Donnerstag, 06.05.2021

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KIT-Studenten mit Visionen: Herzogenaurach wird autofrei

Aaron Harter und Angelina Amann bringen nachhaltige Bewegung nicht nur in die Hans-Maier-Straße - 20.04.2021 05:04 Uhr

Herzogenaurachs bunte Stadtlandschaft, zu schön, um wahr zu sein? Die Hans-Maier-Straße ist einem grünen Band gewichen, die Stadt ist quasi autofrei. Das funktioniert in der Vision durch einen massiven Ausbau des ÖPNV und durch Mobility Hubs.

19.04.2021 © Präsentation Hunter/Amann


Sport und Bewegung sollten dabei eine große Rolle spielen. Da kam als Projektstadt fast nur Herzogenaurach in Frage. „Herzogenaurach 2030: SportCITY“ lautete das Ziel der studentischen Projektarbeit, die von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Susanne Gerstberger ausgegeben worden war. (Ein Interview mit ihr lesen Sie hier).

Sport war in Herzogenaurach der Anknüpfungspunkt, doch letztlich ging es um die Mobilität an sich und die Abkehr von der Dominanz des individuellen Pkw-Verkehrs. Die Studierenden sollten die Verkehrswende radikal denken. Und: Sie haben es getan.

Die neue Aurach-Promenade gibt es ja schon ein paar Meter weiter, aber das Computerbild zeigt, dass da noch mehr geht: Herzogenaurach wird zur Stadt im Grünen.

19.04.2021 © Computeranimation: Präsentation Harter/Amann


Die Studierenden Aaron Harter und Angelina Amann haben in ihrem Konzept ganze Arbeit geleistet: Die Hans-Maier-Straße ist weg. Diese große Ost-West-Straße durch Herzogenaurach, einfach weg. Nun gut, wer genau auf den Plan schaut, erkennt noch eine gelbliche Linie, die so genannte "Überholspur". Die ist gedacht etwa für Fahrräder, Elektrobusse und natürlich Fahrzeuge, die freie Fahrt brauchen: Feuerwehr, Rettungswagen, Polizei oder Handwerkerautos. Aber ansonsten: einfach weg.

Die beiden Studierenden am Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) haben sie sich einfach weggedacht, und der Grund ist klar: "Herzogenaurachs Schwäche zeigt sich besonders im breiten Verkehrsraum der Hans-Maier-Straße." Sie trenne, zusammen mit dem Schaeffler-Komplex, Zentrum und Nordstadt vom südlichen Teil.

Liegewiese mit Kino

Das soll nach den Vorstellungen der Studierenden einmal anders sein. Die Hans-Maier-Straße soll nicht mehr trennen, sondern verbinden, ein Treffpunkt werden. Deshalb werden bestehende Attraktionen wie die neue Aurachpromenade , Freibad oder Atlantis deutlich besser verknüpft. Es entstehen zusätzlich zur neuen Aurachpromenade neue Zugänge zur Aurach.

+++ DIE VOLLSTÄNDIGE PRÄSENTATION VON HARTER/AMANN FINDEN SIE HIER  , DEN ERLÄUTERUNGSTEXT HIER +++

Eine Sportpromenade mit Fahrradspuren, Jogging-pfad und Flaniermeile führt auch entlang des Parkplatzes und des Parkhauses An der Schütt. Die übrigens dann keine Stellplätze mehr sind. "Hier soll ein neues Kino die Liegewiese bei gutem Wetter bespielen können." Von diesem grünen Sport-, Bewegungs- und Freizeitband führen "grüne Adern" hinein in den Rest der Stadt, so dass quasi viele Naturwege hinunter zur Aurach führen. Auch die Herzo Base soll so noch enger ans Zentrum angebunden werden. Die adidas "World of Sports", derzeit Betriebsgelände, wird durch öffentliche Wege zugänglich. Was helfen könnte, dass Herzogenaurach "eine neue Sport-DNA" erhält.

Die Schaeffler-Parkplätze werden nach den Visionen von Harter und Amann weitgehend obsolet. Auf den Stellplätzen an der Erlanger Straße entsteht eine Gartenstadt, die Parkdecks an der Hans-Maier-Straße machen Platz für ein Sportzentrum.

StUB und Aurachtalbahn

Die Studierenden mussten sich bei solch weitgehenden Ideen natürlich überlegen: Wohin mit den vielen Autos, die derzeit in Herzogenaurach unterwegs sind? Da ist in der Projektarbeit unter anderem zu lesen: "Die StUB und die Aurachtalbahn treffen sich zentrumsnah am neuen Hauptbahnhof und erschließen im Besonderen Schaeffler, die Altstadt, Puma und die World of Sports." Die StUB fährt in dem Konzept ohnehin nicht nur nach Erlangen/Nürnberg, sondern auch zum Bahnhof Siegelsdorf (Anbindung Zugstrecke Nürnberg / Würzburg). Ein enges Stadtbusnetz ist eine weitere Voraussetzung für ein autofreies Herzogenaurach.

Gute Gründe also, auf den ÖPNV umzusteigen, doch noch immer werden Menschen mit ihren Autos unterwegs sein. Sie werden quasi vor den Toren der Stadt abgefangen (Mobility Hubs), etwa von der Autobahn kommend bei der Rastanlage Aurach, wo große Parkdecks (auf bestehender Versiegelung) entstehen könnten. Von dort fahren ständig und regelmäßig Busse, so dass es womöglich noch schneller in die Innenstadt geht als mit dem Privat-Pkw.

Richtung Realität

Ein neues "Herzogenaurach2030" also, eine "SportCITY", die von einem "bewegenden Alltag" gekennzeichnet ist. Auf die Frage, ob ihre Projektarbeit mehr Utopie oder auch realistisch umsetzbar sei, da geben sich Angelina Amann und Aaron Harter durchaus selbstbewusst: "Wir denken, das kann schon eher in Richtung Realität gegen." Ob neun Jahre für die Umsetzung reichen, das ist natürlich nicht so ganz klar. Wichtig: Die Aufgabenstellung, für Herzogenaurach eine nachhaltige und sportliche Mobilitätsvision zu erarbeiten, haben die beiden umfassend erfüllt. Für ihre Arbeit erhielten sie an der Uni die Note 1,0.

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MATTHIAS KRONAU

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