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Ovationen für Longhorns trotz der Niederlage

Letztes Aufgebot der TSH-Basketballer fordert Spitzenreiter Ansbach alles ab - 01.12.2019 18:33 Uhr

Nur 1,73 Meter groß, aber letztlich nicht zu stoppen: der Ansbach US-Spielmacher Tylik Rashad erzielte gegen die Longhorns 30 Punkte. © Helmut Hollfelder


Denn wie die TSH-Basketballer mit ihrem letzten Aufgebot dem Spitzenreiter der 1. Regionalliga über lange Zeit Paroli boten, war schon unglaublich. Außer der ersten Fünf hatte Coach Nikola Jocic wegen zahlreicher Ausfällen (privat und verletzungsbedingt) nur noch drei 16-Jährige neben auf der Bank sitzen. Von denen Moritz Deistler und Eric Naumann normalerweise in der "Zweiten" in der Bezirksoberliga mitwirken und am Samstag in der letzten Minute Regionalligapremiere feiern durften.

Irre erste Halbzeit

Eigentlich war also das Schlimmste zu befürchten gegen den Primus aus der Bezirkshauptstadt, doch in der Halbzeit rieben sich die gut 300 Zuschauer verwundert die Augen: 52:39 stand da auf der Anzeigentafel – für den krassen Außenseiter, der eigentlich auf jeder Position über sich hinaus gewachsen war.

Angefangen von den Oldies Mike Kaiser (37) und Larry Hall (36) über den Dreier-Künstler Vedran Nakic bis hin zu den Youngsters Matthias Schlindwein und Chris Kwilu. Und auch Luka Stevanovic, der dritte 16-Jährige, hatte da schon sieben Punkte zur sensationellen Pausenführung beigesteuert. Bis dahin hatten die Longhorns eine nahezu optimale Wurfquote zu verzeichnen.

Das lag aber auch daran, dass die Ansbacher anfangs offenbar vergessen hatten, dass zum Basketballspielen auch das Verteidigen gehört. Und genau da setzte Martin Ides bei seiner Kabinenpredigt an. Die dauerte lange, erst kurz vor Wiederbeginn kehrten die Piranhas in die Halle zurück – zeigte aber sofort Wirkung.

Bissig wie ihre Namensgeber starteten die Gäste ins dritte Viertel, sorgten mit einem 8:0-Lauf schnell dafür, dass der Anschluss hergestellt war. Nun traf auch der Superstar der Liga, Tylik Rashad Evans, nachdem zuvor vor allem der bullige David Kurpiela die Ansbacher im Spiel gehalten hatte. Evans, nur 1,73 groß und mit der schmächtigen Statur eines Marathonläufers ausgestattet, hatte zuvor gegen die Herzogenauracher Zonenverteidigung seine liebe Not, hatte nun aber sein Visier eingestellt. Ähnlich wie der längste Mann auf dem Feld, sein Center Walter Simon, der mageren zwei Pünktchen in der ersten Halbzeit 21 nach der Pause folgen ließ. Was ihm leichter fiel, als sein Widerpart Matthias Schlindwein nach dem vierten Foul doch einmal kurz aussetzen musste.

Die Longhorns hielten weiter mit Moral und unglaublich viel Herzblut dagegen. Mit der Sirene traf Larry Hall, dessen Wurfquote ansonsten eher schwach war, mit einem Dreier zum letzten Mal zum Ausgleich für die TSH: 69:69.

Aber es war abzusehen, dass der Spitzenreiter das bessere Ende für sich haben würde. Defensiv konnten die Hausherren wegen der Foulbelastung nicht mehr konsequent zu Werke gehen, offensiv schwanden nun auch die Kräfte. Für die Piranhas zauberten Evans, Kurpiela, Simon und der Ex-Herzogenauracher Marcel Amar Koulibaly hingegen weiter.

Am Ende stand es 93:105 – und es gab für beide Teams stehende Ovationen: für die Hausherren, weil sie wirklich alles gegeben hatten (Coach Jocic: "Mehr kann man einfach nicht investieren, das war unglaublich"), für die Gäste von ihrem Anhang, weil sie im Stile einer Spitzenmannschaft nach der verkorksten ersten Halbzeit den Schalter umgelegt und den zweiten Durchgang mit 66:41 gewonnen haben.

Die Longhorns setzen jetzt auf die Rückkehr von Akteuren wie Donhauser, Jularic, Niederlich, Ngan und vor allem Centerspieler Übbing, dessen beruflich bedingter Aufenthalt in Stuttgart sich langsam dem Ende nähert. Dann hat man auch unter dem Korb eine ganz andere Präsenz. "Die Rückrunde wird gut", glaubt daher Jocic.

Longhorns: Deistler, Stevanovic 7/1 Dreier, Nakic 19/5, Kaiser 25/1, Schlindwein 18/2, Naumann, Kwilu 15/1.

Piranhas: Evans 30/5, Noblet-Durruthy, Kurpiela 21, Gintschel n.e., Imberi 7, Koulibaly 16/5, Veljkovic, Simon 23, Faatz, Bauer 8/1.

HOLGER PETER

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