Lonnerstadt: Gemeinderat kritisiert Pläne für 1111-Jahr-Feier

14.5.2021, 06:00 Uhr
Gemeinderat Giovanni Daniele würde die Erlöse des Fests gerne für die demnächst fällige Sanierung von St. Oswald verwenden.

Gemeinderat Giovanni Daniele würde die Erlöse des Fests gerne für die demnächst fällige Sanierung von St. Oswald verwenden. © Foto: Anestis Aslanidis

Im April hatte sich der Gemeinderat – gegen die Stimme Danieles – geeinigt, dass die Gemeinde die Organisation federführend in die Hand nimmt. Die Kommune richtet die Veranstaltungsorte her, engagiert Musikgruppen und Künstler. Dafür wird ein Ansatz von 10 000 Euro in den Haushalt gestellt. Den gastronomischen Part übernehmen die Vereine. Die Gewinne fließen – nach Anteil der geleisteten Arbeitsstunden – in die jeweiligen Vereinskassen.

Ein Risiko für die Gemeinde?

Daniele sieht bei diesem Modell die Gemeinde benachteiligt. "Aus welchem Grund soll unsere Gemeinde die Kosten und somit das wirtschaftliche Risiko für die Ausrichtung der Feier allein tragen?", fragt der parteilose Bürgervertreter in einem an unsere Redaktion gerichteten Schreiben. Weiter sorgt er sich: ". . . verbleibt dann ein eventueller Verlust bei der Gemeinde?" "Es wird keinen Verlust geben", ist hingegen Bürgermeisterin Regina Bruckmann (FW) überzeugt. Beim Geschäft mit Speis und Trank laufe vieles auf Kommissionsbasis.

Löwenanteil für den TSV Lonnerstadt

Die Verteilung der Überschüsse innerhalb der Vereine und nach Arbeitsstunden findet Daniele fragwürdig. Nicht nur, weil der Löwenanteil so dem TSV Lonnerstadt zufallen werde, dessen Funktionäre nach seiner Einschätzung in Lonnerstadt die Fäden ziehen. "Man könnte auf die Idee kommen, dass das Ganze eine Quersubventionierung der Vereine ist", argwöhnt der Kommunalpolitiker, der im vergangenen Jahr sein CSU-Parteibuch zurückgegeben hatte.

Regina Bruckmann, langjährige Vorsitzende des Heimatvereins, hat damit kein Problem. "Warum sollen die Vereine denn nicht davon profitieren? Die machen ja auch die Arbeit", sagte sie. "Die Feier ist zur Unterstützung der Vereine gedacht". Die Gewinnbeteiligung nach geleisteten Arbeitsstunden hält die Rathaus-Chefin für sinnvoll. So würde der Einsatz der Helfer in gleichem Maße honoriert, egal welche Aufgabe sie hatten. Mit ihrem kommunalpolitischen Widerpart Daniele ist sich Bruckmann einig, dass mit dem Dorffest auch wieder ein Stück Normalität zurückkommen kann.

Daniele aber möchte unter anderen Vorzeichen feiern: "Jubilate! Das Wahrzeichen Lonnerstadts wird renoviert" würde er als Motto ausgeben und die Erlöse für die demnächst fällige Kirchensanierung verwenden. Das würde die Leute eher motivieren als eine "schlichte Wiederholung der 1100-jährigen Feier in Kleinformat".

In der Tat stützt sich der mit der Organisation der Festivitäten betraute Arbeitskreis auf die Erfahrungen von 2010. An das Jubiläumsfest erinnert man sich gern im Dorf. Viele Projekte wurden seither angestoßen, Brauchtum wiederbelebt und ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen, ist immer wieder zu hören.

Wahrscheinlich wird es diesmal wohl eine Nummer kleiner, erwartet Bruckmann. Sich über Details zu unterhalten, sei verfrüht. "Das ist alles noch nicht zu Ende besprochen", sagte sie. Das betreffe auch einige der Fragen und Kritikpunkte, die Daniele aufgeworfen habe. Der Arbeitskreis Dorfgemeinschaft und der Gemeinderat würden damit noch beschäftigt sein.

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