Mittwoch, 27.05.2020

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Karpfen contra Corona

Die Bürgerinnen und Bürger können in der Karwoche viel für die heimische Teichwirtschaft und die Gastronomie tun – und es ist gar nicht schwer. Abfischen - 05.04.2020 15:48 Uhr

Dominic Popp aus Großenseebach hofft, dass die frischen Fische aus seinen Becken viele Abnehmer vor allem in seinem Laden finden.


Der Aischgründer Karpfen ist ein modernes Tier und hat sogar eine eigene Homepage: www.aischgruender-karpfen.com. Verdientermaßen, denn die Karpfenzucht im Aischgrund hat eine über 1000-jährige Tradition, und seit November 2012 ist der "Aischgründer Karpfen" eine nach EU- Recht geschützte geographische Angabe.

Das Gute daran: Den fränkischen Genießer braucht das nicht zu interessieren. Denn er weiß seit jeher, was er am hochrückigen Spiegelkarpfen hat.

Eine wichtige Zeit

Aber Züchter, Vermarkter und Gastwirte haben derzeit ein Problem, und wen wundert es, es ist der Corona-Virus. Den Karpfen rührt es nicht an, aber: "Die Karwoche ist eine ganz wichtige Vermarktungszeit", weiß Martin Oberle. Der Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt sorgt sich um den Absatz in der Gastronomie, der derzeit nur über Lieferservice oder "To Go"-Angebote funktioniert. "In Franken ist die wichtigste Schiene in der Karpfenvermarktung die Vermarktung über die Gastronomie." Den halben gebackenen Karpfen daheim zuzubereiten, ist ein durchaus aufwendiges Unterfangen. "Da geht man lieber in die Wirtschaft."

Auch bei Fisch Jakob in Mühlhausen hat man sich auf die schwierigen Umstände der Corona-Zeit eingestellt.


Martin Oberle schätzt, dass pro Saison im gesamten Aischgrund etwa 1,5 Millionen "Halbe" in den Gaststuben verzehrt werden – eine beeindruckende Zahl, zumal die hiesige Karpfenteichwirtschaft immer noch sehr klein strukturiert ist. "Der Verzehr von Aischgründer Karpfen trägt zum Erhalt der Kulturlandschaft bei", betont der Karpfenexperte aus Kieferndorf.

 

. . . ist To Go-Werbung am Straßenrand für Gastronomen derzeit besonders wichtig. © Foto: Matthias Kronau


Viel wird jetzt unternommen, den Absatz in der Corona-Krisenzeit stabil zu halten. Bis zu 15 Prozent des Umsatzes innerhalb der achtmonatigen Karpfenzeit, so rechnet Oberle vor, dürften rund um die Osterfeiertage und im April erzielt werden.

Die Teichgenossenschaft Aischgrund trägt nun auf ihrer Homepage www.teichgenossenschaft-aischgrund.de alle Karpfengaststätten und Direktvermarkter zusammen, bei denen es To Go-Karpfen gibt. Viele Bürger werden ohnehin schon wissen, wo sie sich ihren Karfreitags- oder Osterfisch besorgen.

Wie hier in Rezelsdorf . . . © Foto: Matthias Kronau


Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft, verweist darauf, dass es nicht nur um die aktuelle Absatzproblematik geht. "Wenn viele Karpfen, die derzeit in den Hälterungen sind, nicht verkauft werden, dann müssen diese zurück in die Teiche." Folge: Dann könnte es weniger Teiche für die Setzfische geben. "Das hätte wiederum Folgen für das nächste Jahr", so Fischzüchter Jakob, der in Mühlhausen auch einen weithin bekannten Laden betreibt.

 

Eher unhandlich

 

Über eine Ehrenrunde im Teich würden sich die Karpfen freuen, aber mit Blick auf den Teller: "Manche könnten dann doch eher unhandlich werden." Das sagt Dominic Popp, der seit etwa eineinhalb Jahren eine Fischzucht in Großenseebach betreibt. Derzeit wichtigstes Standbein in der Vermarktung ist sein Fischladen. "Den Umständen entsprechend läuft es bei mir noch gut." Stammkunden schätzen die Qualität, und weil man nun daheim ist und isst, besteht die Chance auf neue Kundschaft. Popps zusätzlicher Vorteil: Er bietet seit jeher den gebackenen Karpfen an, der in einer Warmhaltebox mitgenommen werden kann. To Go ist bei ihm keine Neuigkeit.

Martin Oberle von der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft wirbt aber auch darum, in der heimischen Küche den Karpfen nicht zu vergessen. "Gerade das Karpfenfilet kann denkbar einfach zu Hause in der Pfanne, im Wok oder in der Röhre einfach und schnell auf alle erdenklichen Weisen zubereitet werden." Nicht zu vergessen Karpfen blau.

Überzählige Karpfen könnten natürlich auch eingefroren werden und im Sommer als Karpfenchips auf Festen oder Kerwas verkauft werden. Allerdings: So schnell, weiß Oberle, sind ausreichende Kapazitäten zum Einfrieren nicht vorhanden. Und außerdem: Dem wahren Karpfengourmet würde das nicht wirklich schmecken. Karpfen isst man eben in den r-Monaten von September bis April. Daran wird auch ein Virus nichts ändern.

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