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Münchauracher Klosterfrühling mit Uraufführung

Blechbläserensemble "BlechMafia Nürnberg“ führte Hartls "Wojna i pokój“ auf - 05.05.2015 14:50 Uhr

Die „BlechMafia“: Regina Scherer, Michael Kraus (Trompeten), Gabi Lüdenbach (Horn), Stephen Jenkins (Posaune), Susumu Kakizoe (Tuba) und Georg Batz (Perkussion). © Foto: Jungfer


Bei der Begrüßung der Gäste in der voll besetzten Kirche galt der Dank des Hausherrn, Pfarrer Peter Söder, neben Sponsoren und den ehrenamtlichen Unterstützern ganz besonders Gerald Fink, von Beginn an Organisator und künstlerischer Leiter der Konzertreihe "Klosterfrühling“.

Mit der "BlechMafia“ war ein Ensemble engagiert, das sich selbst in seinem Genre als "Nürnberger Besonderheit“ einstuft. Die sechs Mitglieder der "BlechMafia“ sind junge Profimusiker, die – aus allen Ecken Deutschlands und der Welt stammend – inzwischen im Raum Nürnberg musikalisch verwurzelt und in der dortigen Musikszene auch pädagogisch aktiv sind.

Mit Trompeten, Posaune, Horn, Tuba und Schlagwerk beherrschen sie elegante Kammermusik genauso wie symphonische Klänge und tragen sie hinaus in die weite Welt bis nach Australien. Eine Uraufführung wie Heinrich Hartls "Wojna i pokój“ aber – den Auftrag zur Komposition für den Klosterfrühling gab die Evangelische Kirchengemeinde – sei auch für das Ensemble "BlechMafia“ ein Novum und eine besondere Ehre, bekannte Michael Kraus (Trompete), der amüsant und informativ durch das Konzert führte.

Den bei der Uraufführung anwesenden Komponisten Heinrich Hartl haben Konzertreisen oft nach Osteuropa geführt. Dies hat ihn zur beim Klosterfrühling erstmals erklingenden Komposition animiert. Denn "Wojna i pokój“ ist einer polnischen Krankenschwester gewidmet, die Hartls demenzkranke Mutter aufopfernd gepflegt hat.

Miteinander zweier Völker

"Krieg und Frieden“ stünde für "ein Nachdenken über das Miteinander zweier Völker“, so Heinrich Hartl zu seiner Komposition. Ein Nachdenken auch über das Zusammenleben zweier Menschen aus unterschiedlichen Lebensphasen, die über kurze Zeit durch besondere Umstände miteinander verbunden waren.

Folglich ist der erste der drei Sätze ein stark rhythmisch geprägter Dialog, in dem sich die musikalischen Stimmen beflügeln, inspirieren lassen, aber auch konträr klingen. Den zweiten Satz beherrscht die Suche des Menschen nach spiritueller Erfahrung, nach tiefer Frömmigkeit, während im dritten Satz der spirituellen Suche scharfe, harte Töne, einer Gewehrsalve gleich folgen, von ruhigen Passagen unterbrochen. Das Publikum hielt den Atem an, dann brandete der Beifall.

Dieser letzte Satz des Opus ist laut Hartl Sinnbild für das deutsch-polnische Verhältnis. Für das große Leid, aber auch die Hoffnung auf ein künftiges freundliches Miteinander, das „die Schatten der Vergangenheit hinter sich lässt“. Das Leid aber, seine Schatten bildhaft gesehen hat Heinrich Hartl nicht. Er ist von Geburt an blind.

Umrahmt hatte dieses ergreifende Opus alte und neue Musik. Mit der Alten Suite von John Downland, zeitgenössisch arrangiert von C. Lindberg (geboren 1958), entführte die "BlechMafia“ mit pointierten, auch harten Tönen in die oft schmerzliche Zeit um 1600. Erzählte einfühlsam mit „Fancies, Toyes and Dreames“ von Giles Farnaby (1562-1640), bearbeitet von E. Howarth (Jahrgang 1935) die Geschichte einer alten Spanierin, die mit einem fröhlichen Springtanz endet. Drei Spirituals von Enrique Crespo (geboren 1941) standen ebenfalls auf dem Programm, unüblicherweise von der Tuba in der Melodiestimme geführt.

Vielgestaltig und pointiert erklang die "Dance Suite“, von Leonhard Bernstein zum 50-jährigen Bestehen der New Yorker Metropolitan Opera komponiert. Wie spielerisch die Grenzen von U- und E-Musik zerfließen können, zeigte die "BlechMafia“ recht schelmisch mit Luther Hendersons (19191-2003) "The Saints’ Halleluja“, einer verblüffenden Kombination aus "When the Saints go Marching In“ und dem Refrain aus Händels "Hallelujah“.

Grandioser Applaus brandete, gemischt mit herzlich Bravo-Rufen. Die Nürnberger "BlechMafia“ hatte ihr Publikum trotz manch ernster, bedrückender Inhalte mit ihren Interpretationen, ihrer Klangkunst fasziniert und hingerissen. Eine passende Zugabe gab es auch noch: Heinrich Hartls "Der Frieden liegt in den Höhen“.

Gefördert hat das heftig beklatschte Konzert der Verein "Kultur Erlangen-Höchstadt und der Rotary Club Herzogenaurach, deren jeweilige Repräsentanten, Landrat Alexander Tritthart und Präsident Ralf Nadler, ein Grußwort sprachen. 

INGRID JUNGFER

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