Donnerstag, 29.10.2020

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Mehr Komfort für Busbenutzer im Landkreis ERH

Bei der Fortschreibung des Nahverkehrsplans steht die Barrierefreiheit ganz oben. - 06.10.2020 05:54 Uhr

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt fahren die Landkreisbusse durch idyllische Landschaften – hier zwischen Hannberg und Großenseebach. Deshalb gehört zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans auch die Frage, wie viele Haltestellen es tatsächlich braucht.

© Matthias Kronau


Im Corona-Jahr 2020 hat es der ÖPNV nicht leicht, denn die Fahrgastzahlen sind wohl nicht zuletzt aufgrund der Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus deutlich zurückgegangen. Da liegt es nahe, mit sinnvollen Maßnahmen die Attraktivität beispielsweise des Busverkehrs zu steigern. Ein Baustein: In Eckental-Eschenau, Buckenhof/Spardorf, Herzogenaurach und Höchstadt bekommen die dortigen Busbahnhöfe dynamische Fahrplananzeigen, die beispielsweise in den Stoßzeiten signalisieren, ob noch ein Bus kommt, wenn der vorherige vollkommen überfüllt war. Ergänzt wird das Konzept per App, was die Planer zugleich von der Aufgabe entbindet, auch die kleineren Haltestellen mit entsprechenden Anzeigetafeln auszustatten.

50 Prozent Förderung

Die aktuellen Kosten für die vier Pilotanzeigen belaufen sich auf netto 389.000 Euro, dafür gibt es aus Geldern der öffentlichen Hand 50 Prozent Förderung. JU-Kreisrat Maximilian Stopfer regte an, Haltestellen auch mit kostenlosem WLAN nach Vorbild des Bayern-WLAN auszustatten. Der Landrat versprach, die Umsetzbarkeit dieser Idee prüfen zu lassen.

Trotz der Möglichkeit, aktuelle Informationen über die Busbewegungen per Smartphone-App abzurufen, will Wolfgang Hirschmann (Grüne) die Erweiterungsfähigkeit des Systems und damit die Aufstellung entsprechender Anzeigetafeln auch an untergeordneten Haltestellen gewährleistet sehen. Mit Blick auf die Kosten stellte Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) die Frage, wer heutzutage eigentlich nicht über ein Smartphone verfügen würde. Außer Kreisrätin Lydia Göbel (Grüne) hob niemand die Hand . . .

Detaillierte Studie

Zur Barrierefreiheit referierte Planer Patrick Preißer, der zum Nahverkehrsplan eine hoch detaillierte Studie vorlegte. Danach halten sich die Schwachstellen im Bus- und Bahnnetz in vergleichsweise engen Grenzen, der Radius von 500 Metern zur nächsten Bushaltestelle beziehungsweise 1000 Metern zum Bahnhalt wird fast überall eingehalten. "Nur sechs von 71 Ortsteilen haben Defizite", betont Preißer. Jeder Ortsteil im Landkreis ERH sei mit mindestens einer Haltestelle erschlossen. Bei einer sogenannten Linienüberplanung seien auch die Auswirkungen zusätzlicher Haltestellen auf die Fahrpläne einzukalkulieren.

Die Taktung sei in den vergangenen Jahren nicht nur dichter, sondern auch effizienter geworden. Dadurch hätten sich nicht zuletzt die Fahrplan-Unterschiede zwischen Schul- und Ferientagen ein Stück weit egalisiert.

Die Forderung der Bundespolitik nach "vollständiger Barrierefreiheit" zum Stichtag 1. Januar 2022 hält Preißer aber für "unrealistisch" und weiß dabei die Politiker des Kreises ERH hinter sich. Schon aus finanziellen Gründen müssten Prioritätsstufen vom zeitnahen Umbau der Infrastruktur bis zur vorläufigen Zurückstellung angewendet werden.

Überkommunale Abstimmung

Was es zu forcieren gelte, sei die inter- beziehungsweise überkommunale Abstimmung auch zwischen benachbarten Landkreisen. Die greift beispielsweise dann, wenn eine neue Direktbuslinie von Höchstadt nach Forchheim fahren soll, weil in die Entscheidungsfindung notwendig auch der Forchheimer Kreistag eingebunden ist.

Gerade in solchen Brückenschlags-Projekten habe der Landkreis ERH aber durchaus eine Vorreiterfunktion, betonte Landrat Tritthart in der Kreisausschuss-Sitzung.

Die Forderung der Grünen-Kreisrätin Lydia Göbel, mehr Park & Ride-Parkplätze zu schaffen, wird von vielen Räten aufgrund der dadurch beschleunigten Flächenversiegelung kritisch gesehen. Tritthart ergänzte, dass die Fahrgastzahlen auch angesichts des verstärkten Umstiegs auf Homeoffice-Arbeit zurückgehen, es mithin manchen Parkplatz in Zukunft wohl gar nicht mehr brauchen werde.

 

HANS VON DRAMINSKI

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