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Röttenbach bekommt einen 3D-Drucker, den jeder nutzen kann

Reparaturservice wird immer beliebter und könnte Ersatzteile bald selbst drucken - 05.12.2018 14:00 Uhr

Zum guten alten Lötkobeln greifen Helmut Schmidt und Peter Tilgner (rechts) gerne in der kleinen Werkstatt des Reparaturservice Röttenbach im Alten Rathaus. Bald steht hier vielleicht auch ein 3D-Drucker. Foto: Roland Huber

04.12.2018


Der Tüftler Helmut Schmidt setzt gerade in einer kleinen Werkstatt im Keller des Alten Rathauses den Lötkolben an und repariert ein Kassettendeck aus den 90er Jahren. Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern hat der 67–Jährige vor mehr als zwei Jahren den Reparaturservice Röttenbach gegründet. Er läuft unter der Schirmherrschaft der Initiative "WiR! in Röttenbach".

Immer am zweiten Samstag im Monat (13 bis 16 Uhr) bringen Bürger aus Röttenbach und Umgebung hier ihre lieb gewordenen aber defekten Schätze vorbei und vertrauen sie dem Reparaturteam an. Dieser Termin hat sich herumgesprochen und ist für viele zu einer festen Einrichtung geworden. Alles was unter den Arm passt, darf mitgebracht werden. Die Reparatur ist kostenlos, denn das Team arbeitet ehrenamtlich.

"Wir wurschteln uns da durch"

Wenn Helmut Schmidt und seine Kollegen, zu denen viele Ingenieure und Techniker gehören, den Lötkolben ansetzen, verlassen die Besucher die Werkstatt danach meistens mit einem Lächeln. Entweder weil ihr "Schätzchen" wieder funktionniert oder weil sie Gewissheit haben, dass sich der Aufwand für eine größere Reparatur nicht mehr lohnt. "Wir sind zwar nicht in allen Gebieten Fachleute, aber wir wurschteln uns da durch", sagt Peter Ziegler.

Gemeinsam mit Schmidt hat der 63–Jährige jüngst lange geschraubt, um einem Kaffee-Vollautomanten wieder neues Leben einzuhauchen. "Die Besitzerin wird sich sehr freuen, dass es jetzt geklappt hat." Die Röttenbacherin hat schon öfter Schätzchen vorbeigebracht. Zum Beispiel ein altes Tonband mit Musik, die sie zu Studienzeiten immer gehört hat. "Es war ihr großer Wunsch, die Lieder wieder hören zu können", erzählt Helmut Schmidt. Also haben die Reparatur-Helfer sich ins Zeug gelegt, bis die Stimme von Nana Mouskouri wieder zu hören war.

Asylbewerber aus Syrien unterstützt das Team

"Die Dame ist vor Glück fast geschwebt, als sie die Werkstatt verlassen hat", erzählt Peter Tilgner, ebenfalls vom Reparaturservice. Die Männer haben schon Spieluhren wieder zum Klingen gebracht oder verschiedene alte Radios. Auch Rasenmäher, Bügeleisen und Schweißgeräte haben sie wieder aktiviert. Die Bilanz kann sich sehen lassen: An 28 Reparaturterminen haben sie 210 Geräte begutachtet und 145 wieder zum Laufen gebracht. Sieben Ehrenamtliche helfen mit. Seit kurzem unterstützt ein anerkannter Asylbewerber aus Syrien das Team mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Elektriker.

Selbst aus Heiligenstadt kamen schon Gäste, um den Service im Alten Rathaus zu nutzen. Renate Schmidt backt immer fleißig jeden zweiten Samstag im Monat, damit die "Kunden" bei einer Tasse Kaffee und Leckereien auf ihre Geräte warten können. "Meine Frau ist so begeistert von den vielen spannenden Gesprächen, dass sie uns jeden Monat voll unterstützt", freut sich Helmut Schmidt.

Neuer 3-Drucker soll junge Menschen locken

Viele, die vorbeikommen, möchten auch beim Reparieren helfen oder über die Schulter schauen. Die Besitzerin des Kaffee-Vollautomaten hat sich beispielswiese voll mit engagiert für ihre Schätzchen.

"Aber die Generation Handy erreichen wir nicht,", sagt Gründungsmitglied Peter Ziegler. Bislang nutzen vor allem ältere Menschen den Service. Das soll sich jetzt ändern: Mit einem neu angeschafften 3-D-Drucker. In Zusammenarbeit mit dem Jugendpfleger der Gemeinde, Frank Schulte, möchten die Männer vom Reparaturservice damit auch Jugendliche ansprechen.

Viele Firmen setzten schon bei der Ausbildung auf den Umgang mit 3D-Druckern, wie unser Bild der Firma Schaeffler in Herzogenaurach zeigt. In Röttenbach soll es bald ein Gerät für alle geben. Foto: Schaeffler

04.12.2018


Treffen mit allen Interessierten geplant

Wer möchte sich mit der Zukunftstechnologie 3D-Druck vertraut machen? Die Initiative "WIR! in Röttenbach" treibt gemeinsam mit dem gemeindlichen Jugendpfleger Frank Schulte ein neues Projekt voran. Aufgerufen sind Jugendliche und Junggebliebene, gemeinsam druckbare Objekte zu entwerfen und herzustellen. Vorgesehen ist auch, eventuell einen 3D-Drucker in Eigenregie aus einem Bausatz zusammenzubauen — je nach Interessenlage.

Der Reparturservice hätte damit in Zukunft auch die Möglichkeit, nicht verfügbare Ersatzteile selbst zu drucken. Die Gemeinde unterstützt das Projekt "WiR! Drucken 3 D" finanziell. Wer Interesse hat, mitzumachen, kommt einfach am Samstag, 15. Dezember um 15 Uhr ins Alte Rathaus in Röttenbach. Hier wird das weitere Vorgehen besprochen. 

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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