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Röttenbach: Peters Backstube macht dicht

Personalmangel und Auflagen: Konditormeister Bräun schließt seinen Laden - 29.04.2019 17:14 Uhr

Der letzte Traditionsbäcker in Röttenbach vor seiner Backstube: Konditormeister Peter Bräun hat sich entschieden, den Ladenbetrieb ab Ende Juni einzustellen. Er backt dann nur noch auf Anfrage.


Der Gedanke, die Bäckerei für immer zu schließen, gäre schon seit geraumer Zeit in ihm, sagt Konditormeister Peter Bräun. Die Auflagen und Vorschriften nähmen zu, qualifiziertes Personal sei nicht mehr zu finden, Großbäckereien und Discounter machten den Handwerks-Bäckern schwer zu schaffen.

Die Bäckerei Bräun in Röttenbach gibt es schon in der dritten Generation. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges habe sein Großvater das Geschäft gegründet, erzählt der 57-jährige "Bäcker aus Leidenschaft". Auch eine Tanzgaststätte gehörte dazu, die bis in die 1970er Jahre hinein legendär war.

Peter Bräun besuchte die Meisterschule, die er 1986 als Konditormeister abschloss. 1993 dann folgte die Übernahme der Bäckerei, die seither unter "Peters Backstube" firmiert. Personelle Engpässe gibt es seit Juni 2018. Bräuns "rechte Hand", der Bäckergeselle Reinhold Weber, ging in den Vorruhestand, aber weit und breit fand sich kein Nachfolger.

In die personelle Enge getrieben, entschlossen sich Peter Bräun und seine Ehefrau Marita im Sommer vergangenen Jahres, das Ladengeschäft montags zu schließen.

"Wir müssen bei den Mitarbeitern im Laden und in der Backstube die Fünf-Tage-Woche einhalten", erklärt Bräun, der selbst seither am freien Montag in der Backstube steht und Vorbereitungen für den Dienstag trifft.

Derzeit habe er noch zwei Bäcker-Gesellinnen und einen Backstubenhelfer, einen 19-jährigen Flüchtling, dem er sogar im Obergeschoss, also dem früheren Tanzsaal, eine kleine Wohnung eingerichtet hat. Er wollte auch die Bäckerlehre machen, brach aber ab. "Finden Sie mal einen ausgelernten Bäcker", sagt Bräun.

Die gäbe es kaum mehr, was nicht bloß am frühen Aufstehen liege. Wer lerne heute schon noch, wie ein klassischer Sauerteig gemacht werde? Ein typisches Kaiserbrötchen gehe bis es fertig sei, vier Mal durch seine Hand. In den Großbäckereien schmeiße man den Teig vorne rein und hinten komme das fertige Brötchen raus. "Uns fehlen halt die Facharbeiter", sagt Peter Bräun. "Die Guten lässt keiner mehr gehen, die sind in festen Händen." Dann kam bei Bräuns noch hinzu, dass mit der Bäckerin Nicole Noppenberger eine weitere qualifizierte Fachkraft aus persönlichen Gründen kündigen musste. "Wie soll ich das schaffen? Ich bin der Erste und der Letzte in der Backstube." Unter der Woche sei Dienstbeginn um 2.30 Uhr, freitags auf samstags beginne der Arbeitstag schon um 23.30 Uhr.

Das Problem seien die Großbäckereien und die Backwaren in den Discountern, die mal schnell so nebenbei mitgenommen würden.

Peter Bräun hat den Eindruck, dass die Jugend das traditionelle Bäckerhandwerk nicht mehr schätzt. Und deshalb sei sein letzter Öffnungstag der 29. Juni 2019.

Ganz verzichten müssen die Kunden aber nicht. Peter Bräun betreibt zwar kein Ladengeschäft mehr, auf Anfrage wird er seinen Backofen aber noch anheizen und Geburtstagsorten und Co. machen – schließlich sei die Patisserie sein Steckenpferd.

NIKO SPÖRLEIN

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