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Lonnerstadter Mühle findet sich auf Unesco-Liste

Die Aufrechterhaltung des traditionellen Handwerks wird nun als immaterielles Kulturerbe gewürdigt - 10.05.2020 15:03 Uhr

2009 hat die Familie Bruckmann die Lonnerstadter Mühle gekauft und richtet das Gebäude seither her. „Eine Lebensaufgabe“, wie sie selbst sagen. © Archivfoto: André De Geare


"Es geht um den Kraftschluss" erklärt Mühlenbautechniker Paul Bruckmann, der das Gebäude in Lonnerstadt im Jahr 2009 gekauft hat und seither herrichtet. "Eine Lebensaufgabe", für die das Ehepaar schon viele Preise bekommen hat.

Als die Unesco die traditionelle Handwerksmüllerei Anfang Dezember 2018 zusammen mit 17 weiteren Kulturformen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen hat, war das für Bruckmanns ein zusätzlicher Anreiz, den Mühlstein wieder mit Wasserkraft anzutreiben und damit die alte Handwerkskunst wieder zu nutzen. Voraussetzung war natürlich zunächst das Wasserrad. "Allein das war sehr, sehr viel Arbeit", sagt Paul Bruckmann, der dafür 180 Kubikmeter Beton verbaut hat.

Momentan überträgt das Rad die Kraft an einen Stromgenerator, der dann wiederum den Mühlstein mit einem Meter Durchmesser antreibt. Traditionell allerdings erfolgte die Kraftübertragung über einen Riemen direkt auf den Mühlstein. Diesen Mechanismus richtet Bruckmann gerade ein. Er hat dann die Möglichkeit beide Verfahren zu nutzen.

Das traditionelle Verfahren war wichtig für die Eintragung in die Liste. Das Logo für Immaterielles Kulturerbe dürfen die Bruckmanns jetzt seit einigen Wochen nutzen. Der 55-jährige Mühlenbesitzer betont, dass damit keine finanzielle Zuwendungen verbunden sind. Vielmehr enthalte der Zusatz zum Logo "Wissen. Können. Weitergeben" auch einen Auftrag.

Einer der ältesten Berufe

Denn der Beruf des Müllers ist einer der ältesten der Welt. Der früheste Nachweis einer Wassermühle in Deutschland gelang den Archäologen durch die Ausgrabung einer Mühle aus der Zeit um Christi Geburt an der Inde (Nordrhein-Westfalen).

Heute erfolgt die Müller-Ausbildung im dualen System. An Schulen erwerben die Auszubildenden alle Kenntnisse, die auf einen Industriebetrieb ausgerichtet sind. Das Arbeiten mit Wind- und Wasserkraft sowie mit traditionellen Mahlverfahren sind im Lehrplan nicht mehr zu finden. Die Technik ist also nur noch in einigen Handwerksmühlen zu erlernen, die sich der Tradition verpflichtet sehen.

Dieses Wissen können Bruckmanns weitergeben. An Interessierte bei Führungen oder auch an Schulklassen. Das Angebot ruht zwar momentan wegen der Corona-Pandemie und auch der bundesweite Mühlentag, an dem Besucher die Mühle sonst traditionell am Pfingstmontag besuchen können, ist für dieses Jahr bereits überall abgesagt.

"Aber es geht bei dem Kulturerbe auch darum, ein Stück weit wegzukommen von der Museumsmüllerei", sagt Paul Bruckmann. Deshalb ist das Ziel ein verkehrsfähiges Produkt herzustellen, also z. B. klassisches Vollkornmehl. Langfristig plant der Mühlenbautechniker einen Mühlenladen einzurichten, in dem dann die Ware auch verkauft wird.

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