Mit der Hochlastfaulung in die Zukunft

14.11.2013, 18:53 Uhr
Damit die Adelsdorfer Kläranlage autark betrieben werden kann, müssten rund um das Schlammbecken (im Bild Abwassermeister Matthias Steger) große Summen investiert werden.

© Niko Spörlein Damit die Adelsdorfer Kläranlage autark betrieben werden kann, müssten rund um das Schlammbecken (im Bild Abwassermeister Matthias Steger) große Summen investiert werden.

Das Adelsdorfer Klärwerk wurde in den vergangenen Jahren immer wieder dank großer Summen auf den neuesten Stand gebracht. Zuletzt wurde noch unter Bürgermeister Armin Goß eine dritte Reinigungsstufe, die Denitrifikation, eingebaut.

Eine Millionen-Investition, die seinerzeit nicht auf einmal berappt werden konnte, weshalb der Einbau dieser Reinigungsstufe auf mehrere Bauabschnitte und Jahre verteilt wurde. Wie berichtet, wurden jüngst im Zuge der weiteren energetischen Sanierung neuartige „Plattenbelüfter“ in das Belebungsbecken montiert, was neben den zahlreichen Photovoltaik-anlagen auf den Dächern der Anlage auch zu einer signifikanten Energieeinsparung beitrug.

In Sachen Energiewende tue sich was in Adelsdorf, meinte Fischkal bei der Ratssitzung am Mittwoch, zu der er zwei Ingenieurbüros geladen hatte, die über die Machbarkeit einer angedachten Hochlastfaulung referierten. Dies sei, gestand der Sitzungsleiter aber auch gleich ein, „eine große Sache“, die man angehen möchte.

Unmut auf den Gängen

Als die Zahlen dann vom Büro Klaus Siekmann aus Thür auf den Tisch gelegt wurden und hernach eine Sitzungspause angebracht schien, regte sich am Gang vor dem Sitzungssaal schon der Unmut über eine Investition, die sich auf lange Sicht kaum amortisiere.

Aber nach der Reihe: Laut Ingenieur Siekmann sei die Adelsdorfer Kläranlage auf 25000 Einwohnergleichwerte ausgelegt und derzeit im Mittel mit 16000 solcher Einheiten nicht grenzwertig ausgelastet. Durch die bereits verbauten Solareinheiten liege man beim Stromverbrauch derzeit bei 380000 Kw/h pro Jahr. 40 Prozent Energiekosten habe man da ja schon eingespart, ergänzte Karsten Fischkal. Laut Siekmann ist die Kläranlage aber nur „vordergründig energetisch optimal“, weil derzeit keine organischen Substanzen in der Anlage umgewandelt würden.

Die Kläranlage müsse für eine anaerobe Stabilisierung fit gemacht werden, auch – vor allem – in baulicher Hinsicht. Bei jener anaeroben Stabilisierung entstehe Faulgas, das in Strom umgewandelt werden könne, so Siekmann. Auf der Anlage müsse dann allerdings einiges im Reinigungsprozess umgebaut und ergänzt werden.

Zunächst sei ein Vorklärbecken nötig, ein kleines Blockheizkraftwerk, ein Gasspeicher, ein Pumpwerk und nicht zuletzt ein Rohschlammbehälter müssten gebaut werden. Nach einem über eine Stunde dauernden Referat von Klaus Siekmann stand fest, dass alles zusammen 2,33 Millionen Euro (brutto) kosten werde — schätzungsweise.

„Kein Zeitdruck“

52560 Euro könnte man pro Jahr an Stromkosten einsparen, weitere 30200 Euro pro Jahr würden wegen der sinkenden Schlammentsorgung eingespart, wenn die Firma Soldan als einer der Haupteinleiter Teile ihres Abwassers separat behandelt. Einsparungen hier und Mehrkosten dort, unter dem Strich rechnete Siekmann mit einer Amortisierung per anno in Höhe von 67300 Euro – bei einer Investitionssumme von 2,33 Millionen.

Die Experten des zweiten Büros (Hydroingenieure) legten hernach fünf Vorschläge für die Realisierung auf, einer davon würde bei einer Umsetzung mit weiteren Optionen mit 1,3 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Zeitdruck“, so der Bürgermeister, habe man diesbezüglich ja nicht, weshalb es am Mittwoch in der späteren, nicht öffentlichen Sitzung auch keine Beschlüsse diesbezüglich gab. Fischkal könnte sich einen Arbeitskreis vorstellen, der mit Mandatsträgern besetzt wird, die sich für die technisch komplizierte Sache interessieren. Man werde sich jetzt erst einmal mit den Einzelheiten beschäftigen und das Plenum ständig informieren.

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