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Mühlhausen 1945: Ausgebombte suchten Schutz in Bierkellern

Der große Angriff auf Nürnberg im Januar 1945 trieb Hilfesuchende aufs Land — zum Beispiel nach Mühlhausen oder Steppach. - 15.04.2020 07:00 Uhr

Zeitzeuge aus Stein: Der Gasthof Bär stand schon, als US-amerikanische Truppen Mühlhausen erreichten. Sie beschlagnahmten das Gebäude. Am 14. August 1945 durften die Gasthäuser dann wieder eröffnen. © Archivfoto: Manfred Welker


Er schreibt über die Zeit: Vor den drohenden Bombenangriffen in der Region flüchteten sich die Bewohner in die ehemals zur Einlagerung von Bier angelegten Keller.

Vor allem über die Meldungen in der Presse konnten sich die Bewohner über die sich nahende Front informieren. Im April 1945 war es so weit, die Truppen der US-Amerikaner standen auch in dieser Region. Steppach sollte von einer SS-Abteilung verteidigt werden und wurde daher beschossen. Der Ort erlitt Gebäudeschäden, außerdem kam Margaretha Seubert zu Tode.

Weiße Fahne geschwenkt

In Mühlhausen rückten am 14. Januar 1945 die US-amerikanischen Truppen ohne Gegenwehr gegen 12 Uhr ein. Ihnen waren zwei französische Kriegsgefangene mit der weißen Fahne entgegengegangen. Umgehend wurden Gebäude wie das Gasthaus Bär, die Schule und der Kindergarten beschlagnahmt und mit US-Amerikanern belegt. Die Zweckentfremdung der Gebäude dauerte bis in den November 1945 an.

Mit dem 8. Mai 1945 wurde Dr. Valentin Fröhlich aus Herzogenaurach zum Landrat des Landkreises Höchstadt eingesetzt. Gemeinsam mit der Militärregierung organisierte er das Leben in der Region. Es galt die Kriegsheimkehrer und Heimatvertriebenen zu integrieren und das vielerorts zerstörte Verkehrswesen wieder aufzubauen. Ende Juni wurden die ersten Kennkarten mit einem Fingerabdruck ausgestellt.

In Pommersfelden waren die Wissenschaftler der "Monumenta Germaniae historica", einer Einrichtung zur Erforschung der Geschichte Deutschlands im Mittelalter mit ihrem Institut, untergebracht. Der Landkreis sorgte für deren Versorgung mit dem Lebensnotwendigen.

Am 14. August 1945 durften die Gasthäuser wieder ihren Betrieb aufnehmen. In Mühlhausen notierte Dorothea Bär: "Wir erhielten keine Genehmigung, aber unser Geschäft geht trotzdem weiter." Zum Leidwesen der Biertrinker mussten am 12. Oktober die Brauereien ihren Betrieb wieder einstellen.

Glücklicherweise fiel die Ernte des Jahres 1945 gut aus, sodass die Versorgung mit Lebensmitteln bis zum nächsten Jahr gesichert war.

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Nürnbergs schwerste Stunde: Der Luftangriff vom 2. Januar 1945

Um etwa 19.20 Uhr fallen die ersten Bomben. Am 2. Januar 1945 sterben mehr als 1.800 Einwohner Nürnbergs, innerhalb von nicht einmal einer Stunde werden 90 Prozent der Altstadt zerstört. Ein verheerender Angriff der britischen Luftwaffe während des Zweiten Weltskriegs macht die Stadt fast dem Erdboden gleich.


Am 20. November 1945 rückten schlussendlich die letzten US-Amerikanischen Truppen aus Mühlhausen ab. Die Post nahm am 1. Januar 1946 ihren Betrieb wieder auf.

Zum Jahresende wurden die Vorbereitungen für die ersten freien Wahlen für den Januar 1946 getroffen. Mit dieser Maßnahme wurde die Demokratie in Deutschland angestoßen, die bis zum heutigen Tag für gefestigte Strukturen sorgt.

Hier kommen Sie zurück zum Ticker "Vor 75 Jahren: Eine Zeitreise zum Ende des 2. Weltkriegs in Nürnberg".

wel

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