Ministerin besucht Inklusions-Projekt in Gremsdorf

28.9.2016, 08:03 Uhr
Auch der Lockenstab der Gesundheitsministerin Melanie Huml (2. v. r.) wurde getestet. Ein Mitarbeiter der Firma Intakt zeigte Huml, Landrat Alexander Tritthart (2. v. l.) und weiteren Abgeordneten, wie die Geräte geprüft werden.

Auch der Lockenstab der Gesundheitsministerin Melanie Huml (2. v. r.) wurde getestet. Ein Mitarbeiter der Firma Intakt zeigte Huml, Landrat Alexander Tritthart (2. v. l.) und weiteren Abgeordneten, wie die Geräte geprüft werden. © Foto: Christian Enz

„Menschen definieren sich zu einem großen Teil über ihren Arbeitsplatz und den Sinn, den ihre Tätigkeit für die Gesellschaft hat“, betont Melanie Huml im Rahmen einer Feier im Forum der Barmherzigen Brüder. Deshalb, so die bayerische Gesundheitsministerin, seien Integrationsunternehmen ein echter Gewinn. Im Gegensatz zu anderen sozialen Einrichtungen wie etwa Behindertenwerkstätten verfolgen Integrationsunternehmen das Ziel, Menschen mit Behinderung in reguläre Beschäftigungsverhältnisse zu bringen.

Geräte überprüfen

„Die bei Intakt entstandenen Arbeitsplätze werden deshalb nach Tarifvertrag vergütet und sind voll sozialversicherungspflichtig“, erläutert Günther Allinger. Als Leiter der Gremsdorfer Behinderteneinrichtung ist er gleichzeitig Geschäftsführer der vor gut einem Jahr gegründeten Intakt gGmbH. In je zur Hälfte aus Menschen mit und ohne Behinderung bestehenden Teams übernimmt die Intakt gGmbH Prüfungsaufträge in gewerblichen Betrieben und öffentlichen Einrichtungen. Dabei werden elektrische Geräte auf ihre Sicherheit hin überprüft. Eine wichtige Aufgabe, wie Melanie Huml findet.

„Wenn erst einmal der Föhn Funken sprüht oder ein Kabel durchschmort, ist es oft schon zu spät. Denn ein elektrischer Stromschlag kann für den Benutzer übel ausgehen.“ Deshalb ließ die Ministerin vorsorglich einmal ihren persönlichen Lockenstab überprüfen.

Allerdings ist vielen Unternehmen die Bedeutung einer regelmäßigen Prüfung nach DIN- und DGUV-Vorschriften nicht bewusst, warnt Martin Widera. „Dabei droht bei einem Arbeitsunfall oder Brand im schlimmsten Fall der Verlust des Versicherungsschutzes. Da ist schnell die Existenz eines ganzen Betriebes in Gefahr“, weiß der Intakt-Betriebsleiter. Dagegen erscheint das Prüfungsentgelt von 3,50 Euro je elektrischem Gerät unbedeutend. Dennoch sei es eine große Herausforderung, Aufträge für die inzwischen sechs speziell geschulten Fachkräfte zu generieren. „Wenn wir allerdings einmal in einem Unternehmen waren, dann werden wir immer wieder gebucht. Unsere Kunden sind hochzufrieden“, unterstreicht Widera.

Den ersten Auftrag bekam die Intakt vor gut einem Jahr von der Höchstadter Kreissparkasse. Heute zählen bereits Großkunden wie Krankenhäuser und Großküchen zum festen Stamm. „Und die Nachfrage steigt kontinuierlich“, freut sich Günther Allinger. Deshalb kann das Personal weiter aufgestockt werden.

Im Beisein der Landtagsabgeordneten Walter Nussel (CSU) und Gabi Schmidt (FW) sowie der Bezirksräte Ute Salzner (CSU) und Karin Knorr (FW) durfte dann mit Rebecca Stuber (23 Jahre) die erste Frau bei Intakt einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Nach einer Ausbildung zur Hauswirtschafterin war sie zunächst arbeitslos gewesen. „Bei möglichen Arbeitgebern, etwa Wäschereien, zählt nur Geschwindigkeit“, beklagt Norbert Stuber. „Kaum einer ist bereit, die Gelegenheit zum Sammeln von Lebenserfahrung zu geben“, erzählt Rebeccas Vater. Dabei würde dies die Leistungsfähigkeit vieler Menschen mit Einschränkungen deutlich verbessern.

„Wirklich kreativ“

Dies unterstreicht die Bedeutung der inzwischen 80 Integrationsbetriebe in Bayern. Dazu zählen im Landkreis neben dem Projekt der Barmherzigen Brüder auch Initiativen der Lebenshilfe und der Laufer Mühle, wie Ute Salzner sagt. „Deswegen ist es für neue Projekte wichtig, ein eigenes Tätigkeitsprofil zu entwickeln. Und da waren die Barmherzigen Brüder wirklich kreativ. Da muss ich den Hut ziehen“, lobt Gabi Schmidt.

Auch Melanie Huml hatte nicht nur lobende Worte für die inzwischen 3700 in Integrationsbetrieben beschäftigten Menschen parat. Vielmehr stellte die Gesundheitsministerin eine Erhöhung der Fördermittel in Aussicht. So soll es ab diesem Jahr statt 10 Millionen jährlich 13 Millionen Euro für Integrationsfirmen geben.

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