Dienstag, 24.11.2020

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Meisterhandwerk: Klaus Kramer repariert alte Kirchturmuhr

Das historische Stück steht jetzt im Rathaus-Foyer - 18.10.2020 15:02 Uhr

Der Höchstadter Klaus Kramer hat in seiner Werkstatt in der Sudetenstraße die historische Turmuhr der katholischen Stadtkirche restauriert. Hier zeigt er einen Glockenklöppel.

18.10.2020 © Foto: Hans von Draminski


Jetzt steht die Uhr nämlich im Foyer des Rathauses. Dass das historische Uhrwerk – nach Rücksprache mit Experten datiert Klaus Kramer die komplexe Konstruktion in etwa auf das Jahr 1780 – hier hineinpasst, hat etwas mit Fantasie zu tun. Und mit unkonventionellen Lösungen eines "Metallers", der gerne auch einmal querdenkt.

Nur für Höchstadt

Von der Ausbildung her ist Klaus Kramer Maschinenschlosser und Industriemeister, er arbeitet bei Schaeffler in Hirschaid bei Bamberg. Als Uhrmacher will der knapp 60-Jährige sich dagegen nicht bezeichnen. Und er betont, dass er auch nicht für Auftragsarbeiten zur Verfügung steht: "Was ich da mache, mache ich nur für Höchstadt", sagt er mit leisem Lächeln. Vor 20 Jahren hatte er die alte Rathausuhr "in der Kur", seit April diesen Jahres stand das alte Werk der früheren Turmuhr der katholischen Stadtkirche auf Klaus Kramers Agenda.

300 Kilo pures Metall

Das Gotteshaus hat längst eine neue Uhr. Als der schon legendäre Höchstadter Uhrmacher Alfred Wahlrab im August 2019 starb, wurde in seinem Nachlass das Werk der einstigen Kirchturmuhr gefunden. Und man entsann sich, dass Klaus Kramer schon einmal eine historische Uhr für die Stadt restauriert hatte. "Seit dem Frühjahr war das Uhrwerk bei mir", erzählt Kramer. Rund 300 Kilo pures Metall, ein Rahmen voller Zahnräder, Hebel und anderer Teile.

Bilderstrecke zum Thema

Klaus Kramer: Aus dem Fototagebuch eines Turmuhr-Retters

Der Höchstadter Klaus Kramer hat die alte Kirchturmuhr repariert. Jetzt steht sie im Foyer des Rathauses. Den Fortgang der Arbeiten in der heimischen Werkstatt hat er dokumentiert. Hier ein Eindruck:


Klaus Kramer zerlegte das großformatige Uhrwerk zunächst komplett, setzte die Teile, soweit möglich, wieder instand – und baute neu, was fehlte oder vom Zahn der Zeit irreparabel zernagt worden war. Bernhard Huber, Bibliothekar der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie, hat die Uhr in etwa auf das Jahr 1780 datiert – unter dem Vorbehalt, dass das Werk eine Art Patchwork-Konstruktion ist, die wohl aus mehreren Uhren zusammengesetzt wurde.

Gewichte aus dem Fitnessraum

Wie man mit geschmiedetem Eisen umgeht, weiß Klaus Kramer. Wie man eine Uhr nach Jahrzehnten des Stillstands wieder zum Laufen bringt, hat er im Zuge der Restaurierungsarbeiten auch gelernt. Was zum Teil etwas mit Versuch und Irrtum zu tun hatte. So benutzte er beispielsweise Gewichte aus seinem Fitnessraum ("meine Muckibude"), um die Zahnräder behelfsweise anzutreiben.

Die Uhr und das Uhrwerk.

18.10.2020 © Foto: Klaus Kramer


Nachdem schnell feststand, dass die Uhr ins Rathaus und nicht mehr in den Kirchturm kommt, war Klaus Kramer gezwungen, manches Detail zu verändern. Das Pendel beispielsweise ist kürzer als im Original und dafür schwerer. Auch die Seile der Gewichte wurden verkürzt, die Uhr läuft mit einmal Aufziehen nur etwa 20 Minuten. "Sie ist halt in erster Linie als Schaustück gedacht, dennoch habe ich darauf geachtet, dass sie voll funktionsfähig ist", betont Klaus Kramer.

Vier getrennte Werke

Kompliziert wurde es, weil die Uhr vier getrennte Werke hat: ein Viertelstunden-Werk, ein Dreiviertel- und ein Volle-Stunden-Werk sowie ein sogenanntes Nachschlagwerk, das den Stundenschlag zeitversetzt quasi spiegelt. Den Sinn erklärte Bernhard Huber dem Restaurierer: "Wenn der Bauer auf dem Feld beim ersten Durchgang des Stundenschlags nicht aufmerksam war und mitgezählt hat, dann lieferte das Nachschlagwerk die Zeit", erklärt Klaus Kramer.

Schwarz, weiß und bunt

Von April bis August steckte er als Mitglied des Höchstadter Heimat- und Verschönerungsvereins Hunderte von ehrenamtlichen Arbeitsstunden in die Wiederherstellung der Uhr. Aufwendig war es auch, das Ziffernblatt und die nur noch in Resten vorhandenen Zeiger in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Bei der Farbgebung holte er sich wieder einen Expertenrat: "Dem Bernhard Huber sagte ich, dass ich nur drei Farben kenne – Schwarz, Weiß und bunt. Er hat mir dann die korrekten Rot- und Schwarztöne geliefert."

Die funktionsfähige Verbindung von Uhr und Ziffernblatt – auch hier forderte der ungewöhnliche Aufstellort seinen Tribut – war auch noch einmal eine Herausforderung, zumal zu den vier Werken noch einmal drei Glockenwerke kamen. "Die sollten bimmeln, auch wenn die Glocken viel kleiner als die ursprünglichen sind", erklärt Kramer.

Genau waagrecht

Von problemloser Uhrentechnik des 21. Jahrhunderts könnte das fertige Werk jedenfalls nicht weiter entfernt sein. "Wenn die Uhr nicht genau waagrecht steht, dann läuft sie nicht", musste Kramer feststellen.

Sogar die Logik blieb zwischendurch scheinbar auf der Strecke: "Bei dieser Uhr ist der lange Zeiger für die Stunden zuständig, der kurze für die Minuten – weil solche Uhren früher nur einen Zeiger hatten und der andere erst nachträglich hinzukam und per Hohlwelle angekoppelt wurde", beschreibt Klaus Kramer eine von vielen Besonderheiten seines mechanischen "Kindes", das nun im Rathaus zu besichtigen ist.

HANS VON DRAMINSKI

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