Samstag, 08.05.2021

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Röttenbach: Rückkehr zum sachlichen Miteinander

Nach dem knappen "Ja" im Baugebiets-Bürgerentscheid geht der Riss quer durch die Gemeinde - 18.10.2016 06:00 Uhr

Die Bürger in Röttenbach haben entschieden: Auf diesem Brachland sollen in naher Zukunft rund 7,5 Hektar Baugebiet entstehen. Davor muss aber der Flächennutzungsplan geändert werden.

17.10.2016 © Silvia Schulte


Fragt man Bürgermeister Ludwig Wahl, dann ist für ihn eines der wichtigsten Ziele, die Diskussion wieder zu versachlichen. An der vorliegenden Machbarkeitsstudie hätten sich die Emotionen der Röttenbacher „hochgeschaukelt“, wie es Wahl formuliert. Zu Unrecht, meint das Gemeindeoberhaupt, denn in jener Studie sei „erheblich mehr ausgewiesen, als tatsächlich realisiert werden soll“, so Wahl.

Bereits 100 Interessenten

Zur Erinnerung: Die offiziellen Pläne der Gemeinde sehen im Westen von Röttenbach die Ausweisung eines Baugebiets vor, das rund 7,5 Hektar umfasst, von denen unter dem Strich rund sechs Hektar als Bauland zur Verfügung stehen sollen. Dafür gibt es nach Angaben der Gemeinde bereits rund 100 Interessenten, denen die Gemeinde nicht nur die Erschließungskosten auferlegt, sondern auch eine Bauverpflichtung, um Grundstücks-Schachereien vorzubeugen.

Massive Spaltung

Ludwig Wahl ist bewusst, dass der Baugebiets-Streit die Röttenbacher Bevölkerung massiv in Lager gespalten hat und er betont im NN-Gespräch, was er bereits am Wahlabend ausführte: „Die Ängste der Gegner sind unbegründet, denn wir werden nicht die Machbarkeitsstudie umsetzen, sondern ein deutlich kleineres Areal bebauen“. Auch der Bau einer Umgehungsstraße sei „nicht Gegenstand des Bürgerentscheids“ gewesen, sagt Wahl.

Nur die Hälfte hinter sich

Friedrich Biefang, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Röttenbach“, die sich gegen die Baupläne gewendet hatte, sieht das Wahlergebnis zunächst durchaus positiv. Zeige der knappe Ausgang doch, dass Bürgermeister und Gemeindespitze nur rund die Hälfte der Röttenbacher hinter sich hätten und dass das Argument, die Baugebiets-Gegner würden lediglich nach dem „Floriansprinzip“ agieren, einfach nicht richtig sei.

Sozialmodell kritisiert

Biefang kritisiert in erster Linie das zugrunde gelegte Sozialmodell, das es Normalverdienern — von bedürftigen Familien ganz zu schweigen — schwer bis unmöglich mache, in Röttenbach-West Bauland zu kaufen und ein Haus zu bauen. Bei Summen zwischen 500 000 und einer Million Euro pro Bauplatz solle die Gemeinde ihr Finanzierungskonzept noch einmal überdenken und auch eine gerechtere Verteilung der Erschließungskosten anstreben. Darüber hinaus empfiehlt Biefang, das alte Bauhof-Areal für Sozialen Wohnbau statt für eine Einfamilienhaus-Siedlung zu nutzen.

Initiative will FNP-Änderung "genau ansehen"

Die für die Baugebiets-Ausweisung im Westen nötige Änderung des Flächennutzungsplans wolle man sich seitens der Initiative „Pro Röttenbach“ jedenfalls „ganz genau ansehen“, nicht zuletzt aus der Perspektive des Flächenverbrauchs, und gegebenenfalls konstruktive Einwände vorbringen.

Erleichterung statt Euphorie

Bei den Befürwortern herrscht eher Erleichterung als Euphorie. Tobias Sander von „Wir lieben Röttenbach“ ist „froh, dass die Entscheidung gefallen ist“, wie er ohne Schadenfreude sagt. Man habe weder Bürger vergraulen noch Missgunst säen wollen, betont der Gemeinderat, dem klar ist, dass es „nur gemeinsam gehen kann“. Dass manche Prozesse nicht vorangehen können, wenn die Hälfte der Bürger dagegen ist, weiß Sander: „Wir wollen, dass alle Seiten zufriedengestellt werden und wir wieder zu einem Miteinander finden.“

Hans von Draminski

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