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Planespotter: "Was uns eint, ist unser Jagdtrieb"

Christian Knobl ist ein bodenständiger Mensch. Bei seinem Hobby allerdings hebt er ab. - 12.02.2021 16:12 Uhr

Christian Knobl erstellt für sich jedes Jahr großformatige Kalender mit seinen besten Fotos. Und nebenher sammelt er auch Flugzeugmodelle.

03.02.2021 © Matthias Kronau


Die Faszination für Flugzeuge hat früh begonnen."Da war ich wohl so zehn Jahre alt", überlegt der heute 49-Jährige. Mit dem Vater und mit Bekannten besuchte er die Flugtage in Herzogenaurach, auch der Nürnberger Flughafen war ein Ausflugsziel. "Ich habe dann eine Agfa-Pocket-Kamera bekommen, so eine Ritsch-Ratsch", schmunzelt Christian Kobl. Gut geworden sind die Fotos nicht wirklich, aber immerhin.

Genau erinnert er sich noch an den 21. Juni 1986. Das Überschallflugzeug Concorde landete das erste und einzige Mal am Nürnberger Flughafen. Rund 20000 Besucher ließen sich das nicht entgehen, auch der Flugzeugfan aus Münchaurach nicht. "Es hat ziemlich geregnet, meine Fotos – naja."

Fasziniert von Mobilität

Bis zu diesem Zeitpunkt war das normale jugendliche Begeisterung fürs Fliegen. Beruflich führte der Weg dann zu im wahrsten Sinne des Wortes Bodenständigem – zum Busfahren. Nicht nur ist Knobl bis heute Fahrer und Büromitarbeiter bei einem hiesigen Busunternehmer. Das Dokumentieren und Sammeln von Fotos und Geschichten rund um den Bus ist auch zu seinem Markenzeichen geworden.

Bilderstrecke zum Thema

Die besten Bilder von Planespotter Christian Knobl

Der Planspotter Christian Knobl aus Münchaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt, Bayern) fotografiert mit Leidenschaft Flugzeuge. Hier eine kleine Auswahl von Maschinen, die er besonders schön ins Bild gesetzt hat, beziehungsweise die er endlich einmal erwischen wollte.


Im Jahr 2011 allerdings hatte Knobl, der nebenher auch bei der örtlichen Theatergruppe aktiv ist, eine Art Schlüsselerlebnis am Nürnberger Flughafen. Zufällig lernte er einen Planespotter kennen, einen also, der gezielt Flugzeuge fotografiert. Schnell war Christian Knobl angesteckt von der Leidenschaft, und aus einem Flugzeugknipser wurde ein begeisteter Planespotter.

Sammelleidenschaft

So wie andere Briefmarken oder Bierkrüge zusammentragen, so sammeln Planespotter Flugzeugfotos. Und wie bei allen Hobbys gibt es Generalisten und Spezialisten. "Da gibt es die, die alles fotografieren, was ihnen vor die Linse kommt, und die, die genau auswählen", so Knobl. Manche fotografieren Linienmaschinen, andere Transportmaschinen oder Propellermaschinen. Oder bestimmte Lackierungen, Fluglinien, originielle Variationen. Oder: Maschinen beim Start, bei der Landung, auf dem Rollfeld. "Was alle Planespotter eint, ist ihr Jagdtrieb."

Christian Knobl dürfte man als Generalist mit bestimmten Vorlieben bezeichnen. Etwa: "Ich freue mich, dass ich beispielsweise rund 20 bis 30 Fluglinien fotografiert habe, die es heute schon gar nicht mehr gibt." Bei der Air Berlin hat er fast schon so etwas wie "nostalgische Gefühle", wenn er seine Bilder betrachtet.

Trauer um Tegel

Die "Blaue Mauritius" hat er auch schon. "So nennt man unter Planespottern die Air Force 1, also die US-Präsidentenmaschine." Der Münchauracher hat sie in Hamburg fotografiert, als Ex-Präsident Donald Trump zum G20-Gipfel einflog. Die Regierungsmaschine der Bundeskanzlerin hat er abgelichtet am Flughafen Berlin-Tegel, als der noch in Betrieb war. "Tegel hatte die schönste Flughafenterrasse der Welt", schwärmt Christian Knobl noch immer. "Man war so nah dran."

Einiges dürfte durcheinandergewirbelt werden

Wer hat schon einen Schrank voller Flugzeuge.

03.02.2021 © Matthias Kronau


Wie viele unterschiedliche Flugzeuge der Münchauracher mittlerweile fotografiert hat, das kann er nur sehr schwer sagen. "Vielleicht so 500 bis 700 Flugzeuge sind es wohl." Aber das sei eine grobe Schätzung. Nicht alle, aber doch sehr viele der größeren Verkehrsflugzeuge hat Christian Knobl mittlerweile im Kasten. Aber immer wieder gibt es Neues zu entdecken. "Nach Madrid würde ich zum Beispiel gerne, denn da starten Flugzeuge nach Kuba, die anderenorts nie auftauchen." Und wer weiß, welche Neuigkeiten es nach Corona am Himmel zu entdecken gibt. In der Flugzeugbranche dürfte einiges durcheinandergewirbelt werden.

Zaunlöcher für Objektive

Flughafen ist nicht gleich Flughafen, auch für Planespotter nicht. In Brüssel ist Knobl gerne, weil beim An- und Abflug im Hintergrund immer ein schönes Dorf mit auf dem Bild ist. Auch Amsterdam und Frankfurt bieten spezielle Standorte für Spotter an. Zürick lockt sogar mit speziellen Zaunlöchern für die Objektive. Ambitionierte Flugzeugfotografen brauchen eine hochwertige Ausrüstung. Christian Knobl verwendet Nikon-Kameras und hat ein 600mm-Objektiv im Köcher – sicher ist sicher.

Flightradar-24-App ist ein wichtiges Handwerkszeug

"Zur Ausrüstung gehört aber auch die Flightradar-24-App, damit wir immer wissen, was gerade anfliegt." Diese App, die es auch in einer Gratisversion gibt, zeigt weltweit an, wo gerade welches Flugzeug unterwegs ist. Planespotter vernetzen sich untereinander in der Regel über Whatsapp-Gruppen. "Manchmal geht es da gar nicht nur um Flugzeuge, sondern wann man sich trifft, um einfach Spaß zu haben." Auch das ist an manchen Schauplätzen möglich: Grillen neben dem Flughafenzaun. Ein Wunschtraum für die Zeit nach Corona.

Keine Flugangst, aber Riesenrespekt

Übrigens: Obwohl Christian Knobl fasziniert von Flugzeugen ist, so ist er doch kein Dauergast im Passagierraum. "Ich würde nicht von Flugangst reden, aber ich habe doch Riesenrespekt", gibt der Flugzeugenthusiast zu. "Wenn ich einen Bus steuere, dann habe ich das Gefühl, dass ich alles selbst im Griff habe." Christian Knobl ist eben bodenständig, auch wenn der Blick immer wieder zum Himmel geht.

MATTHIAS KRONAU

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