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Mühlhausens hochkarätiges Denkmal

Die Geschichte und der aktuelle Zustand der Synagoge sind erfasst, nun geht es an die Sanierung - 23.02.2021 11:26 Uhr

Die alte Synagoge in Mühlhausen: ein sanierungsbedürftiges Schmuckstück, das einmal zu einer Gedenk- und Bildungsstätte werden soll.

22.02.2021 © Matthias Kronau


Edgar Hartmann hat sich noch einmal auf das hohe Gerüst mitten in dem großen alten Gebetssaal gestellt. Oben am Deckenfresko erklärt er Details, die er in den vergangenen Monaten untersucht hat. Farbschichten zum Beispiel, die dem Restaurator und Bauforscher aus Fürth viel erzählen über die Synagoge in Mühlhausen – aus welcher Zeit stammen die Schichten, wann gab es Umgestaltungen? Hinweise geben an anderen Stellen auch Putzabrisse, Zapfenlöcher, abgeschnittene Balken und vieles mehr – ein Restaurator und Bauforscher muss bauhistorisch ein Experte sein, und auch ein bisschen Detektiv.

Bestens dokumentiert

Die Decken der alten Synagoge in Mühlhausen sind ein dankbares, aber aufwendiges Restaurierungs-Objekt.

22.02.2021 © Matthias Kronau


So wie auch die Bauforscherin Claudia Birke aus Erlangen, die in den vergangenen Monaten ein verformungsgerechtes Aufmaß des historischen Gebäudes erstellt hat. Ihre Pläne sind in den Bericht eingeflossen, den Edgar Hartmann erstellt hat. Damit sind die Bauvoruntersuchungen nun abgeschlossen. Quasi alles, was das Gebäude über seine eigene Geschichte und seinen aktuellen Zustand offenbart, ist nun bekannt, erfasst und notiert. Auch Archivmaterial ist eingeflossen, aber bei weitem nicht alles. Hier wartet noch Arbeit auf den Verein "Forum Alte Synagoge Mühlhausen".

Wichtiger Zwischenschritt

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Dennoch: Der Bericht von Edgar Hartmann und Claudia Birke ist ein wichtiger Zwischenschritt. Eine von Experten durchgeführte Bauuntersuchung ist Voraussetzung für fast alles, was jetzt kommt – die Sanierung. Staatliches Geld kann nur fließen, wenn die historische Substanz genau ermittelt und beurteilt worden ist.

"Keine komplette Totalrestauration"

"Es dürfte nun nicht darum gehen, eine komplette Totalrestauration durchzuführen", erklärt Forum-Vorsitzender Christian Plätzer. "Das wäre Irrsinn." Die Bauforscher haben in dem Gebäude von 1755/56 mindestens drei verschiedene Umbauphasen ausgemacht. Alles historisch interessant und dokumentationswürdig, aber nicht alles dringend erhaltenswert. So einiges ist auch erst nach dem Krieg verändert worden, Flüchtlinge waren hier zeitweise untergebracht.

Konzept und Bausubstanz

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Der Verein wird sich im Verbund mit Architekten und dem Landesamt für Denkmalpflege die Frage stellen: Was kann aus dem Gebäude entstehen? Wie könnte die anvisierte Gedenk- und Bildungsstätte aussehen? Wie können ein noch zu entwickelndes Nutzungskonzept und der Erhalt historischer Substanz harmonieren? Und vor allem: Was kostet es, wer zahlt mit?

Von außen unscheinbar, innen ein Schatz

Der Eingangsbereich der Synagoge: An den Decken kann man verschiedene Umbauphasen erkennen.

22.02.2021 © Matthias Kronau


Von außen betrachtet ist die alte Synagoge in Mühlhausen ein unscheinbares Gebäude ein paar Meter südlich des Marktplatzes, aber innen ist sie ein Schatz. Oder mit den Worten von Restaurator Edgar Hartmann: "Es handelt sich um ein hochkarätiges Denkmal."

Informationen: www.synagoge-muehlhausen.de

MATTHIAS KRONAU

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