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Freitag, 25.09.2020

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Pilze sind im Landkreis ERH auf Rekordkurs

Große Mengen in Wachenroth, riesige Größe in Oberreichenbach - 11.09.2020 12:00 Uhr

Bio-Landwirt Georg Kaiser präsentiert ein paar Exemplare, der unzähligen Pilze, die auf seinen Weiden bei Klein-Wachenroth aus dem Boden sprießen. Großen Anteil daran haben die Rinder im Hintergrund: Sie liefern die Kuhfladen, die als Dünger nutzen.

© Foto: Claudia Freilinger


Kaum einen Quadratmeter auf den rund sieben Hektar Weideflächen bei Kleinwachenroth kann er betreten, ohne Egerlingen zu begegnen.

"Das ist schon außergewöhnlich", sagt auch der Pilzexperte Hans Krautblatter aus Höchstadt. "Die Egerlinge finden hier ganz hervorragende Bedingungen", erklärt er, "denn die Wiesen werden nur leicht gedüngt durch gelegentliche Kuhfladen". Flächen, die mit Jauche übergedüngt sind – wie viele Wiesen in der Landwirtschaft – liegen den Pilzen nicht.

Hexenringe gebildet

Georg Kaiser setzt auch bei seinen Weiden auf Bioqualität und das kommt bei den Egerlingen gut an. Wiesen-Champignons entdeckt der Pilzexperte und Warzenschirmlinge. Sie haben teils sogenannte Hexenringe gebildet. Diese entstehen, weil der Pilz selbst unterirdisch wächst. Er besteht aus einem Geflecht feiner wurzelähnlicher Fäden, dem Myzel. Es breitet sich oft über mehrere Quadratmeter aus, in alle Richtungen gleich schnell. Am Ende der Myzelfäden bildet sich das, was der Volksmund als Pilz bezeichnet, der sichtbare Fruchtkörper.

Bei vielen Gartenfreunden sind Hexenringe unbeliebt, weil dort der Rasen austrocknet. Andererseits gibt der Pilz beim Abbauprozess Nährstoffe wie Stickstoff an die Umgebung ab, was zu stärkerem Wachstum im Nachhinein angeregt. "Ich freue mich", sagt Georg Kaiser, der seine Hexenringe gedeihen lässt. "Im nächsten Jahr wächst das Gras für meine Kühe dann viel besser und ich hab auch noch leckeres Essen." Einige Portionen Wiesen-Champignons hat er schon auf dem Teller gehabt – er mag sie am liebsten aus der Pfanne mit Ei. Seine Kühe hingegen ignorieren den Schmaus.

Ein dicker Fund: Johannes Kreß freut sich über seinen Riesen-Bovist.


Das ist auch gut so, denn nur deshalb konnte Pilz-Experte Krautblatter noch den Hexenring eines ganz besonderen Exemplars entdecken. "Der gedrungene Egerling, der hier an einer Stelle wächst, ist nur an zwei weiteren Standorten in Bayern bisher noch bekannt." Weil es so lange trocken war, hat auch dieses Myzel lange in der Erde gewartet, dass es endlich wachsen kann.

1,25 Meter Umfang

So ging es vielen Sorten. Auch im Aurachgrund. Johannes Kreß aus Oberreichenbach hat dort einen Riesenbovisten gefunden, der seinem Namen alle Ehre macht. Das Prachtexemplar hat ein Gewicht von 5,2 Kilogramm, einen Umfang von 1,25 Meter sowie eine Höhe von 31 und eine Breite von 40 Zentimetern.

Der Pilz ist trotz seiner Größe noch genießbar. Wie Kreß sagte, muss man ihn gut würzen, panieren und in der Pfanne ausbraten. Da wird es sich die dreiköpfige Familie wohl einige Male schmecken lassen.

Hans Krautblatter hofft insgesamt auf eine gute Saison. "Wenn es jetzt noch ein paar Mal richtig gut regnet, kann das ganz toll werden."

cf/rk

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