossen oder vergiftet worden waren, um als Vogelscheuchen herzuhalten. Er betonte, dass die Vögel gerne Insekten vertilgen und damit zur natürlichen Schädlingsbekämpfung beitragen. Weil sie auch zu Aas nicht Nein sagen, seien sie ein wichtiger ökologischer Faktor bei der Beseitigung toter Tiere.

Doch die Vögel fressen auch pflanzliche Nahrung wie Beeren, Nüsse, Getreide und Samen, sie picken im Boden nach Würmern und sind deshalb oft keine Wunschgäste in Baumschulen oder auf Getreideäckern wie bei Kairlindach. 

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