Samstag, 18.01.2020

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Lade-Lärm am Norma-Zentrallager in Röttenbach

Anwohner sammeln Unterschriften für besseren Lärmschutz - 03.01.2020 09:57 Uhr

Der Hof des Norma-Zentrallagers in Röttenbach. Anwohner beschweren sich über den Lärm, der nachts an den Lade-Luken gemacht wird. © Foto: Rainer Groh


Dabei legt der Wortführer der Betroffenen, der seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen will, Wert darauf, keine Konfrontation mit dem für Röttenbach wichtigen Unternehmen zu suchen. Es gehe ihm um einvernehmliche Abhilfe für ihn und die anderen lärmgeplagten Bewohner des Viertels an Mühlberg- und Dechsendorfer Straße.

Tätigkeit nach 23 Uhr

Auf dem Ladehof werden oft mitten in der Nacht – nach 23 Uhr – Lastwagen entladen. Dazu docken die Lkw rückwärts an die Ladeluken an, die mit metallenen Rollläden ausgerüstet sind. Beim Schließen der Rollläden ertönt ein Krach, der bei entsprechender Windrichtung nicht nur im nächstgelegenen Wohngebiet zu vernehmen ist, sondern auch in entfernten Teilen des Dorfs.

Der Klageführer hat sich vor drei Jahren in Röttenbach angesiedelt, ein Haus in Weiherrandlage in zweiter Reihe an der Dechsendorfer Straße gekauft. Dass das Idyll dort nur optisch ist, nicht akustisch, hat er nicht bedacht. Eine Täuschung, wie er einräumt.

Allerdings weist er auch darauf hin, dass die nächtliche Tätigkeit auf dem Gelände nicht erlaubt ist. Norma habe keine Genehmigung, nach 22 Uhr noch Lkw zu entladen.

In der Tat: Auf die entsprechende Anfrage beim Landratsamt, der Genehmigungsbehörde, formuliert Sprecherin Hannah Reuter-Özer so: "Eine baurechtliche Genehmigung bräuchte Norma noch."

Die von ihm eingeschaltete Polizei, sagt der Nachbar, habe ihm gegenüber von unerlaubter Nachtarbeit gesprochen. Er und die anderen Anwohner wünschten sich, dass sich das Unternehmen endlich an die Regeln hält.

Dazu, sagt die Sprecherin des Landratsamts, gebe es einen Runden Tisch. Und Hannah Reuter-Özer sagt auf Anfrage auch, was die Anwohner fürchten: Norma prüfe derzeit, ob man eine Nutzungsänderung beantragen soll, die Arbeit auch nach 22 Uhr erlaubt. Dann, fürchtet der Klageführer, werde der Lärm auch noch legal. Für die Firma hat auf unsere Anfrage Marc Saalfrank von der Norma-Expansionsleitung Stellung genommen. Demnach wird der Betriebsablauf am Standort Röttenbach seit 35 Jahren so praktiziert, wie jetzt beklagt. Man wundere sich deshalb im Unternehmen über die plötzlich auftretenden Klagen über "angeblich neu aufgetretene Lärmbelästigung", seit vor kurzem ein Neubürger zugezogen sei.

Saalfrank verweist auf unsere Anfrage schriftlich auf 550 000 Euro, die Norma in den Jahren 2018 und 2019 in die Lärmverhinderung gesteckt habe. Die Firma sei sowohl mit dem Landratsamt als auch mit der Gemeinde in einem laufenden Abstimmungsprozess, um eine befriedigende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Man habe auch bereits Maßnahmen ergriffen.

Gummimatten

Laut Hannah Reuter-Özer vom Landratsamt hat sich das Unternehmen zum Beispiel verpflichtet, mit Gummimatten das Geräusch der Luken-Tore zu dämpfen. Ein Effekt, den der Klageführer allerdings noch nicht wahrgenommen haben will.

Der Antrag auf Nutzungsänderung mit erweiterten Arbeitszeiten hat einen Knackpunkt: Für die Genehmigung braucht es ein Lärm-Gutachten. Es muss amtlich bestätigt werden, dass die Geräusch-Immission auf die umliegenden Wohnhäuser im Rahmen des Erlaubten liegen.

Nun werden solche Gutachten in aller Regel nicht aufgrund konkreter Messungen geschrieben. Es wird lediglich hochgerechnet aufgrund von Basisdaten wie Fahrzeug-Frequenz, Lage, Windrichtung und anderer Faktoren.

Hier hakt Bürgermeister Ludwig Wahl ein, den wir ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten haben. Er, so Wahl, habe eine Doppelrolle in dieser Diskussion. Er müsse die Wohnqualität für die Anwohner erhalten, andererseits im Interesse der gesamten Gemeinde aber auch den Standort des Unternehmens. Norma sei der größte Gewerbesteuer-Zahler für Röttenbach. Doch auch er müsse sich an die Regeln halten.

Deshalb, so Wahl, wolle er echte, nachprüfbare und gesicherte Lärm-Daten. Deshalb werde demnächst eine Messung stattfinden – eine verlässliche mit neuester Mikrofon-Technik. Dann erst lasse sich eine Aussage treffen, was getan werden muss.

Der Ball liege aber bei der Firma und beim Landratsamt. Deshalb, so Wahl, warne er davor, das Lärm-Problem auf Gemeindeebene zu einem Politikum und Wahlkampfthema zu machen. Gemeinde und Bürgermeister könnten in diesem Fall nur tun, was sie auch dürfen. Zum Beispiel gemeindlicherseits Schutzmaßnahmen zu überlegen. Das, so Wahl, beschäftige ihn schon lange und er wolle in den Etat 2020 auch 200 000 Euro dafür einstellen.

Arbeit ab 5 Uhr

Seit 1981 ist das Zentrallager in Röttenbach. In den 1990er Jahren wurde es erweitert und nach Auskunft des Landratsamts dabei auch erlaubt, dass ab 5 Uhr morgens gearbeitet wird, allerdings nicht nach 22 Uhr.

Eine weitere Erweiterung ist geplant. Die Ausdehnung in den noch bestehenden Wald und die Weiherlandschaft in Richtung Dechsendorf scheitert dem Vernehmen nach noch an einem nicht verkaufsbereiten Grundstücksbesitzer.

Wird sie Wirklichkeit, sollen zwar die Zufahrt und Teile des Lagers auf die nach Dechsendorf weisende Seite des Geländes verlegt und so die Röttenbacher Ortsdurchfahrt vom Lastwagenverkehr entlastet werden. Die Nachbarn fürchten aber, dass der Ladehof bleibt, wo er ist, und von noch mehr Lkw angefahren wird – was den Lärm wohl noch größer mache als jetzt schon.

RAINER GROH

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