Sonntag, 17.11.2019

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Landwirte im Seebachgrund: Zweifel an "Roter Zone"

Landwirtschaftsamt zeigte Versuchsanbau für Zwischenfrüchte zum Bodenschutz - 31.10.2019 07:00 Uhr

Grünmasse, die den Boden verbessert und Nitrat bindet: Nina Wellein, Wasserberaterin im AELF Fürth, und Pflanzenbau-Fachmann Nikolaus Ehnis zeigen Gewächse aus einer Zwischenfrucht-Mixtur. © Foto: Roland Huber


Der Versuchsanbau hat keineswegs nur für die Landwirte selbst Bedeutung. Die richtige Zwischenfrucht bindet Planzen-Nährstoff, sprich Nitrat, und schützt so das Grundwasser. Und weil sich zurzeit, wie es der Pflanzenbau-Experte des AELF, Nikolaus Ehnis, es ausdrückte, ein Keil zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft schiebt, kommt es der Fachbehörde und auch den Landwirten sehr auf eine differenzierte Betrachtung an.

Die Düngeverordnung macht den Bauern Auflagen, sagt Ehnis, die an der Grenze des Machbaren angelangt seien. Milchviehhalter wie der Dannberger Ort müssen jetzt Lagerräume für die Gülle aus ihrem Kuhstall vorhalten, denn ab Herbst in der wachstumslosen Jahreszeit dürfen sie den organischen Dünger nicht mehr ausbringen. Und selbst dann ist es auf Zwischenfrucht-Flächen nur erlaubt, wenn Weidelgras und Klee auch verfüttert werden, der Bauer sie nicht im KuLaP-Programm staatlich gefördert ausgesät hat oder für die damit erbrachte Umweltleistung Greening-Prämie von der EU bekommt.

Ein Güllefass für 80.000 Euro

So ein Gülletank ist laut Robert Ort aber nur mit einer Sondergenehmigung zu bauen und mit 50.000 bis 80.000 Euro auch nicht billig. Ebensowenig wie das neue 80.000-Euro-Güllefass für die vorgeschriebene bodennahe Ausbringung in der sogenannten Schlepptechnik. Das habe er zusammen mit zwei Kollegen angeschafft.

Der Landwirt – Robert Ort ist auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands – hat vor seinen Versuchsflächen mit greening- und nicht greeningfähigen Mischungen, mit futterfähigen oder ausschließlich bodenverbessernden Gewächsen auch Zweifel geäußert, ob Deutschland tatsächlich im Nitrat-Vergleich vor Malta ganz unten in Europa liegt.

"Rote Zone" Seebachgrund

Die Statistik, sagt Ort, fußt hierzulande eindeutig auf Daten aus viel zu wenigen Messpunkten. Konkret treffe es zum Beispiel den Seebachgrund. Der sei "rote Zone" mit den höchsten Auflagen, weil höchsten Nitratwerten. Letztere seien aber nur an einem Messbrunnen in Herzogenaurach und einem zweiten in Höchstadt ermittelt worden. Aus seinem Dannberger Hausbrunnen pumpe er aber Wasser mit ganzen drei Milligramm Nitrat pro Liter.

Ort gibt sich hoffnungsvoll, dass das grobmaschige Messnetz in Deutschland verdichtet und die Rote Zone Seebachgrund noch "überarbeitet" werden.

Ganz unbestritten ist die positive Wirkung von Zwischenfrüchten auf Grundwasser und Bodenqualität. Die Pflanzen sollen den von der Haupt-Kulturpflanze "übriggelassenen" Stickstoff im Boden binden. Sie erfrieren im Winter und werden in der Regel im Frühjahr untergepflügt. So geben sie den Stickstoff als Nahrung an die neuen Kulturpflanzen wieder ab und dienen auch dem Humusproduzenten Regenwurm als Nahrung.

RAINER GROH

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