Samstag, 14.12.2019

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Kooperation bringt Uni-Medizin nach Höchstadt

Klinikum der FAU und Kreiskrankenhaus arbeiten eng zusammen - 23.02.2019 06:57 Uhr

Viel im Wandel ist am Kreiskrankenhaus: Zum einen wurde vor einigen Monaten die Zusammenarbeit mit der Uni Erlangen weiter ausgebaut, zum anderen läuft immer noch die umfangreiche Sanierung von St. Anna. © Archivfoto: Jürgen Hauke


Seit 1. Januar ist Dr. Matthias Maak, eigentlich Allgemeinchirurg an der Uni in Erlangen, vollständig als Oberarzt in Höchstadt tätig. Die Wochen zuvor war er nach dem Abschied des chirurgischen Chefarztes des Kreiskrankenhauses St. Anna, Prof. Hjalmar Nekarda, zwischen Erlangen und Höchstadt gependelt. In der Notaufnahme bekam Maak seither immer wieder Folgendes zu hören: "Viele Patienten wünschen sich eigentlich eine Versorgung auf Uni-Standard. Aber gleichzeitig schreckt sie die große Klinik ab, weil sie dort nie genau wissen, von welchem Arzt sie als nächstes behandelt werden."

Zwei Arbeitgeber, aber die selbe Klinik als Arbeitsplatz: Dr. Nina Renner und Dr. Matthias Maak sind bei der Uni angestellt, ihr Kollege Dr. Jörg Hölperl (re.) beim Kreiskrankenhaus. © Foto: Katrin Bayer


Das ist in Höchstadt anders: Denn das Kreiskrankenhaus ist mit 80 Planbetten übersichtlich, die Zahl der dort tätigen Ärzte ebenso. Das Vorgespräch, die Operation, die Nachsorge — der Patient trifft hier immer wieder auf den selben Arzt. Den Uni-Standard gibt es durch die Zusammenarbeit noch oben drauf, nur gewissermaßen in heimeligerer Atmosphäre.

Allgemeinchirurg Maak wird für ein Jahr in Höchstadt arbeiten. Mit ihm sind derzeit vier weitere Ärztinnen und Ärzte der Uniklinik in St. Anna tätig, unter anderem Dr. Nina Renner, die sich aktuell als Oberärztin um die Unfallchirurgie kümmert.

Als Chefärzte fungieren diejenigen Mediziner, die auch in Erlangen die jeweiligen leitenden Positionen inne haben: In der Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) ist dies Prof. Dr. Robert Grützmann, in der Unfallchirurgie Prof. Dr. Mario Perl. Sie kommen wöchentlich zur Chefarzt-Visite vorbei und "wenn es nötig ist, auch mal zwischendurch", wie Albert Prickarz, der kaufmännische Leiter des Kreiskrankenhauses, sagt.

Die Chefärzte wirken auch an der Weiterentwicklung des Kreiskrankenhauses mit, wo nun die Uni-Qualitätsstandards etabliert werden. Wobei Oberarzt Maak ausdrücklich betont, dass die Versorgung in Höchstadt auch bislang nicht schlecht war. "Die war völlig gewährleistet, aber eben etwas anders als in einer Uniklinik."

Im Kreiskrankenhaus gibt es 30 Betten für chirurgische Patienten und "die meisten Operationen, die nötig sind, können wir hier auch machen", sagt Maak. "Nur für große OPs, wie zum Beispiel aufwändige Eingriffe an der Leber, verlegen wir nach Erlangen." Auch Behandlungen, bei denen eine große Anzahl Blutkonserven benötigt wird, führen die Ärzte lieber direkt am Uniklinikum durch.

Grundsätzlich sei es aber so, erklärt der Chirurg, dass im Kreiskrankenhaus künftig komplexere Operationen möglich seien als bisher — auch weil man bei Bedarf weitere Kollegen aus Erlangen zur Unterstützung hinzuholen könne.

Dieser kurze Draht zur Uni — und sei es telefonisch, weil ein Spezialisten-Rat gebraucht wird — ist es auch, den Albert Prickarz hervorhebt. Bei den Rettungsdiensten und den Patienten komme die Zusammenarbeit an, sagt der kaufmännische Leiter von St. Anna. "Unsere Fallzahlen gehen nach oben."

Die Mediziner, die nach Höchstadt kommen, sind weiter bei der Uni angestellt. Im Gegenzug zahlt der Landkreis aber natürlich für die Kooperation — von der übrigens nicht nur St. Anna profitiert: Die Uni schätzt zum einen die Entlastung, die ihr St. Anna bietet. "Es passiert inzwischen immer wieder, dass Patienten für OPs von Erlangen nach Höchstadt verlegt werden", sagt Maak. Patienten, die vier Wochen auf eine Operation am Uniklinikum gewartet haben und dann wegen eines Notfalls doch wieder vom OP-Plan fliegen, würden es schätzen, in Höchstadt bei gleicher Expertise schneller zum Zug zu kommen.

Zum anderen ist das Kreiskrankenhaus auch ein Einsatzfeld für die Assistenzärzte der FAU: "Der Vorteil ist, dass man hier zu einem schnelleren Lernen kommt", so Maak. Denn im Gegensatz zur Uni, wo es sehr viele Assistenten gebe und OPs teilweise sehr komplex seien und lange dauern, würden die jungen Mediziner in Höchstadt mehrmals wöchentlich die selben Standard-Operationen sehen und unter Aufsicht auch einige Handgriffe selbst ausführen können.

Veranlassung, die Kooperation mit der Uni irgendwann auch auf die Innere Medizin auszudehnen, sieht Prickarz übrigens nicht: "Wir haben eine gute internistische Abteilung, die breit aufgestellt ist."

Kleine Randnotiz: Kurze Wege zum Uniklinikum gibt es hier ohnehin schon — Chefarzt Dr. Martin Grauer hat vorher in Erlangen gearbeitet.

Katrin Bayer Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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